Kampfwahl

Kommt es im Oberrohrdorfer Gemeinderat erstmals zu einer Frauenmehrheit?

Zwei Frauen und ein Mann kämpfen in Oberrohrdorf um den frei werdenden Gemeinderatssitz. Wieso sie gewählt werden sollten, welche Herausforderungen sie anpacken möchten und was im Dorf noch verbessert werden könnte.

Stefanie Garcia Lainez
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Severine Jegge, Thomas Schneider und Angela Kaiser-Michel (v. l.) wollen in den Oberrohrdorfer Gemeinderat.

Severine Jegge, Thomas Schneider und Angela Kaiser-Michel (v. l.) wollen in den Oberrohrdorfer Gemeinderat.

zvg

Kampfwahlen am Rohrdorferberg: Gleich drei Kandidierende wohlen den frei werdenden Sitz von Gemeindeammann Kurt Scherer erobern. Am 27. September stellen sich Severine Jegge (CVP), Thomas Schneider (FDP) und Angela Kaiser-Michel (parteilos) zur Wahl. Die Chancen sind intakt, dass zum ersten Mal in der Geschichte des Dorfes die Frauen die Mehrheit im Gemeinderat inne haben könnten.

Das sind die Kandidierenden:

  • Severine Jegge (47): Personalfachfrau, machte die KV-Lehre auf der Gemeindeveraltung Oberrohrdorf; ist verheiratet und Mutter dreier Kinder im Teenageralter.
  • Angela Kaiser-Michel (3^6, parteilos): studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit den Nebenfächern Betriebswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der Uni Zürich und machte den Master in International Affairs and Governance an der Uni St. Gallen; verheiratet und Mutter zweier Kinder (2 und 4).
  • Thomas Schneider (58, FDP): Dipl. nat. ETH, Geophysiker, MAS ETHZ in Sicherheitspolitik und Krisenmanagement; verheiratet und Vater von vier erwachsenen Kindern.

Warum sollten die Oberrohrdorfer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gerade Sie in den Gemeinderat wählen?

Severine Jegge

Severine Jegge

Zur Verfügung gestellt

Severine Jegge: Ich wohne mit meiner Familie seit 14 Jahren in Oberrohrdorf und bin seit fünf Jahren Mitglied der Schulpflege, wo ich zuerst für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war und seit drei Jahren das Ressort Personelles und Rechtsfragen sowie die Vertretung Tagesstrukturen Mikado inne habe. Ich kenne also die Arbeit in einer Behörde und bin es gewohnt, im Gremium zu diskutieren, Entscheide zu treffen und eine gemeinsam beschlossene Meinung gegen aussen zu vertreten. Zudem konnte ich wertvolle Erfahrungen in meinem Beruf als Personalfachfrau, als langjährige Fachexpertin Führung an den eidg. Industriemeister-Prüfungen und in meiner früheren Vorstands- und Kommissionstätigkeit in Wettingen sammeln. Als Mutter von drei Teenagern und Teilzeitangestellte verfüge ich über die notwendigen Ressourcen, um das Amt als Gemeinderätin mit Engagement auszuüben.

Angela Kaiser-Michel.

Angela Kaiser-Michel.

Zur Verfügung gestellt

Angela-Kaiser-Michel: Viel Bekanntheit, Erfahrung und einen grossen Leistungsnachweis auf dem politischen Parkett mag ich nicht mitbringen. Dafür aber eine hohe Einsatzbereitschaft, eine gute Allgemeinbildung und die Fähigkeiten, interdisziplinär zu denken und mir neues Wissen schnell anzueignen. Projekte führe ich nicht nur sauber, sondern auch effizient zu Ende und in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn habe ich mich in diverse Fachbereiche wie Marketing, Unternehmensstrategie sowie Verkauf eingearbeitet. Liegt mir etwas am Herzen, setze ich mich mit meinem ganzen Wissen und meiner Energie dafür ein. So war es für mich auch keine Frage, meine beruflich spannende Führungsposition aufzugeben und mich meiner Familie zu widmen, solange die Kinder klein sind.

Ich bin offen, geradlinig und weitsichtig sowie sensibel für die Anliegen und Sorgen meiner Mitmenschen. Meine Freunde und Familie bezeichnen mich als herzlich und reflektiert. Teamarbeit liegt mir und ich übernehme gerne Verantwortung. Wohlwissend, dass aufgrund meiner relativen Unbekanntheit meine Chancen gewählt zu werden klein sind, ist ein Sitz im Gemeinderat Oberrohrdorf mein erklärtes Ziel und meine Motivation umso grösser. Ich bin bereit, für unser Zuhause Zeit und Energie zu investieren, mich in neue Themenfelder und Fragestellungen gründlich einzuarbeiten und an einem Oberrohrdorf für alle Generationen hartnäckig dranzubleiben.

Thomas Schneider.

Thomas Schneider.

Zur Verfügung gestellt

Thomas Schneider: Nach über dreissig Jahren in Oberrohrdorf und diversen Engagements in verschiedensten Ämtern und Funktionen in Oberrohrdorf (z.B. Schulpflege) und in der Region (z.B. Chef des Regionalen Führungsorgans Reusstal-Rohrdorferberg) kenne ich unsere Gemeinde und ihr Funktionieren gut. Ich bringe also die notwendige Erfahrung mit und weiss, was mich als Gemeinderat erwarten würde. Ausserdem habe ich das Privileg, mit sechzig Jahren in Pension gehen zu können, was mir die nötigen zeitlichen Voraussetzungen für das Amt schafft.

