Grosse Umfrage
Catering Flop, Verkäufe Top: So erging es Metzgereien aus der Region Baden in der Coronakrise

Während der Partyservice in der Pandemie komplett zusammenbrach, konnten die Läden von den Restaurants-Schliessungen profitieren. Wie das Geschäft bei verschiedenen Metzgereien in der Region Baden lief.

Sarah Kunz und Sharleen Wüest
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Mit den fortschreitenden Lockerungen scheint inzwischen das Schlimmste überstanden, Detailhändler können endlich aufatmen. Aber nicht alle haben die Krise überlebt – zum Beispiel der «Schwab-Beck» aus Würenlos. Andere Bäckereien haben sich zu ihrem Geschäft während der Krise bereits geäussert. Jetzt blicken wir auf die Fleischindustrie – sechs Metzgereien aus der Region geben Auskunft.

Metzgerei Müller, Baden: «Wir konnten Umsatzeinbussen auffangen»

Metzger Thomas Müller in seiner Metzgerei in der Weiten Gasse in Baden. Er hofft, dass die Maskenpflicht auch in Läden bald fällt.

Metzger Thomas Müller in seiner Metzgerei in der Weiten Gasse in Baden. Er hofft, dass die Maskenpflicht auch in Läden bald fällt.

Sandra Ardizzone

Eine Erkenntnis, welche die Krise wieder einmal bewiesen hat: Die Leute wollen Fleisch essen. Weil sie das während der Pandemie nicht mehr im Restaurant konnten, gingen sie ihr Fleisch eben selbst einkaufen – und setzten dabei auf die Qualität von Metzgereien. «Das hat gezeigt, dass die Fleischindustrie systemrelevant ist», sagt Metzger Thomas Müller. «Es braucht uns und unser Angebot.» Wohl auch deshalb kam die Metzgerei Müller aus Baden gut durch die Pandemie. Sie beschäftigt mittlerweile 15 Mitarbeitende – einer mehr als vor der Krise.

Müller sagt:

«Am Anfang mussten wir vieles umstellen und Feste fielen aus, was wir zu spüren bekamen. Aber die Umsatzeinbussen aus diesem Bereich konnten wir mit Verkäufen im Laden auffangen.»

Dort sei sogar noch mehr verkauft worden als vorher. Auch das Lieferangebot, das die Metzgerei während der Pandemie ausbaute, kam gut an: «Viele machen auch heute noch davon Gebrauch.» Wie der Geschäftsführer sagt, ist das vergangene Jahr finanziell gesehen deshalb identisch verlaufen wie die vorherigen. Nur eines wünscht sich Müller noch: «Wir hoffen, dass wir bald wieder ohne Masken verkaufen und mit unserer Kundschaft kommunizieren können.»

Metzgerei Höhn, Untersiggenthal: «Ordentliche Beträge haben gefehlt»

Die Würste der Metzgerei Höhn wurden vor zwei Jahren ausgezeichnet. Jetzt kann Geschäftsführer Tobias Höhn die Bekanntheit gut gebrauchen.

Die Würste der Metzgerei Höhn wurden vor zwei Jahren ausgezeichnet. Jetzt kann Geschäftsführer Tobias Höhn die Bekanntheit gut gebrauchen.

Archibild: Sandra Ardizzone

Weniger erfreulich klingt es seitens der Metzgerei Höhn in Untersiggenthal. Das Unternehmen hat sich vor einigen Jahren vermehrt auf Catering spezialisiert, was sich während der Pandemie als kein gutes Standbein erwiesen hat. Die Nachfrage nach Catering-Angeboten ist komplett zusammengebrochen, es konnten keine Hochzeiten stattfinden, keine Partys, keine Fussballfeste. Und deshalb verlangte auch niemand nach Fleischplatten oder Sandwiches für Apéros. Im Detail beziffern kann Geschäftsleiter Tobias Höhn die Umsatzeinbussen nicht. Nur so viel:

«Es haben uns ordentliche Beträge gefehlt. Zwar sind die Verkäufe im Laden stark gestiegen. Aber auch das konnte die Einbussen aus dem Catering-Angebot niemals wettmachen.»

