Baden

Metzger aus Region zum Manor-Fleischskandal: «Fachgeschäfte können profitieren»

Der Fleischbetrug in der Manor Baden bringe die ganze Branche in Verruf, sagen Metzger. Doch sie sehen darin auch Chancen.

Carla Stampfli und martin rupf
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«Fleisch ist eine Sache des Vertrauens»: Fleisch aus der Frischetheke einer Metzgerein in der Region Baden.

«Fleisch ist eine Sache des Vertrauens»: Fleisch aus der Frischetheke einer Metzgerein in der Region Baden.

Rund drei bis vier Kilogramm Fleisch mit abgelaufenen Verkaufs- und Verbrauchsdaten pro Woche sollen in der Manor Baden neu etikettiert – und wieder zum Verkauf angeboten worden sein. Zudem soll auch konventionelles Fleisch als Bio-Fleisch deklariert worden sein. Das wirft die Staatsanwaltschaft Aargau fünf – inzwischen entlassenen – Mitarbeitern des Warenhauses vor.

Der Fleischbetrug wirft hohe Wellen und sorgt für Verunsicherung bei den Konsumenten. Roger Ammann, Warenhausdirektor Manor Baden, sagt: «Es ist zutreffend und verständlich, dass durch die Medienberichte viele Fragen von Kunden bei uns eingetroffen sind oder direkt im Manor-Food-Markt gestellt wurden.»

Jedoch seien seit Bekanntwerden des Falles im Jahr 2015 konsequente Massnahmen getroffen worden, die weit über die personellen Konsequenzen hinausgingen. «Dazu gehören die strenge Überprüfung der Qualitätsprozesse und Arbeitsanweisungen, die intensivierte Schulung von Hygienevorschriften, verstärkte Eigenkontrollen und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden.»

Fleisch ist auch Vertrauenssache

Doch was sagen die Fachgeschäfte in der Region zum Vorfall in der Manor Baden? Für Hans Höhn, Inhaber der gleichnamigen Metzgerei in Untersiggenthal, ist es unverständlich, dass so etwas passieren kann. «Damit schneidet man sich ins eigene Fleisch.» Schliesslich müsse jeder Metzger für seine Produkte geradestehen. «Es ist meine Pflicht, zu kontrollieren, dass das zum Verkauf stehende Fleisch stets frisch ist.» So sei für ihn auch tabu, Produkte, die bereits mehrere Tage in der Auslage stehen, zu marinieren und diese als frisch zu verkaufen.

Metzger Hans Höhn: «Es ist meine Pflicht, zu kontrollieren, dass das zum Verkauf stehende Fleisch stets frisch ist.»

Metzger Hans Höhn: «Es ist meine Pflicht, zu kontrollieren, dass das zum Verkauf stehende Fleisch stets frisch ist.»

Sandra Ardizzone

Marcel Wüest, Geschäftsleiter der Chämi Metzg in Fislisbach, schüttelt ob des Vorfalls den Kopf. «Wir geben uns täglich Mühe, qualitativ gutes Fleisch zu fairen Preisen anzubieten.» Doch dann komme aus, dass jemand betrügt und das Image des Metzgerberufs werde befleckt. «Das tut der Branche, die bereits mit Nachwuchsmangel zu kämpfen hat, gar nicht gut.» Auch Thomas Müller, Inhaber der Metzgerei Müller in Baden, zeigt sich über den Vorfall bestürzt. «Es ist tragisch, dass so etwas passiert.» Er hoffe, es handle sich nur um einzelne schwarze Schafe. Denn: «Jeder Skandal ist eine Katastrophe.» Die Metzgerei in der Innenstadt verfolge deshalb, angefangen mit dem BSE-Skandal, seit je das Credo «Fleisch ist nicht nur Sache des Geschmacks, sondern auch des Vertrauens», so Müller.

