Baden

Thermalbad-Baustart verzögert sich erneut – Eröffnung frühestens im Herbst 2020

Die Planung der Gesundheitsklinik im Badener Bäderquartier zieht sich hin. Deshalb verzögert sich auch der Start der Aushubarbeiten. Das hat Auswirkungen auf die Eröffnung des Thermalbades. Sie verschiebt sich zwei Jahre nach hinten.

Martin Rupf
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Das alte Thermalbad wurde bereits abgerissen, mit dem Aufbau des Botta-Bades wurde aber noch nicht begonnen.

Das alte Thermalbad wurde bereits abgerissen, mit dem Aufbau des Botta-Bades wurde aber noch nicht begonnen.

Severin Bigler

Es ist still in den Bädern. Für viele Beobachter wohl zu still. Seit rund drei Monaten ruhen die Bauarbeiten für das neue Thermalbad. Eigentlich hätte man nach dem Rückbau des alten Thermalbades, des «Staadhof» und der Trinkhalle erwartet, dass nun mit dem Aushub und dem Bau des neuen Bades begonnen wird. Denn ursprünglich plante die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, mit dem Bau im Frühling 2017 loszulegen. Stecken die Investoren etwa in finanziellen Schwierigkeiten? Oder noch schlimmer: Hat die Stadt Baden gar einen Baustopp verfügt?

Auf Anfrage beruhigt Stiftungsdirektor Rainer Blaser sogleich: «Nein, es gibt kein Problem mit der Finanzierung, und auch die UBS als Kreditgeberin steht voll und ganz hinter dem Projekt.» Gleichzeitig räumt Blaser ein, dass sich der Bau-Fahrplan – ein weiteres Mal – verzögert. Vor zwei Jahren hiess es noch, das Bad werde am 1. September 2018 eröffnen – dem Tag der Heiligen Verena, einem offiziellen Feiertag in Bad Zurzach. «Wir planen nun, mit den Aushubarbeiten im Frühling 2018 zu beginnen», sagt Blaser. An der geplanten Bauzeit von rund zweieinhalb Jahren ändere sich hingegen nichts. «Vorausgesetzt wir stossen bei Bauarbeiten nicht noch auf unvorhersehbare Herausforderungen, rechnen wir mit rund zweieinhalb Jahren Bauzeit.» Will heissen, das von Architekt Mario Botta entworfene Bad würde im Herbst 2020 eröffnen.

Visualisierung Bäderquartier Baden
7 Bilder
Visualisierung Bäderquartier Baden
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Visualisierung Bäderquartier Baden

Zur Verfügung gestellt

Neue Pläne mit Elefantensaal

Als Grund für die abermalige Verzögerung führt Blaser die Detailplanung beim Baufeld 3 – dem Verenahofgeviert – ins Feld. «Mit dem Bau des Thermalbades und auch des Ärztehauses könnten wir schon bald beginnen. Doch wir wollen aufgrund der aufwendigen Baulogistik und auch, um die Belastung für Anwohner und Gewerbetreibende so niedrig wie möglich zu halten, mit allen drei Bauprojekten gleichzeitig loslegen», sagt Blaser.

Zwar liegt die Baubewilligung für die geplante Klinik für Prävention und Rehabilitation mit 78 Zimmern in den ehemaligen Bäderhotels Verenahof, Ochsen und Bären seit Februar 2017 vor. Jedoch mit der Auflage, wonach der geschichtsträchtige Elefantensaal erhalten werden muss. Ursprünglich plante die Bauherrin, den Saal für zehn Zimmer zu opfern. Man führe intensive Gespräche mit der Stadt und auch dem Generalunternehmer (HRS Real Estate AG Anm. der Redaktion), sagt Blaser. Zudem habe man mit der Villa Nova Architekten AG aus Basel einen Spezialisten im Umgang mit historischer Substanz an Bord holen können. «Wir sind ganz klar der Meinung, dass es sich lohnt, ein qualitativ hochstehendes Projekt auszuarbeiten und dafür nochmals eine – im Vergleich zur langen Entstehungsgeschichte des Bads – kurze Verzögerung hinzunehmen», sagt Blaser.

Wie genau sich das Projekt präsentieren wird, kann er noch nicht verraten. Nur so viel: «Es sieht danach aus, dass wir auf eine Aufstockung verzichten können.» Einerseits suche man nach Möglichkeiten, die zusätzlichen Zimmer in der bestehenden Kubatur zu realisieren. «Andererseits sehen wir den Erhalt des Elefantensaals als grosse Chance.» Konkret: Es sei denkbar, den Saal für gesellschaftliche Anlässe zu nutzen, soweit dies innerhalb einer Gesundheitsklinik machbar sei.

«Kein Ballenberg-Museum»

Doch nicht nur in Sachen Präventions-und Rehabilitationsklinik würden zurzeit intensive Diskussionen und Gespräche geführt. Die grosse Herausforderung bestehe beim Bäder-Projekt darin, ein modernes Thermalbad zu realisieren und gleichzeitig das historische Erbe der 2000-jährigen Bädergeschichte erlebbar zu machen. Damit spricht Blaser auch Befürchtungen von Experten und Historikern an, wonach die Verenahof AG dem historischen Erbe der Bäder zu wenig Sorge trage, was sogar die Politik auf den Plan rief (die AZ berichtete). «Damals wurden bei uns offene Türen eingerannt. Wir sind uns alle einig, dass die Geschichte ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des künftigen Bads sein kann», betont Blaser. «So prüfen wir zusammen mit Experten, wie wir verschiedene Zeitzeugen zugänglich und mit ihr die faszinierende Bädergeschichte erlebbar machen können.»

Vizeammann Markus Schneider hält die abermalige Verzögerung nicht für tragisch: «Es ist absolut richtig, dass sich die Gesundheitsstiftung für die Detailplanung die nötige Zeit nimmt, mit dem Ziel, ein Projekt mit deutlichem Mehrwert zu realisieren.» Der Bauvorsteher gibt zu bedenken, «dass die Stiftung das Zepter erst im Frühling 2016 von der Verenahof AG übernommen hat». Es sei völlig normal, dass man sich erst mal einen Überblick verschaffen müsse. «In den letzten eineinhalb Jahren konnte bereits sehr viel realisiert werden.» Die Stadt werde den Prozess auch weiterhin mit der Abteilung Planung und Bau, mit dem Standortmarketing und der Kulturvermittlung eng begleiten.

Historische Fotos des Bäderquartiers:

Der Badener Kurplatz mit dem Schweizerhof und dem Staadhof, links hinter der Linde.
15 Bilder
Das Hotel Verenahof am Kurplatz, um 1900.
Das offene Verenabad in der Darstellung des Zürcher Malers Ludwig Vogel, 1820.
Der Freihof von der Limmat aus, um 1896 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.209
Inhalatorium Limmathof, um 1899 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.218
Ennetbaden um 1910 von der Schiefen Brücke aus Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.196
Ennetbaden um 1885 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.203
Blick auf die Limmat, das Grand Hotel und Rieden um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.78
Das Grand Hotel um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.107
Die Terrasse des Grand Hotels um 1895 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.60
Der Rolls Royce in der Garage des Grand Hotels um 1952 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.453
Das Hotel Bären und die neue Dreikönigskapelle um 1890 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.91
Der Speisesaal des Hotels Blume um 1900 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.1143
Goldwand um 1911 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.252
Kuranlage mit Trinkbrunnen um 1935 Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q. 12.1.33

Der Badener Kurplatz mit dem Schweizerhof und dem Staadhof, links hinter der Linde.

Historisches Museum Baden, Fotohaus Zipser, Q.12.1.954