Deckeneinsturz

Aargauer Wellness-Bäder: «Bei uns kann so etwas nicht passieren»

Die Aargauer Wellness-Bäder zeigen sich nach dem Deckeneinsturz im «Bernaqua» betroffen. Aufgrund des neusten Vorfalls seien nun aber keine Untersuchungen der Aargauer Bäder nötig.

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Im Bern Westside ist eine Decke eingestürzt Bild Felix Brodmann
15 Bilder
Sicherheitskräfte beim Eingang zum Bad Bild Felix Brodmann
Teile der Decke löste sich...
.. und fielen zu Boden
Alle Besucher mussten das Bad verlassen
Vertreter der Medien schauen sich um
Eine verletzte Person wird abtransportiert
Feuerwehrauto ausserhalb des Westside Bild Felix Brodmann
Deckeneinsturz im Bernaqua
Die Rutschen von aussen
Blick auf das Bernaqua Bild Felix Brodmann
 Bild Felix Brodmann

Im Bern Westside ist eine Decke eingestürzt Bild Felix Brodmann

Newspictures

«Grauenhaft, das betrifft mich sehr», sagt Thomas Kirchhofer, Geschäftsleiter Kurzentrum Rheinfelden. Auch Marcus Rudolf vom «Bad Schinznach» ist bestürzt: «Es ist besonders tragisch, dass Menschen verletzt wurden. Dennoch kann man von Glück reden, dass nicht mehr passiert ist.»

Am Dienstagabend ist im Westside-Center «Bernaqua» über einem Schwimmbecken die Decke eingestürzt. Zwei Personen wurden dabei verletzt.

Sowohl Kirchhofer wie auch Rudolf dachten im ersten Moment an den Deckeneinsturz im Hallenbad von Uster ZH vor 26 Jahren. Damals, am 9. Mai 1985, stürzte die aufgehängte Decke im Hallenbad herab und riss 12 Menschen in den Tod.

Daraufhin wurde die Sicherheit in Bädern mit strengeren Auflagen erhöht.

Keine Untersuchungen

Das Kurzentrum Rheinfelden und «Bad Schinznach» hätten sich nach dem neusten Vorfall Gedanken über die Sicherheit im eigenen Bad gemacht. «Schliesslich ist ein Deckeneinsturz das Schlimmste, was einem Badbetreiber passieren kann», sagt Kirchhofer vom Kurzentrum gegenüber az.

Die spektakulärsten Deckeneinstürze in der Schweiz

12. April 2011: Beim Deckeneinsturz im Erlebnisbad Bernaqua im Westen von Bern werden zwei Personen verletzt.

16. November 2009: Bei Abbrucharbeiten im Altbau des Einkaufszentrums Oberland der Migros in Thun BE stürzt ein Zwischenboden ein. Zwei Passantinnen werden durch herumfliegende Trümmer leicht verletzt.

24. Februar 2009: Das Dach und ein Teil der Mittelwand einer Turnhalle in St. Gallen stürzen in der Nacht ein. Zum Unglückszeitpunkt befindet sich niemand im Gebäude.

2008/09: Innerhalb von acht Monaten stürzen in den Waadtländer Gemeinden La Tour-de-Peilz, Vallorbe und Bex in Schulhäusern Decken ein. Verletzt wird niemand.

10. Dezember 2007: Beim Betonieren einer Tiefgaragendecke in Strengelbach AG stürzt die Decke ein, zwei Bauarbeiter kommen ums Leben.


18. Mai 2007: In einem Café in Wohlen AG stürzt eine Holzdeckenverkleidung auf die Gäste herab. Zwei Frauen werden verletzt.

19. Dezember 2005: Im Spital Thun werden zwei Personen leicht verletzt, als die Holzverkleidung der Cafeteria-Decke herunterstürzt. Offenbar waren bei der Montage falsche Schrauben und Dübel verwendet worden.

27. November 2004: Bei einem Brand in einer Tiefgarage in Gretzenbach SO stürzt die Decke ein. Sieben Feuerwehrleute kommen ums Leben.

28. November 2003: In Lupfig AG stürzt nachts ein Teil des Daches der Mehrzweckhalle ein. Verletzt wird niemand. Kurz vor dem Unglück hatten in der Halle noch mehrere Personen geturnt.

16. Juli 2001: In Egnach TG stürzt nachts die Decke einer Turnhalle ein. Einen Schutzengel hatten 50 Kinder eines Lagers, die eigentlich in der Halle hätten übernachten sollen, aber in ihren Zelten blieben.

11. Mai 1997: Bei einem Brand in Walzenhausen AR kommt ein Feuerwehrmann ums Leben, als eine Decke zusammenstürzt.

7. März 1986: Bei einem Deckeneinsturz in Urdorf ZH wird ein Bauarbeiter getötet, fünf weitere werden verletzt.

9. Mai 1985: Im Hallenbad von Uster ZH stürzt abends die aufgehängte Betonspritzdecke herab. Zwölf Menschen kommen bei dem Unglück ums Leben.

Beide Bäder sind jedoch der Meinung, dass nun eine ausserordentliche Untersuchung nicht nötig sei. Eine solche will auch der Kanton Aargau nicht veranlassen und betont, dass in regelmässigen Abständen die Hallen ohnehin untersucht werden, wie das Baudepartement bestätigt.

«Ich kann meine Hand ins Feuer legen: Bei uns in Rheinfelden kann so etwas nicht passieren», sagt Kirchhofer weiter. Er könne so selbstsicher Auskunft geben, weil man sich erst im vergangenen Herbst bei einem Neubau um dieses Thema gekümmert habe. «Bei unserer alten Halle, die vor 40 Jahren gebaut wurde, wurde die Sicherheit etwas vernachlässigt. Seit dem Umbau im Herbst sind wir wieder absolut auf dem neusten Stand», so Kirchhofer.

Auch beim Thermalbad Zurzach sei ein ähnlicher Fall wie in Bern «undenkbar», weil sich 75 Prozent des Bades ohnehin im Freien befinde.

Sicherheit vor Kunst

Das «Bernaqua» von Stararchitekt Daniel Libeskind ist ein Neubau mit moderner Architektur. Erst vor drei Jahren wurde es eröffnet.

In der Baubranche wird bereits vermutet, dass sich die Bauherrschaft bei der Planung dem Stararchitekten geschlagen gab - zugunsten des futuristisch aussehenden Gebäudes und zulasten der Sicherheit.

Für Rudolf ist klar, dass sich deshalb die Bauherrschaft bei der Umsetzung eines Projekts stets durchsetzen sollte. «Es wäre ja schön, wenn man Planungen stets in die Praxis umsetzen könnte», sagt er.

Warum die Decke im Westside-Center tatsächlich einstürzte, wird derzeit ermittelt. (sha)