Die drei Metzger sind sich einig, dass Fleischbetrügereien zwar kein gutes Licht auf die Branche werfen würden. «Doch Fachgeschäfte wie wir können davon auch profitieren», sagt Hans Höhn. So gebe es nicht wenige Konsumenten, die nach Bekanntwerden eines Vorfalls das Fleisch statt bei Grossverteilern neu bei Metzgereien kaufen würden. Dann könne es sein, dass es ein «Aha-Erlebnis» gebe: «Viele Konsumenten kennen den Unterschied von Produkten aus dem Fachgeschäft und den Grossverteilern gar nicht.» Auf einmal würden sie Servela oder Bratwurst wieder mögen, sagt Höhn. Marcel Wüest teilt die Meinung, dass Fleischskandale den Fachgeschäften sicher einige Kunden mehr bringen würden: «Das kann für uns eine Chance sein.»

«Schade, ist es bei Manor passiert»

Trotz Fleischbetrug: Thomas Müller findet es schade, dass der Vorfall ausgerechnet bei Manor Baden passiert ist. «Für die Innenstadt ist das Warenhaus wichtig», sagt er. Denn damit würden Kunden, neben den Grossverteilern am Bahnhof, auch eine Einkaufsmöglichkeit am Schlossbergplatz haben. Und somit eher gewillt seien, gleich auch Fachgeschäfte wie die Metzgerei Müller und den Chäsegge in der Weiten Gasse zu besuchen.

Das Image der Fleischbranche mag nun zwar befleckt sein, doch klagen tun die Metzger nicht. Im Gegenteil. «Unser Geschäft läuft gut», sagt Höhn und fügt an, dass die Kundschaft stetig wachse. Dazu trage auch das Umdenken der Gesellschaft bei. «Das ist vor allem bei jungen Paaren zu beobachten», sagt Thomas Müller. Denn sobald diese Kinder hätten, würden sie auf eine qualitätsbewusste Ernährung achten. «Das ist ein positives Signal und stimmt uns sehr zuversichtlich für die Zukunft.» Nach dem jüngsten Fleischbetrug versucht Marcel Wüest, das Image der Branche zurechtzubiegen. So beteiligt sich die Chämi Metzg an Infoanlässen für Jugendliche, bietet Berufsbesichtigungen und Schnupperlehren an oder achtet auf eine moderne Internetpräsenz. «Das hilft uns, zu zeigen, wer wir wirklich sind», sagt Wüest.

Ablaufdatum: Diese Regeln gelten bei den Grossverteilern Coop und Migros

Für Produkte in der Selbstbedienung hat die Migros klare M-Data-Richtlinien: Ist das Verbrauchsdatum überschritten, dürfen Produkte nicht mehr zum Verzehr verwendet werden und werden entsorgt. «Auspacken und dann in der Bedienung verkaufen ist strengstens verboten und wird mit entsprechenden Konsequenzen geahndet», sagt die Mediensprecherin der Migros Aare, Andrea Bauer.

Im Offenverkauf von Frischfleisch sehe das Lebensmittelgesetz zwar kein effektives Ablaufdatum vor, doch gebe es interne Rotationsfristen, die eingehalten werden müssten. «Ausser bei speziellen Importartikeln wie beispielsweise Lammnierstück aus Irland, wo ein Abpack- und Verkaufsdatum vom Lieferanten vermerkt ist.»

Sei diese Ware abgelaufen, werde sie entsorgt, dasselbe gelte bei verarbeiteten Produkten wie etwa panierten Schnitzeln. Auch bei Coop ist es verboten, abgelaufene Fleischprodukte zu verarbeiten, zum Verkauf anzubieten oder alte Waren umzupacken und neu zu datieren. «Dies wird streng kontrolliert», sagt Coop-Mediensprecher Ramón Gander.

Abgelaufene Produkte würden als Biomasse an Betreiber von Vergärungsanlagen zur energetischen Rückgewinnung geliefert. Auch bei der Migros würden diese wenn immer möglich zur Biogasherstellung abgegeben. (ces)

Für die Manor Baden gehe es nun darum, mit konstanter und tadelloser Leistung zu überzeugen, wie Warenhausdirektor Roger Ammann sagt. Zudem müsse man den Kundinnen und Kunden auch im Markt die Möglichkeit zum Gespräch geben, «was auch bereits angenommen wurde».