Wettingen

So wollen die Kandidaten ihr Ressort führen

Seit Anfang Jahr ist klar, welcher Gemeinderat das schwierige Ressort Soziales übernimmt: der Sieger des zweiten Wahlgangs für den freien Gemeinderatssitz. Die Kandidaten sprechen über diese Herausforderung und erste Massnahmen.

Sabina Galbiati
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Roland Michel und Martin Egloff

Roland Michel und Martin Egloff

ZVG

Am 12. Februar findet in Wettingen der zweite Wahlgang für die Gemeinderatsersatzwahl statt. Nachdem Michael Merkli (BDP) nicht mehr antritt, verbleiben Martin Egloff (FDP), der im ersten Wahlgang 1304 Stimmen erhalten hatte, und Roland Michel (CVP), der 1489 Stimmen geholt hatte.

Da der Wettinger Gemeinderat Anfang Jahr die Ressortverteilung bekannt gegeben hat, ist nun klar: Der Wahlsieger übernimmt das Ressort Soziales und Familie und damit die Sozialen Dienste. Just bei diesen gab es in der jüngsten Vergangenheit Probleme, darunter mehrere personelle Wechsel, wie ein Bericht zeigt, den die ehemalige Gemeinderätin, Yvonne Feri (SP), noch während ihrer Amtszeit initiiert hatte.

Wegen den Zuständen bei den Sozialen Diensten musste Feri im Herbst Kritik von Finanzkommissionspräsident Christian Wassmer (CVP) einstecken. Allerdings distanzierten sich der Gemeinderat und insbesondere Feri von den Vorwürfen. Der Bericht listet 42 Empfehlungen zur Verbesserung der Situation auf. Sie sollen dazu beitragen, dass bei den Sozialen Diensten wieder Ruhe einkehrt. Ungeachtet dessen machte Feri im Abschiedsgespräch zu ihrer Gemeinderatszeit Ende Jahr kein Geheimnis daraus, dass der Sozialbereich ein sehr arbeitsintensives Ressort ist. «Man gewinnt damit keinen Blumenstrauss», brachte sie es auf den Punkt.

Herausforderung für den Sieger

Angesichts dieser Umstände stellt sich die Frage, wie die beiden Gemeinderatskandidaten Roland Michel und Martin Egloff ihr künftiges Ressort leiten wollen. Einig sind sich beide, dass dieses Ressort eine Herausforderung sein wird, die sie gerne annehmen.

Die Kandidaten kennen den Inhalt des Berichts über die Sozialen Dienste zwar nicht, weil er ausserhalb des Gemeinderats nur für die Fiko einsehbar war. «Es wird aber vor allem darum gehen, die Empfehlungen zu prüfen und umzusetzen», sagt Egloff. Als ehemaliges Mitglied der Sozialkommission konnte er bereits Erfahrungen mit Fallberichten sammeln. «Ich kenne die Schicksale der Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Insofern ist mir der Sozialbereich nicht fremd.» Als Vorteil im Wahlkampf sieht er dies aber nicht.

«Es geht letztlich darum, das Ressort gut zu führen und das Vertrauen der Mitarbeiter wie auch der Öffentlichkeit zu erarbeiten.» Für Letzteres brauche es eine transparente Kommunikation. «Allerdings ist diese wegen des Datenschutzes der Klienten gerade im Sozialbereich sehr eingeschränkt, ebenso wie der Spielraum bei den Ausgaben, denn die Gesetzgebung setzt einen sehr engen Rahmen.»

Im Gegensatz zu Martin Egloff war Roland Michel nie in der Sozialkommission, er sieht dies jedoch nicht als Nachteil im Wahlkampf: «Jeder frisch gewählte Gemeinderat muss sich in die Dossiers einarbeiten». Er betont, dass das Ressort Soziales und Familie zu ihm passe und beide Bereiche für die CVP seit je her wichtige Themen seien. «Solidarität mit jenen Menschen, die sie verdienen, ist mir sehr wichtig.»

Zentral sei es nun, die Mitarbeitenden bei den Sozialen Diensten behalten zu können, damit wieder Kontinuität und Ruhe einkehrt. «Dazu müssen wir anschauen, welche der Empfehlungen aus dem Bericht wirklich Sinn machen und wie diese am besten umzusetzen sind.» Wichtig sei ihm – sofern er gewählt werde – zu allererst die Mitarbeitenden in den Sozialen Diensten kennenzulernen, um eine Vertrauensbasis aufzubauen.

Erste Massnahmen, welche die Sozialen Dienste wieder auf Kurs bringen sollen, hat der Gemeinderat noch unter Führung von Yvonne Feri eingeleitete. Unter anderem wurde eine befristete 80-Prozent-Stelle im Fachbereich Sozialhilfe bewilligt. Weiter wurde die Leitung Soziale Dienste beauftragt, die Stellenerhöhung im Bereich der Sachbearbeitung zu berechnen und zuhanden des Einwohnerrats zu beantragen.