Baden
Im Kurpark steht neu eine Skulptur von Gillian White – es ist ein Geschenk an die Stadt

Die Plastik «La Famille» von Gillian White stand vor zwei Jahren noch beim Schloss Bad Zurzach – jetzt wird sie zum Blickfang im Badener Kurpark. Ein Architekt hat es ermöglicht.

Ursula Burgherr
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Architekt Rolf Graf schenkt der Stadt Baden die Plastik «La Famille» von Gillian White – die jetzt zum neuen Blickfang im Kurpark wird.

Architekt Rolf Graf schenkt der Stadt Baden die Plastik «La Famille» von Gillian White – die jetzt zum neuen Blickfang im Kurpark wird.

Bild: Ursula Burgherr

Wie schmiegt sich eine imposante, drei Meter hohe Plastik aus einer Tonne rostigem Cortenstahl in die Naturidylle des Kurparks Baden ein? Besucherinnen und Besucher können sich künftig selber ein Bild davon machen. Direkt neben dem Kurtheater steht das Werk «La Famille» von der gebürtigen Engländerin Gillian White.

Die Plastikerin hat mit ihrer unverkennbaren Handschrift eine wuchtige Skulptur für den öffentlichen Raum geschaffen, die trotz des schweren Materials Leichtigkeit und sogar eine gewisse Verspieltheit ausstrahlt. Ein König und eine Königin sind schemenhaft an den gezackten Kronen zu erkennen, dazu ihre zwei Kinder.

Gillian White ist bei der Einweihung zugegen.

Gillian White ist bei der Einweihung zugegen.

Bild: Ursula Burgherr

Wer sich um die Plastik herumbewegt, entdeckt immer wieder neue Details. Kunstsammler und Architekt Rolf Graf war von der starken Ausstrahlung des Objekts sofort gefesselt, als er es vor zwei Jahren anlässlich einer Skulpturenausstellung im Schloss Bad Zurzach entdeckte und sich entschloss, es zu kaufen.

«Für unsere Dachterrasse war das Exponat allerdings etwas gross», meint er – hegte aber bereits Pläne, wo es zu stehen kommen sollte. Direkt neben dem Kurtheater. «Es soll für alle sichtbar sein, die ins Theater reingehen oder vom Foyer aus nach draussen blicken.»

Seine Passion für den Kunstbetrieb führt in seine früheste Jugend zurück. «1952, als das Theater eingeweiht wurde, stand ich als ‹Walterli› Tell an der Eröffnungsvorstellung auf der Bühne.» Anscheinend machte er seine Sache gut. Wurde für weitere Jugendrollen engagiert.

Architekt Rolf Graf.

Architekt Rolf Graf.

Bild: Ursula Burgherr

Hätte er sich nicht zu Gunsten der Bodenständigkeit für den Architekturberuf entschieden, wäre er heute vielleicht Schauspieler. Sichtlich berührt zeigt er sich, als er sagt: «Jetzt steht die Figur da, wo sie meines Erachtens hingehört. Und ich möchte sie der Stadt schenken.»

Natürlich lässt es sich Gillian White nicht nehmen, persönlich am kleinen Einweihungsfest dabei zu sein, auch wenn die 83-Jährige nach einem Unfall zurzeit nicht gut zu Fuss ist. Claudia Spinelli, Leiterin des Kunstraums Baden, blickt auf ihre Anfänge zurück. Wie sie wegen der Liebe zum Aargauer Plastiker Albert Siegenthaler in die Schweiz kam und hierzulande schon bald zur festen Grösse wurde. «Sie verantwortet unzählige Kunst- und Bau-Projekte, und ihre Werke wurden und werden gesammelt.»

Vor allem: «Monumentale Grösse, Rost und Eisen – bei diesen Stichworten denken die meisten von uns an Kunst aus männlicher Hand. Umso erfreulicher ist es, dass es mit Gillian White eine Künstlerin gibt, die sich diesem Klischee immer mit Vehemenz und Eleganz entgegengestellt hat.» Und Stadträtin Steffi Kessler meint: «Es ist eine grosse Bereicherung, dass die Skulptur im Kurpark Baden einen Platz gefunden hat. La famille ist jetzt en famille.»