Obersiggenthal

Dem Ortsbus in Obersiggenthal droht bereits das Aus

Wenn nicht bald mehr Fahrgäste mit dem Ortsbus fahren, wird der Testbetrieb Ende Mai abgebrochen. Denn obwohl wiederholt das Bedürfnis nach einem Ortsbus geäussert wurde, wird er kaum genutzt.

Roman Huber
Drucken
Teilen

Walter Schwager

Die Fahrgastfrequenzen seit Betriebsstart am 1. März sind nicht berauschend. Die Bilanz im Startmonat bei zwei Fahrten vormittags von Dienstag bis Freitag: Die Route Oberdorf wurde gerade Mal von einer Person benutzt. Hinauf zum Hertenstein waren es 19 Personen, nach Kirchdorf via Alterswohnzentrum zum Tromsberg zählte man 27 Fahrgäste.

Dennoch wird Angebot verbessert

Es sieht düster aus für die Zukunft des Obersiggenthaler Ortsbusses. Doch der Gemeinderat streicht die Segel seines Ortsbusses nicht, ohne vorher das Angebot noch zu verbessern. Per Anfang Mai wird darum der Fahrplan mit zwei zusätzlichen Kursen am Nachmittag ausgedehnt. Ausserdem will man die Fahrkosten von vier auf drei Franken senken und das 10er-Abonnement von 30 auf 20 Franken verbilligen.

Damit reagiert der Gemeinderat auf Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Auch auf den - zwar spärlich - retour geschickten Fragebogen wurden primär der Tarif und der eingeschränkte Fahrplan kritisiert. Mit dem veränderten Probebetrieb wolle man nochmals einen Versuch wagen, sagt Gemeindeammann Max Läng. «Sollte sich die Fahrgastzahl während des Probemonates Mai nicht wesentlich erhöhen, brechen wir den Betrieb allenfalls vor Ablauf der vom Einwohnerrat gewährten Pilotfrist ab», fügt Läng an.

«Wir sind vom öV verwöhnt»

«Der erste Monat ist für den Gemeinderat enttäuschend ausgefallen», gibt Läng unumwunden zu. Es sei auch nicht einfach, das richtige Angebot zu finden. «Ich vermute, dass wir schlicht und einfach vom dichten Fahrplan, wie wir ihn vom öffentlichen Verkehr her kennen, verwöhnt sind», mutmasst Max Läng über die Gründe der mageren Frequenzen. Da sei der ausgedünnte Fahrplan des Ortsbusses offenbar zu wenig attraktiv.

«Wir wollen aber nicht Knall auf Fall den Betrieb einstellen», fügt Läng an. Es könne sein, dass das Angebot mit Nachmittagskursen besser genutzt werde. Die Bevölkerung will man nochmals eingehend informieren. Eine weitere Möglichkeit wäre, die Routen zu reduzieren.

Auch bei den Parteien umstritten

Der Pilotbetrieb für den Ortsbus wurde im Einwohnerrat im August 2010 intensiv diskutiert. Insbesondere FDP und SVP führten ihre Vorbehalte gegenüber dem Projekt ins Feld. Statt eines Ortsbusses schlugen sie unter anderem ein Ruf- oder Linien-Taxi vor. Es wurde eingeworfen, dass ein Kleinbus beim Ein- und Ausstieg für ältere Menschen nicht geeignet sei.

Unterschiedlicher Meinung war man im Einwohnerrat ebenso bezüglich Routenwahl und Fahrplan unterschiedlich. SP und Grüne bezeichneten eine «gute, zielgruppengerichtete Information» als Schlüssel zum Erfolg. Der Einwohnerrat genehmigt den Versuch dann klar mit 24 Ja bei 9 Enthaltungen.

Es sei günstiger, einen Ortsbus zu finanzieren als steigende Pflegeheim- und Spitex-Kosten in Kauf zu nehmen, argumentierte damals der Gemeinderat, der ein Bedürfnis vor allem bei der älteren Bevölkerung zu orten glaubte. Kommentar rechts

Pilotversuch Ortsbus

Wiederholt wurde in Obersiggenthal das Bedürfnis nach einem Ortsbus geäussert. Das Altersleitbild gab den Anstoss zum Versuch. Der Einwohnerrat genehmigte am 26. 8. 2010 den Rahmenkredit von 75000 Franken für einen einjährigen Pilotversuch. Seit 1. März läuft die Testphase mit den drei Routen «Hertenstein», «Kirchdorf/Tromsberg» (via Gässliacker) und «Oberdorf». (rr)