Was müsste man in Oberrohrdorf noch besser machen?

Severine Jegge: Oberrohrdorf ist ein attraktives Dorf und bietet dank bevorzugter Lage eine hohe Wohn- und Lebensqualität. Das Dorf verfügt über Einkaufs- und kulturelle Möglichkeiten, Restaurants, ein reges Vereinsleben, eine gut aufgestellte und innovative Schule und flexible ausserschulische Betreuungsmöglichkeiten. Ich werde mich dafür einsetzen, dass sich Oberrohrdorf in dieser Vielfalt weiterentwickelt, um den Einwohnern weiterhin eine hohe Qualität zu bieten und auch junge Familien anzuziehen.

Angela Kaiser-Michel: Die vertiefte Zusammenarbeit mit unseren Nachbargemeinden wird unsere Zukunft bestimmt prägen. Dies einerseits um Synergien zu nutzen, andererseits aber auch, um Dienst- und Serviceleistungen zu optimieren. Die Teilnahme am Projekt „Überprüfung Zusammenarbeit/Fusion Agglomerationsgemeinden Baden“ begrüsse ich daher sehr, denn viele wichtige Themen müssen zwar lokal gedacht, jedoch gemeindeübergreifend gelöst werden. In dieser gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit sehe ich zudem viel Sparpotenzial für Oberrohrdorf.

Auch der demographische Wandel wird uns in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beschäftigen und Oberrohrdorf muss auch künftig sicherstellen, unseren Seniorinnen und Senioren ein passendes und qualitativ zufriedenstellendes Dienstleistungsangebot bieten zu können. Auch das weitere Bevölkerungswachstum ist eine Herausforderung, bedenken wir die noch zur Verfügung stehenden Baulandreserven sowie die für die Lebensqualität wichtige Bewahrung des Landschaftsbilds und der Erholungsgebiete. Gerade Grünzonen und Bäume sind auch in einem Dorf wichtig für die Kühlung im Sommer, aber auch für die Biodiversität und eine gute Lebensqualität.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie familienfreundliche Freizeitangebote sind mir zudem ein wichtiges Anliegen. Dies sicherzustellen besteht einerseits darin, die vorhandene Infrastruktur und die bestehenden Angebote (Mikado, Familientreff Rohrdorf) zu erhalten und wenn nötig zu erweitern, andererseits aber auch die Arbeitswege durch den verkehrstechnischen Anschluss so kurz wie möglich zu halten.

Thomas Schneider: Wir müssen weiterhin Sorge tragen zu unserer Schule. Direkt damit verbunden ist die ausserschulische Betreuung, welcher im Gesamtrahmen eine grosse Bedeutung zukommt. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln mindestens im heutigen Umfang ist ebenfalls zentral. Wenn es uns weiterhin gelingt, Sorge zu unseren Finanzen zu tragen und steuerlich attraktiv zu bleiben, sind die Voraussetzungen gegeben, dass Oberrohrdorf ein attraktiver Wohn- und Lebensraum für alle Generationen bleibt.

Was müsste man in Oberrohrdorf noch besser machen?

Severine Jegge: Die neue Bau- und Nutzungsordnung soll eine gute Durchmischung von Wohnen, Arbeiten und Erholung gewährleisten. Dem Dorfbild soll Sorge getragen werden und es darf nicht von unzähligen Überbauungen überdimensioniert werden. Ich wünsche mir einen belebten Dorfkern, der zum Einkaufen und Verweilen einlädt. Dazu gehören eine gepflegte Erscheinung der Häuser, weitere Einkaufsmöglichkeiten, ein Café und Grünflächen mit Ruhe- und Spielplätzen, so dass sich Jung und Alt wohlfühlen und begegnen können.

Angela Kaiser-Michel: Eine Überlegung wert wäre meines Erachtens die bessere Erschliessung der Einkaufsmöglichkeiten in Niederrohrdorf (Apotheke, Drogerie, Bäckerei, Coop) sowie der Kreisschule und des lokalen Gewerbes durch einen „Ortsbus Rohrdorf“. Gerade auch für Seniorinnen und Senioren würde ein Bus im Quartier die Nutzung des öffentlichen Verkehrs sowie der regionalen Einkaufsmöglichkeiten erleichtern, denn der Weg an die Bushaltestelle beim Kiosk ist je nach Wohnsituation sowie körperlicher Verfassung anstrengend. Der Dorfkern könnte als attraktives Begegnungszentrum noch mehr aufgewertet werden, um ihn mehr zu beleben sowie um Begegnungen und das Zusammenkommen zu fördern. Dies zum Beispiel durch mehr Sitzgelegenheiten, die Ansiedlung weiterer Läden und die Förderung eines (neuen) Dorfcafés, in welchem sich Jung und Alt sowie Familien mit Kindern treffen können. Die neue BNO sieht mehr Nettoladenfläche vor, was die Ansiedlung zusätzlicher Läden ermöglicht. Dies ist sehr zu begrüssen.

Thomas Schneider: Unsere Gemeinde macht seit vielen Jahren vieles richtig. Meine Motivation, mich für die Ersatzwahl in den Gemeinderat aufstellen zu lassen rührt denn auch nicht daher, es besser oder anders machen zu wollen, sondern mitzuhelfen, dass Oberrohrdorf für alle attraktiv bleibt: Für Gross und Klein, für Erwerbstätige, Familien, Seniorinnen und Senioren und nicht zuletzt für unser Gewerbe.