Ennetbaden

Drei Schüler bringen Leben in das Hotel Post – mit einer Bar

Der Hausbesitzer Jodok Wicki sieht Zukunftspotenzial in der Geschäftsidee.

Anja Ringele
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Die Kantischüler Sebastian Wicki, Dimitri Rüegg und Tim Kuster (v.l.) haben die Bar eigenständig mit einer Holzkonstruktion erweitert.severin bigler

Die Kantischüler Sebastian Wicki, Dimitri Rüegg und Tim Kuster (v.l.) haben die Bar eigenständig mit einer Holzkonstruktion erweitert.severin bigler

SEVERIN BIGLER

13 Jahre lang herrschte Leere in den Räumen des Hotel Post. Seit Anfang September wird nun für zwei Monate im Ennetbadener Gasthof wieder getrunken und gegessen: Sebastian Wicki, Dimitri Rüegg und Tim Kuster verwandeln das Restaurant im Rahmen ihrer Maturaarbeit in einen Barbetrieb. Die Maturanden der Kantonsschule Baden empfangen während zweier Monate jeweils am Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend Gäste in der «Pröstli-Bar». Mit Einwegpaletten und selbst angefertigten Holzmöbeln schmückten sie den Bereich des Restaurants, der nun auch eine Lounge beinhaltet.

Restaurant Sonne hilft mit

«Die Idee einer eigenen Bar entstand, als wir im Ausgang um 2 Uhr nur noch geschlossene Lokale vorfanden», sagt Sebastian Wicki. Wie sein Name schon verrät, handelt es sich dabei um den Sohn des Liegenschaftsbesitzers Jodok Wicki. Dieser unterstützt das Projekt seines Sohnes gerne: «Ennetbaden und die Region können einen solchen Treffpunkt gut gebrauchen.» Seit vielen Jahren bemüht sich die Gemeinde, wieder mehr Leben in den Dorfkern zu bringen. Dies versuchten sie unter anderem mit einer Neugestaltung des Postplatzes im Jahr 2015. Die umgebaute Badstrasse, die am kommenden Wochenende eröffnet wird, soll das Zentrum ebenfalls attraktiver machen. Dazu trägt nun auch vorübergehend die «Pröstli-Bar» bei.

Die Schüler erarbeiteten zuerst ein Konzept und gingen anschliessend auf Sponsorensuche. Dank deren Unterstützung mussten sie, abgesehen von der Einrichtung, kein Geld im Voraus investieren. «Den grössten Teil der Barausrüstung stellte uns Müllerbräu zur Verfügung», sagt Tim Kuster. Ausserdem können sie Getränke, die nicht konsumiert werden, nach den zwei Monaten Betrieb dem Getränkelieferanten zurückgeben. Die Küche benutzen die Maturanden nicht. Um ihren Gästen trotzdem eine kleine Auswahl an Speisen anbieten zu können, arbeitet das Team der «Pröstli-Bar» mit dem Restaurant Sonne von gegenüber zusammen und führt eine Auswahl an ihren Gerichten in der «Pröstli-Bar»-Karte. Bestellt ein Gast etwas aus dem Angebot, leiten die Schüler die Bestellung ans Restaurant weiter. Deren Angestellte liefern dann das zubereitete Essen in die Bar und kassieren ein.

Die Ennetbadener freuts

Das Geschäft läuft. Die Kantischüler erzählen bis auf zwei Beschwerden von positiven Rückmeldungen aller Seiten. Hauseigentümer Jodok Wicki sieht den Grund: «Die Bar ist unkonventionell und gemütlich. Dementsprechend fielen die Besucherzahlen bisher sehr gut aus.» Auch bei den Bewohnern Ennetbadens stösst die Schülerbar auf Interesse. Viele ältere Anwohner würden auf ein Glas Wein vorbeikommen, sagt Sebastian Wicki. Die Gemeinde zeigt ebenfalls Interesse: «Vor zwei Wochen besuchten uns Angestellte von der Gemeindekanzlei», sagt Dimitri Rüegg. Es sei deutlich zu spüren, dass die Ennetbadener ihr Projekt unterstützen. Sie scheinen zu schätzen, dass der Postplatz wieder belebt ist, sagt er.

Das Hotel Post zählt mit seiner zentralen Lage im Dorfkern zu den bekanntesten Gebäuden Ennetbadens. Doch trotz der Beliebtheit verlief die Suche nach einem langfristigen Pächter bisher erfolglos. Vor einem Jahr schien es, als ob man eine Lösung immerhin für einen Teil der Infrastruktur gefunden hatte. Eine Cateringfirma nutzte die Küche des Restaurants für die Zubereitung ihrer Speisen (az berichtete). Nach rund neun Monaten verliessen die Betreiber aber das Lokal wieder. Die Mieter seien ihren Verpflichtungen nicht mehr nachgekommen, heisst es bei Hauseigentümer Jodok Wicki.

Bald muss sich Ennetbaden von der «Pröstli-Bar» jedoch wieder verabschieden, denn das Maturprojekt läuft nur noch bis Ende Oktober. Danach steht der Gasthof theoretisch wieder leer. Die Schüler sehen allerdings eine Zukunft für die «Pröstli-Bar» – wenn auch nicht als Geschäftsführer selbst. Nach Absprache mit Eigentümer Wicki hätten sie beschlossen, die Einrichtung nach Ablauf ihres Projekts stehen zu lassen, sagt Tim Kuster. Denn auch Jodok Wicki sieht Potenzial darin, die «Post» als Bar zu betreiben: «Wir sind offen für Interessenten, die die Bar gerne pachten würden», sagt er. Es seien aber auch Interessenten mit einem anderen Konzept willkommen. «Wichtig ist, dass es zum Standort passt.»