Baden

Neues Thermalbad: Auch Einwohnerräte sind in Sorge um das Kulturerbe

Nun schalten sich auch Politiker in die Diskussion um das Kulturerbe der Bäder in Baden ein. CVP-Einwohnerrätin Sarah Wiederkehr hat zusammen mit Mitunterzeichnenden eine dringliche Anfrage eingereicht. Mit dieser will sie vom Stadtrat wissen, wie dieser das Erbe zu schützen gedenkt.

Martin Rupf
Drucken
Teilen
Das Verenabad auf dem Kurplatz um 1812: Wird der Bädergeschichte Rechnung getragen?

Das Verenabad auf dem Kurplatz um 1812: Wird der Bädergeschichte Rechnung getragen?

Historisches Museum

«Experten: Kulturerbe der Bäder bedroht.» So lautete die Überschrift des Artikels im «Badener Tagblatt» vom 11. Februar. In diesem gaben der Badener Historiker Bruno Meier und die Archäologin Andrea Schaer ihrer Besorgnis Ausdruck, wonach sie bei der Bauherrin des neuen Thermalbades – der Stiftung für Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden – zu wenig Sensibilität gegenüber dem historischen Erbe orteten.

Der Artikel wie auch die wenig später verkündete Baubewilligung für das ehemalige Verenahofgeviert unter Auflagen – die Stiftung wollte ursprünglich den geschichtsträchtigen Festsaal für Klinikzimmer opfern – rufen nun offensichtlich auch die Politiker auf den Plan. CVP-Einwohnerrätin Sarah Wiederkehr hat zusammen mit den Ratsmitgliedern Beatrice Bürgler (CVP), Selena Rhinisperger (SP), Fritz Bosshardt (Team) und Mathias Schickel (CVP) eine dringliche Anfrage eingereicht. Unter dem Titel «Erhalt und Vermittlung kulturelles Erbe Bäderquartier» fordern Wiederkehr und ihre Mitunterzeichner in dieser Sache Antworten vom Stadtrat.

«Seit Anfang Jahr laufen die Abbrucharbeiten», sagt Wiederkehr. Somit sei die Detailplanung aller Bauten in der Endphase und es würden wichtige Fragen wie etwa die Zugänglichkeit zu Fundstellen und Quellen oder die Bereitstellung von Räumlichkeiten im Detail entschieden. «Wir spüren seitens Stadtrat zu wenig, inwiefern er zusammen mit den Abteilungen Kultur und Standortmarketing darum bemüht ist, das kulturelle Erbe der Bäder zu schützen und somit auch für Marketingzwecke zu nutzen.»

«Wollen kein Bäder-Ballenberg»

Historiker Meier und Archäologin Schaer argumentieren gleich. «Wir haben hier eine mehr als 2000-jährige Bädergeschichte. Das ist unsere Marke, mit der wir uns von anderen Bädern abheben können. Die Geschichte sollte Teil des Marketings sein.» Auch Wiederkehr ist der Meinung, «dass sich für die Stadt mit dem Bau des neuen Thermalbades eine nicht wiederkehrende Gelegenheit bietet, die Thermalquellen und die Zeugnisse der 2000-jährigen Bädergeschichte zu erfassen und zugänglich zu machen». Denn daraus könne sich ein Alleinstellungsmerkmal ergeben, das sowohl dem Bäderbetreiber wie auch der Positionierung der Stadt von grossem Nutzen sein kann.

Wiederkehr sieht dabei die Stadt Baden in der Pflicht: «Die Stiftung ist darum bemüht, dass das Bad, die Gesundheitsklinik und das Ärztehaus rentabel sein werden. Doch für den Erhalt des kulturellen Erbes muss sich die Stadt aktiv einsetzen.» Zwar liege eine «Vision Kulturvermittlung Bäder» aus dem Jahr 2015 vor. «Doch angesichts der angespannten Finanzlage werden sich kaum alle damals skizzierten Ideen umsetzen lassen.» Wiederkehr betont, es gehe dabei – wie von Skeptikern oft vorgetragen – nicht darum, ein «Bäder-Ballenberg»-Museum zu erschaffen. «Es geht darum, dass die Stadt ihrem Namen wieder gerecht wird und sich als Bäderstadt positioniert. Die gleichen Personen, die Vorbehalte gegenüber unseren Anliegen äussern, sind es dann, welche die Stadt dafür kritisieren, zu wenig für ihr Image zu tun.»

Neue Visualisierungen: So soll das neue Thermalbad Baden aussehen.
15 Bilder
Sauna.
Restaurant.
Innenansicht Badebereiche.
Schwimmbecken.
Aussenansicht.
Aussenansicht.
Aussenansicht.
Thermalbad Baden: So sieht das Botta-Bad von innen aus
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)
So soll das neue Thermalbad Baden aussehen. (Visualisierung)

Neue Visualisierungen: So soll das neue Thermalbad Baden aussehen.

zvg

Damit das kulturelle Erbe gesichert und vermittelt werden könne, sei eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen der Stadt, der Stiftung und dem Kanton unabdingbar. «Mit unserer Anfrage wollen wir sicherstellen, dass beim Bau des neuen Bades nicht nur die BNO eingehalten und nur das absolut Schützsenswerte erhalten wird, sondern dass man sich auch Gedanken macht, wie man das Potenzial unserer Bädergeschichte nutzbar machen kann.» Zudem bedürfe eine Vermittlung, die über die blosse Zugänglichkeit von Artefakten hinausgehe, einer genügenden Vorbereitungszeit.

Konkret wollen Wiederkehr und ihre Mitunterzeichner vom Stadtrat wissen:

1. In welchen Gremien, bestehend aus Stadt Baden, Stiftung Gesundheitsförderung und möglichen Drittpersonen wird über das Grossprojekt beraten und welche Aufgaben erfüllen die einzelnen Gremien?

2. Wie sind insbesondere die Arbeiten im Bereich der Kultur- und Geschichtsvermittlung organisiert und wer nimmt Einsitz in den Gremien?

3. Was sind die Zielsetzungen in diesem Bereich und wie ist der aktuelle Stand?

4. Wie sieht das Engagement der Privaten und der öffentlichen Hand (Stadt, Kanton) konkret aus?

5. Wie fliessen die bei der erfolgreichen Neukonzeption des Historischen Museums gewonnenen Erfahrungen bei der Vermittlung ein und werden entsprechende Synergien genutzt?

«In den letzten Jahren sind beim Historischen Museum viele gute Ideen zur Geschichtsvermittlung umgesetzt worden, wenn ich etwa an die Dauerausstellung «Geschichte.verlinkt» denke», so Wiederkehr. Es wäre absolut sinnvoll, wenn die Bäder als wichtiger Bestandteil der Stadtgeschichte ebenfalls in dieses Konzept aufgenommen würden.