Wettingen

Gemeindebüro wird 289 Tage offen sein

Der Einwohnerrat feilschte um die künftige Anlaufstelle der Verwaltung. Schliesslich bewilligte er den Umbaukredit von fast 1,4 Millionen Franken. Die personelle Besetzung des Büros reduzierte er aber.

Dieter Minder
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Der Auskunftsschalter muss dem Durchgang zum Gemeindebüro weichen.

Der Auskunftsschalter muss dem Durchgang zum Gemeindebüro weichen.

Emanuel Freudiger

›«Wenn Synergien genutzt werden, sollten nicht mehr Stellen geschaffen werden», stellte Paul Koller als Präsident der Finanzkommission (Fiko) fest. Darauf erläuterte er an der einwohnerratssitzung sehr ausführlich, wie das neue Gemeindebüro im Erdgeschoss des Rathauses an 289 Tagen pro Jahr besetzt werden müsse. Vor 5 Jahren hatte Werner Hartmann mit einem Postulat die Schaffung eines Gemeindebüros angeregt. Jetzt ist es soweit, dass das von allen begrüsste Anliegen erfüllt wird. Es soll die Visitenkarte des Rathauses werden.

Die Fiko kam jedoch zum Schluss, dafür genüge eine Aufstockung von heute 85 um 100 Stellenprozent. Der Gemeinderat beantragte 190 Stellenprozent. Thomas Benz betonte für die CVP, dass das neue Gemeindebüro Sinn mache: «Es bringt Mehrnutzen.» Er stellte den Antrag, das Pensum um 160 Prozent aufzustocken. Claudia Beerli von der FDP plädierte für die Lösung der Fiko, wogegen Marie-Louise Reinert (EVP/Forum 5430) sich dem Gemeinderat anschloss: «Die Vorlage ist sorgfältig berechnet und das Angebot für die Kunden soll erweitert werden.» Dieser Ansicht schloss sich Josef Wetzel (SP/WG) an: «Die Begründung des Gemeinderates ist stichhaltig.» Jürg Baumann (SVP) und Heinz Graf (BDP) votierten für den Fiko-Antrag. Leo Scherer (WG) sagte: «Veränderungen können auch mehr Besucher bringen», und machte sich für den Vorschlag des Gemeinderates stark. Gemeindeammann Markus Dieth erinnerte daran, dass Werner Hartmann mit seinem Postulat für ein Gemeindebüro eine Qualitätssteigerung gefordert hatte. «Dafür brauchen wir die Stellen.» Der Rat entschied sich schliesslich für die von der CVP vorgeschlagenen 160 Stellenprozent. Mit diesem Basar, wie Reinert die Diskussion um bezeichnete, war das Thema Gemeindebüro aber noch nicht vom Tisch.

Im nächsten Antrag ging es um den dafür notwendigen Umbau des Erdgeschosses im Rathaus. Begünstigt wird dieses Vorhaben durch den Umzug der Polizei ins heutige Verwaltungsgebäude des Elektritzitäts- und Wasserwerks (EWW) an der Landstrasse. Paul Koller von der Fiko stellte eingangs die Frage: «Ist der unspektakuläre Umbau 1,378 Millionen Franken wert?» Das Geschäft sei in der Fiko stark umstritten gewesen sagte er. Martin Egloff (FDP) relativierte die hohen Kosten mit Vergleichen zu Referenzobjekten: «Umgebaut werden etwa 525 m2.» Thomas Benz (CVP) schlug vor, mit Fachleuten eine kundenfreundlichere Gestaltung zu suchen.

Für Daniel Frautschi (SVP) war der Kreditantrag überrissen. Er stellte den Antrag, den Kredit um 250000 Franken zu kürzen. Heinz Graf (BDP) stellte einen Rückweisungsantrag: «Das ist keine gute Lösung.» Nach einer längeren, von architektonischen Aspekten geprägten Diskussion, erklärte Gemeinderat Daniel Huser nochmals das Umbauvorhaben. Er warnte vor einer Kreditkürzung: «Wir wollen einen schönen Eingang und kein Flickwerk.»

Huser warf aber auch die Frage nach der Aufgabenverteilung auf. Bisher sei er der Meinung gewesen, der Einwohnerrat sei die Legislative und der Gemeinderat mit der Verwaltung würden die Lösungen nach dessen Vorgaben erarbeiten. «Nach dem heutigen Abend bin ich mir aber nicht mehr so sicher.» Der architektonische Spielraum im 1959 erstellten Rathaus ist gering. Nachdem die Anträge aus dem Rat keine Mehrheit fanden, wurde der Kredit mit 34 Ja, 13 Nein und 1 Enthaltung genehmigt.