Baden
Postkarten von Karl May und jeden Tag Forelle essen

Ein neues Buch über den Engadiner Maler Turo Pedretti (1896-1964) ist dank viel Unterstützung aus dem Aargau entstanden.

Ursula Burgherr
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Toni Donadio, Malertochter Ladina Jaecklin-Pedretti und Roy Oppenheim.

Toni Donadio, Malertochter Ladina Jaecklin-Pedretti und Roy Oppenheim.

ursula burgherr

Zum 50. Todestag des Malers Turo Pedretti erschien diesen Herbst eine reich bebilderte Monografie im Verlag Till Schaap Edition. Herausgeber des 232-seitigen Werkes ist Roy Oppenheim. Der Badener Publizist hat im Vorfeld einen stimmungsvollen Film über Leben und Werk des Künstlers gedreht, der dem Buch als DVD beiliegt. Die Musik dazu haben die Badener Gitarreros Toni Donadio und Nic Niedermann, alias Tonic Strings, beigesteuert. Das Vorwort stammt vom Wettinger Kunsthistoriker Stephan Kunz, Direktor des Bündner Kunstmuseums in Chur.

Die letzte Zeitzeugin

Warum ein Buch machen über einen Menschen, der seit fünf Jahrzehnten nicht mehr unter uns weilt? - «Ich will die Erinnerung an meinen Vater und sein Oeuvre auch für kommende Generationen erhalten», erklärt Tochter Ladina Jaecklin-Pedretti, die seit vielen Jahren in Ennetbaden lebt. Autor Roy Oppenheim fügt hinzu: «Pedretti gehört zu den grossen Figuren der klassischen Schweizer Moderne und verdient eine Wiederentdeckung.» Ladina Jaecklin erinnert sich an ein Gespräch mit ihrem Vater: «Er sagte mir, ich solle mit der Herausgabe eines Buches bis 50 Jahre nach seinem Tod warten. Denn er wusste: Jeder Künstler, der nach so langer Zeit noch im Gespräch ist, hat Qualität.» Dass Jaecklin ihr Versprechen einhalten konnte, verdankt sie Roy und Rachela Oppenheim, welche für den Film und das Buch über zwei Jahre recherchierten und die Werke Pedrettis im Spiegel der Jahreszeiten und der archaischen Landschaft des Engadins interpretieren.

Karges Künstlerleben

Gerade während des Krieges waren Jagd und Fischerei überlebenswichtig. «Wir assen praktisch jeden Tag Forelle, weil das ein ‹Armeleuteessen› war», erinnert sich Jaecklin. Im Hause der Pedrettis gingen Künstlerfreunde ein und aus. Dazu gehörte beispielsweise die Familie Giacometti. Von der Freundschaft mit Giovanni Giacometti zeugen Briefe. Mit Winnetou-Erfinder Karl May zusammen kraxelte der junge Pedretti in den Bergen herum. Den Kontakt des Malers mit dem Schriftsteller belegt eine alte, handgeschriebene Postkarte. Die Recherchen für das Buch gestalteten sich als schwierig, denn 1951 zerstörte eine Lawine das Familienhaus ob Samedan und Hunderte von Bildern. Sowohl Buch als auch Film öffnen ein Zeitfenster zum harten, für heutige Begriffe geradezu abenteuerlichen, aber erfüllten Leben einer bedeutenden Schweizer Künstlerfamilie. Gleichzeitig findet der Leser erstmals ein Werkverzeichnis von Turo Pedretti. Musiker Toni Donadio: «Ich kannte den Maler nicht, bevor wir uns wegen der Filmmusik mit ihm auseinandersetzten. Als mir bewusst wurde, was er alles geleistet hat, war ich tief beeindruckt.»

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