Atommüll-Tiefenlager
Auch ein Kombilager wäre möglich - Baudirektor Attiger: «Politische Gründe dürfen keine Rolle spielen»

Jura Ost (Bözberg), Nördlich Lägern und Zürich Nordost (Weinland) sind laut Nagra für ein Tiefenlager geeignet.

Mathias Küng
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Blick auf einen Bohrplatz.

Blick auf einen Bohrplatz.

Keystone (Bözberg, 24.September 2020

Für die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) ist klar: Sowohl in den Regionen Jura Ost (Bözberg), Nördlich Lägern und Zürich Nordost (Weinland) könne «ein sicheres Tiefenlager gebaut werden». Die Nagra macht seit 2019 in diesen Regionen Tiefbohrungen. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor. «Die Resultate bestätigen, dass sich in allen drei Gebieten ein sicheres Tiefenlager bauen lässt», sagt Tim Vietor, Leiter Geologie und Sicherheit von der Nagra-Geschäftsleitung. In allen drei Regionen gebe es auch genug Platz für ein Kombilager, in dem alle Abfallsorten (schwach-, mittel- und hochaktiv) entsorgt werden können.

Regionen mit über 100 m dicker Opalinuston-Schicht

Wie kommt die Nagra darauf? In allen drei Regionen habe der Untergrund die richtigen Eigenschaften: Jede Region verfüge über eine mehr als hundert Meter dicke, sehr dichte und ruhig gelagerte Opalinuston-Schicht. Der Opalinuston ist das Tongestein, in dem das Tiefenlager dereinst gebaut werden soll, und die wichtigste Sicherheitsbarriere, die den radioaktiven Abfall langfristig einschliessen soll.

In der Region Jura Ost wird zurzeit in Bözberg an zwei Orten gebohrt. Die erste Bohrung wird bald abgeschlossen, die zweite bis Jahresende, so die Nagra. «Was wir bis jetzt gesehen haben, hat unser bisheriges Bild bestätigt. Der Opalinuston ist in Jura Ost 120 Meter dick und sehr dicht. Aktuell gehen wir davon aus, dass wir in diesem Gebiet keine weitere Bohrung benötigen», sagt Tim Vietor.

Mit den Resultaten der ersten Tiefbohrung in Nördlich Lägern ist die Nagra ebenfalls zufrieden: Der Opalinuston sei sehr dicht. Komplett sei das Bild noch nicht. In Stadel finden Anfang 2021 Jahr zwei weitere Tiefbohrungen statt. Voraussichtlich 2022 werde man bekanntgeben, so die Nagra, für welchen Standort sie das Rahmenbewilligungsgesuch für ein Tiefenlager einreichen will. Der Bund führt die Standortwahl.

Attiger: Politische Gründe dürfen keine Rolle spielen

«Wir nehmen die Mitteilung der Nagra zur Kenntnis und bestätigen unsere bisherige Haltung.» Das sagt der Landstatthalter und kantonale Baudirektor Stephan Attiger zur Nagra-Mitteilung. Für den Regierungsrat sei es wichtig, «dass die Umsetzung des Sachplanverfahrens konsequent unter dem Primat der Sicherheit erfolgt». Bei der Standortwahl dürfen politische Gründe oder andere Aspekte, die nicht sicherheitsrelevant sind, keine Rolle spielen, mahnt Attiger. «Wir erwarten ein nachvollziehbares, faires, glaubwürdiges und transparentes Verfahren und dass der Aargau als möglicher Standortkanton konsequent einbezogen wird.» Dieser werde sich weiterhin konstruktiv einbringen, seine Interessen auf Kantonsgebiet wahren sowie als wichtiger Ansprechpartner gegenüber allen Verfahrensbeteiligten agieren.

«Ich vermisse im Nagra- Communiqué den Hinweis auf die Nachteile, die alle drei Standorte haben», sagt Grossrat Max Chopard, Präsident von «Kein Atommüll im Bözberg» (Kaib). Das gehöre doch auch zu einer seriösen Evaluation, kritisiert er. Beim Bözberg gebe es tektonische Störungszonen, Verformungen und Verfaltungen im Untergrund. Als Berg sei dieser zudem Erosionsrisiken ausgesetzt. Das sei angesichts der gigantischen Zeiträume eines Endlagers von grosser Bedeutung.

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