Sorgen machen muss man sich um die bekannte Metzgerei trotzdem nicht: «Wir konnten uns über Wasser halten», sagt Höhn. Dies, weil letztlich auch weniger eingekauft werden musste und wegen der Mindereinnahmen keine grösseren Investitionen getätigt wurden. Und jetzt, wo die Krise allmählich abflaue und die Normalität mit Lockerungen winke, gehe es auch schon wieder bergauf. Mehr noch: «Es räblet sogar richtig», sagt Höhn und lacht. Das sei schön, teilweise aber auch sehr anstrengend. Etwas Positives hatte die Krise nämlich: «Weil wir keine Feiern vorbereiten mussten, konnte ich an einem Samstag auch einmal Feierabend machen.»

Chämi Metzg, Fislisbach: «Es rockt endlich wieder!»

Marcel Wüest, Geschäftsleiter der Chämi Metzg in Fislisbach, bei der Fleischverarbeitung.

Marcel Wüest, Geschäftsleiter der Chämi Metzg in Fislisbach, bei der Fleischverarbeitung.

Archivbild: Corinne Rufli

Die positiven Seiten der Pandemie sieht auch Marcel Wüest, Geschäftsleiter der Chämi Metzg in Fislisbach. Er ist überzeugt: «Die Team-Stärkung war im letzten Jahr enorm». Das Umdenken während der Pandemie sowie der gut besuchte Laden hätten die 30 Mitarbeitenden zusammengeschweisst. Auch habe der Kontakt zu anderen Metzgern zu Zeiten von Corona zugenommen. Man habe sich vermehrt untereinander ausgetauscht.

Um die Fähigkeiten des Teams auszubauen, hätten interne Schulungen stattgefunden. Wüest sagt:

«Schon mein Vater hat mir immer gesagt, dass gute wie auch schlechte Jahre auf einen zukommen. Da setze ich in weniger guten Zeiten lieber auf Weiterbildungen anstelle von Kündigungen.»

Ausgebaut hat der Metzger auch sein Angebot. Denn im Gegensatz zum Laden, der einen regelrechten Boom erlebte, wurde der Party-Service auf Eis gelegt. «Und der macht immerhin 30 Prozent unseres Umsatzes aus», sagt Wüest. Neu wurden ein Lieferdienst sowie eine Abholstelle eingeführt. Ersteres wurde jedoch nach dem Lockdown wieder gestoppt. Der Zeitaufwand deckte sich nicht mit dem Ertrag. Dennoch, die Pandemie agierte als kleiner Anstupser: «Wir konnten Dinge probieren, die ich mich vorher nicht getraut hätte», sagt er und ergänzt: «Die Angebote liefen noch dazu super.» Dennoch konnten die Verluste aufgrund des wegfallenden Party-Service nicht wettgemacht werden. Jetzt freut sich Wüest umso mehr über den Sommer und die gelockerten Massnahmen: «Es rockt endlich wieder! Die Leute haben das Bedürfnis sich wieder zu treffen.»

Dorf-Metzg Schmid, Birmenstorf: «Das Dorf hält zusammen»

Grosse Solidarität in Birmenstorf: Im Dorf haben alle zusammgen gehalten und der Dorf-Metzg Schmid über die Runden geholfen.

Grosse Solidarität in Birmenstorf: Im Dorf haben alle zusammgen gehalten und der Dorf-Metzg Schmid über die Runden geholfen.

