Oberrohrdorf

Ein kleiner Specht sagt, wo es langgeht

Die Ortsbürgergemeinde Oberrohrdorf realisiert ein Eichenwaldreservat bei Staretschwil. Das Projekt für ist Teil der kantonalen Strategie zur Förderung der Eiche.

Samuel Weissman
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Die dunkelgrün eingefärbte Fläche zeigt das Eichenwaldreservat. zvg

Die dunkelgrün eingefärbte Fläche zeigt das Eichenwaldreservat. zvg

Eichenwälder bieten einen ökologisch wertvollen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. So auch für den seltenen Mittelspecht. Am 9. Dezember 2010 hat die Ortsbürgergemeindeversammlung Oberrohrdorf-Staretschwil der Realisierung eines Eichenwaldreservats zugestimmt.

Das Projekt für den Eichenwald ist Teil der kantonalen Strategie zur Förderung der Eiche. «In den letzten zehn Iahren wurde die Eiche vernachlässigt», sagt Josef Schmidlin, Kreisförster beim Kanton. Seit wenigen Jahren werden nun mehr und mehr Eichenwaldreservate eingerichtet.

Ein anspruchsvoller Specht

Die Ortsbürgergemeinde hat mit dem Kanton einen Vertrag abgeschlossen. Damit wird die Eichen- und Lebensraumförderung für die nächsten 50 Jahre gesichert. «Alte Eichen werden geschützt und neue Eichen gepflanzt», sagt Peter Muntwyler, Revierförster in Oberrohrdorf. Dazu werden auch Eichen in Mischbeständen gefördert und abgestorbene Bäume im Wald belassen.

Als langsam wachsender Baum hat es die Eiche schwer, sich durchzusetzen. Dafür bieten Eichenwälder ideale Lebensbedingungen für eine reiche Artenvielfalt. Besonders der Mittelspecht (Box rechts) ist auf grossflächige alte Eichenwälder angewiesen. «Wenn der Mittelspecht sich heimisch fühlt, dann ist für viele andere Arten ein guter Lebensraum gegeben», sagt Schmidlin. Der selten gewordene Mittelspecht gilt als «Schirmart». Das heisst, er stellt hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Dadurch ist er ein Indikator für ein reiches und funktionierendes Ökosystem.

Keine Mittelöspechte im Eichenwalreservat

Im Eichenwaldreservat Staretschwil gibt es Muntwyler zufolge noch keine Mittelspechte. «Wir haben viele andere Spechtarten. Das deutet bereits auf eine gute Artenvielfalt hin.» In umliegenden Eichenwäldern, wie in Baden und Mellingen, brüten noch einige Mittelspechtpaare. «Ich denke, der Mittelspecht wird auch in Staretschwil zuziehen.» Mit der Zeit wird der Wald eichenreicher werden. Dann kann sich der anspruchsvolle Specht in Staretschwil niederlassen.

«Der Lebensraum des Mittelspechts soll gefördert werden», sagt Schmidlin. In Ehrendingen werde auch ein Eichenwaldreservat eingerichtet. Letztes Jahr realisierten die Gemeinden Schneisingen und Siglistorf ein Reservat. Ein weiteres befinden sich auf der Egg im Wehntal. Aber die nachhaltig aufgebauten Wälder werden nicht nur einen ökologischen Vorteil bringen. Eichenholz ist ein beliebtes Rohmaterial und kann vielseitig eingesetzt werden. Im Wasserbau, als Bauholz und massiv als Möbelholz.

Um den Eichenwald wirtschaftlich zu nutzen, sei es aber noch zu früh, sagt Muntwyler. «In ferner, ferner Zukunft würde der Bestand gross genug sein. Aber wir reden hier von 250 Jahren.» Die 50 Jahre, auf die der Vertrag läuft, sind dafür zu wenig.