Spreitenbach

Mit Bastelfieber dem Coronavirus trotzen: Sein Shop wird regelrecht überrannt

William Reinecke machte sich Sorgen, dass er Kurzarbeit anmelden muss. Die Nachfrage in seinem Bastelshop «I AM CREATIVE» ist in Zeiten des Coronavirus explosionsartig angestiegen.

Larissa Gassmann
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William Reinecke, CEO von Marein in seinem Bastellager in Spreitenbach

William Reinecke, CEO von Marein in seinem Bastellager in Spreitenbach

zvg

Eigentlich wollte William Reinecke für sein Team von der MAREIN AG am liebsten sofort Kurzarbeit beantragen. Nachdem in der Schweiz die «ausserordentliche Lage» ausgerufen wurde, rechnete der Betreiber des grössten Bastelshops der Schweiz mit spürbaren Umsatzeinbussen. Seine wichtigsten Kunden, wie die Migros oder Coop, stellten ihre Bestellungen ein, seine eigenen Geschäfte musste er schliessen. Doch als alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich schon auf die Verschnaufpause eingestellt hatten, kam alles anders.

Auf einmal flatterten über das Wochenende über dreihundert Bestellungen für seinen Onlineshop «I AM CREATIVE» ins Haus. Seither sind seine Onlineumsätze weiterhin stark gestiegen. «Das mit der Kurzarbeit habe ich sofort wieder aufgegeben», sagt Reinecke. «Noch schaffen wir es, die Bestellungen mit unseren bestehenden Mitarbeitern zu bewältigen. Von den Merchandisern bis zu den Aussendienstmitarbeitern helfen nun aber alle im Lager mit.»

Malstifte und Aufkleber statt Smartphone

Überstunden stehen an der Tagesordnung, seitdem das Bastelgeschäft dank Coronavirus boomt und die Kinder ihre nun äusserst grosszügig bemessene Freizeit nicht mehr zwischen Tablet und Smartphone, sondern inmitten von Malstiften und Aufklebern verbringen. So muss auch Reinecke mittlerweile im Lager mitanpacken.

Seine gut befüllten Bastelboxen wird William Reinecke schnell los - die Kundschaft hat die grossen Familienpakete längst zum Favoriten erkoren.

Seine gut befüllten Bastelboxen wird William Reinecke schnell los - die Kundschaft hat die grossen Familienpakete längst zum Favoriten erkoren.

William Reinecke

Jeder einzelne im 60-köpfigen Team ist gefordert, denn die Bestellungen reissen nicht ab. Längst hat die Kundschaft einen Favoriten erkoren. «Insbesondere die Bastelboxen für Kinder laufen total gut. Meistens sind das einfache, ganz simple Sets mit Klassikern wie Papier, Pinsel und Farben in grösseren Mengen», sagt Reinecke. Noch wagen sich die Bastelnovizen kaum an die komplizierteren Pakete. Weil Übung aber den Meister macht und auf der Website stets neue Bastelanleitungen und Tipps veröffentlicht werden, kann sich aber auch dies schnell ändern.

Immerhin ist das Lager in Spreitenbach noch gut gefüllt. Auch eine weitere Zunahme an Bestellungen ist bewältigbar. Obwohl das Onlinegeschäft für Reinecke zuvor nicht das Hauptgeschäft war und er damit nur knapp fünf Prozent des Gesamtumsatzes erzielte, lässt sich der Service sehen. Sofern die Post nachkommt, kann eine Bestellung innerhalb von nur einem Tag geliefert werden.

Nun ist auch Rafael Beutl mit an Bord

Nicht nur in diesem Bereich weist Reinecke ein gutes Gespür für die Zeichen der Zeit auf. «Wir haben sofort grosse und preisgünstige Packungen für Familien zusammengestellt, in denen alles Wichtige drin ist, um die Quarantänetage zu Hause zu überstehen», so der 36-Jährige.
Auch in die Werbung wurde investiert. Indem man sich den Influencer und Ex-Bachelor Rafael Beutl ins Boot holt, soll der Gewinn weiter angekurbelt werden. Nun setzt dieser mit seinem Sohn den Inhalt der Bastelboxen zusammen und teilt das Resultat auf Instagram.

Nicht umsonst ist bei Füchsen vom «schlauen Reinecke» die Rede, der Bastelhändler wird seinem Namen gerecht. «Wir haben schnell reagiert. Der Onlinebereich gehörte überhaupt nicht zu unserem Kerngeschäft. Doch durch vorausschauendes, kreatives Handeln, konnte das Schlimmste in dieser Situation nicht nur verhindert werden, einige Bereiche konnten gar davon profitieren», so Reinecke. Doch während er den Ansturm geniesst, will er auch für die Zeit nach dem Coronavirus vorsorgen. Um die Leute wieder in die Geschäfte zu locken, legt er vorausschauend Gutscheine von seinen stationären Bastelgeschäften mit in die Pakete.

Nach dem Trubel soll letztlich ein stabiles Fundament übrig bleiben. An Kurzarbeit will hier so schnell niemand mehr denken müssen.