Alex Spichale

Der Ansturm auf die Metzgereien ging auch an der Dorf-Metzg Schmid in Birmenstorf nicht vorbei: «Gerade am Anfang ist die Zahl der Einkäufe explodiert», sagt Mitarbeiter Roman Wettstein. Überstunden und vor allem viel Fleiss seien gefragt gewesen – aber das Team war glücklich. Glücklich darüber überhaupt arbeiten zu dürfen. Von den Kundinnen und Kunden hätten sie viel Solidarität erfahren. «Wir konnten ihnen weiterhin gute Qualität bieten, darauf hat die Kundschaft auch gewartet», sagt Wettstein. Auch untereinander sei Gemeinschaft rege gelebt worden. Denn die Metzgerei bot während des Lockdowns zwar einen Lieferdienst an, aber viele Kundinnen und Kunden hätten sich selbst organisiert. Dies, um die Wartezeiten zu verkürzen oder einander zu helfen. So kam es, dass an einem Tag eine Frau das Geschäft mit vier Taschen verliess – sie habe für ihre Nachbarn eingekauft. Wettstein ist erfreut:

«Das macht das Dorf aus. Es hält auch in Krisensituationen zusammen.»

Einbussen konnte das Birmenstorfer Geschäft jedoch nicht komplett umgehen. Denn die Pandemie machte auch ihrem Party-Service einen Strich durch die Rechnung. Dennoch rechnet Wettstein dank der guten Auslastung im Laden mit einem höheren Umsatz als im Vorjahr.

Metzgerei Felder, Wettingen: «Wir haben sehr grosse Umsatzeinbussen»

Dank der treuen Kundschaft konnte sich die Metzgerei Felder in Wettingen durchschlagen.

Dank der treuen Kundschaft konnte sich die Metzgerei Felder in Wettingen durchschlagen.

Alex Spichale

Die Wettinger Metzgerei Felder hat eine schwierige Zeit hinter sich. Dies ist vor allem auf die coronabedingte Personenbeschränkung zurückzuführen. Geschäftsführerin Denise Zimmermann sagt: «In unseren kleinen Laden durften wir maximal zwei bis drei Kunden lassen. Bedienen durften wir auch nur mit drei Mitarbeitenden.» So sei die Wartezeit für die Kunden stark erhöht worden. Um etwas dagegen zu steuern, sei eine zweite Ausgabestelle für Bestellungen eingerichtet worden. Die Wettinger Metzgerei bot zudem Hauslieferdienste an.

Die fehlenden Vereinsanlässe, Feste und Veranstaltungen nagten an der Metzgerei. «Wir haben sehr grosse Umsatzeinbussen», sagt Zimmermann. Dennoch bleibt die Metzgerin positiv gestimmt – dank den Kundinnen und Kunden. Sie sagt:

«Wir sind unendlich dankbar für die Kundentreue. So konnten wir uns mit dem Ladengeschäft über Wasser halten.»

Lägere Metzg, Ehrendingen: «Wir setzen stärker auf den Detailhandel»

Patrick Schmid von der Lägere Metzg in Ehrendingen ist mit dem vergangenen Jahr sehr zufrieden.

Patrick Schmid von der Lägere Metzg in Ehrendingen ist mit dem vergangenen Jahr sehr zufrieden.

ZVG

Die Umfrage beweist bislang: Wer stärker auf Ladenverkäufe setzt, dem erging es während der Krise grundsätzlich besser als Metzgereien, die sich auf Catering spezialisieren. Aus diesem Grund kam auch die Lägere Metzg aus Ehrendingen gut durch die Pandemie: «Bei uns lief es gut, weil wir seit Jahren immer mehr auf den Detailhandel gesetzt haben», sagt Geschäftsführer Patrick Schmid. Aus den Verkäufen im Laden resultierte deshalb eine Umsatzsteigerung. Auch, weil die Metzgerei während den Lockdowns jeweils am Donnerstag einen Lieferdienst angeboten hat: «Daraus konnten wird ein paar neue Kunden gewinnen, was uns natürlich sehr freut.»

Das vergangene Jahr bezeichnet Schmid deshalb als «sehr gut» im Vergleich zu den Vorjahren. Die Verkäufe im Laden hätten sich nun aber bereits wieder normalisiert. Insgesamt sind bei der Metzgerei rund 750 Stellenprozente beschäftigt.

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