Neubeginn
In ältester Badener Buchhandlung kauften schon Adlige ihre Bücher

Das traditionelle Buchhaus «Bücher Doppler» kommt nach zehn Jahren wieder in private Hände. Der zukünftige Besitzer Daniel Stehelin schlägt am ersten Februar ein neues Kapitel auf.

Sabina Galbiati
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Bücherei Doppler

Bücherei Doppler

Alex Spichale
So sah der Buchladen «Bücher Doppler» bis 1913 aus.

So sah der Buchladen «Bücher Doppler» bis 1913 aus.

Aus dem Buch «Baden um die Jahr»

Es war das Jahr, in dem Karl Marx’ zweiter Band «Das Kapital» auf den Markt kam – 1885. Da kauften Hugo Dopplers Grossvater, Georg und dessen Bruder August die Buchhandlung an der Badstrasse. Doch man ist geneigt, von einer kleinen Mogelei zu sprechen, wenn das Team des heutigen «Bücher Doppler» das 130-jährige Bestehen feiert. Denn wer in der Badener Geschichte gräbt, findet heraus: Johann Zehnder Senior gründete das Buchgeschäft bereits 1837.

Es war das Jahr, in dem Autor Georg Büchner einen allzu frühen Tod starb und die Fragmente seines berühmten «Woyzeck» hinterliess; die Brüder Grimm veröffentlichten die dritte Auflage ihrer Kinder- und Hausmärchen; in Baden machte der Zürcher Adel Ferien in den Bädern und las beim Sonnenbaden, Goethe, Schiller, vielleicht Kleist.

«Irgendwann zwischen 1858 und 1866 zog die Zehnder’sche Buchhandlung an die Badstrasse 23», erzählt Hugo Doppler. Und dort ist sie bis heute geblieben – 150 Jahre, wenn auch die ersten 20 ohne den Namen Doppler.

Allerdings gab Hugo Doppler, der das Geschäft von seinem Vater übernommen hatte, die Buchhandlung 2005 in die Hände der Buch Shopping AG. Es war das Jahr, in dem gerade die 50-Jahr-Jubiläumsausgabe des Guinness-Buchs der Rekorde erschien, während die Buch Shopping AG private Buchhandlungen aufkaufte, die keinen Nachfolger mehr finden konnten. Man könnte also von 120 Jahren «Bücher Doppler» sprechen.

Jetzt geht die älteste Badener Buchhandlung wieder zurück in private Hände – nämlich in jene des Berner Buchhändlers Daniel Stehelin. Also darf das Team auch von einem Neustart sprechen. Es ist das Jahr, in dem Martin Suter seinen neusten Roman «Montecristo» auf den Markt werfen wird.

Zufall machte ihn zum Händler

Die Buch Shopping AG hat sämtliche Buchhandlungen verkauft, die sie einst vor der Schliessung gerettet hatte. «Diese Chance musste ich einfach packen», sagt Stehelin. «Ein so gut geführtes, traditionelles Buchhaus gibt es nicht mehr wie Sand am Meer.» Stehelin besitzt bereits in Bern ein Buchgeschäft.

Dabei war es der Zufall, der ihn zum Buchhändler machte. «Um mein Taschengeld aufzubessern, habe ich in einer Buchhandlung in Bern geputzt», erzählt er. «Die Atmosphäre hat mir so gut gefallen, dass ich mich entschied, diesen Beruf zu lernen.» Nun wird der 49-jährige Geschäftsinhaber regelmässig nach Baden pendeln, um nach dem Rechten zu sehen.

Einfacher wird das Geschäft mit den Büchern nicht. Da sind sich beide Buchhändler einig. «An diesem Standort muss man ein breites Sortiment für die Laufkundschaft bieten», sagt Hugo Doppler. Dabei müsse man sich gegenüber dem Online-Buchhandel und den grossen Ketten, behaupten.

Stehelin fügt hinzu, dass die Aufhebung des Euromindestkurses zusätzlich einschenkt. «Bei Büchern kann der Kunde den Europreis und den Schweizer Preis direkt auf der Buch-Rückseite vergleichen.» Sollte die Situation bleiben, wie sie ist, werde man die Preise so weit wie möglich an den Kunden weitergeben.

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