Aarau
«Wir sind gut auf Kurs»: Stadtpräsident Hilfiker zum Umbau der Alten Reithalle

Urs Helbling
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«Wir konnten vielen Leuten die Alte Reithalle zeigen», sagt Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker über die zu Ende gehende Phase der Sommernutzung. (Archiv)

«Wir konnten vielen Leuten die Alte Reithalle zeigen», sagt Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker über die zu Ende gehende Phase der Sommernutzung. (Archiv)

ZVG C21

Am Freitag begann mit dem Festival Cirqu’ die letzte Grossveranstaltung in der alten «Alte Reithalle». Haben Sie etwas nostalgische Gefühle, wenn Sie daran denken, dass die Zeit der Sommernutzungen nun definitiv vorbei ist?

Hanspeter Hilfiker: Dank der Sommernutzungen konnten wir vielen Leuten die Alte Reithalle zeigen und ihnen die Möglichkeiten dieses Gebäudes präsentieren. Das war im Meinungsbildungsprozess ein ganz wichtiges Element.

Aber die Sommernutzung war nicht von Anfang an ein Erfolg.

Nein, erst seit sie von der Tuchlaube, von Peter-Jakob Kelting und seinen Leuten, übernommen worden ist. Neben den klassischen Kulturveranstaltungen, dem Theater und der Musik, gab es auch immer andere Anlässe wie beispielsweise das Interkulturfest am letzten Wochenende. Dieser Bau mitten in der Stadt ist wirklich sehr vielseitig einsetzbar.

Wann kamen Sie als Politiker erstmals in Kontakt mit dem Projekt eines kantonalen Kulturhauses?

In meiner Zeit als Einwohnerrat. 2006 tauchte das Projekt im Finanzplan auf. Lanciert wurde es als Mittlere Bühne des Kantons für Theater und Tanz.

Und dann war es ein Auf und Ab ...

Eine Zeit lang stiegen vor allem die Kosten und sank die politische Unterstützung, weil sich die Sache als sehr teuer herausstellte. Der «Oxer» wurde beerdigt. 2014, ich war damals als Stadtrat für die Kultur zuständig, kam das Argovia Philharmonic auf uns zu und signalisierte grosses Interesse an der Nutzung der Alten Reithalle als Saal für Orchestermusik. Mit dem Orchester kamen auch seine Sponsoren, die einen substanziellen Beitrag an die Finanzierung in Aussicht stellten.

«Ich bin sehr froh, dass wir uns innerhalb des Zeitplans mit den Einwendern einigen konnten», sagt Hilfiker.   

«Ich bin sehr froh, dass wir uns innerhalb des Zeitplans mit den Einwendern einigen konnten», sagt Hilfiker.   

Sandra Ardizzone

61 Prozent Ja in der Volksabstimmung, keine unüberwindbaren Probleme im Baubewilligungsverfahren: Am Schluss ging alles ganz schlank durch.

Baugesuche für Projekte der öffentlichen Hand verlaufen selten so problemlos. Doch wir hatten es auch schon: Beim Laufkorridor in der Sportanlage der Gewerbeschule Telli gab es gar keine Einsprachen ...

... bei der Alten Reithalle immerhin zwei.

Ich bin sehr froh, dass wir uns innerhalb des Zeitplans gütlich einigen konnten. Der Bau kann nun am 25. Juni beginnen – mit Ziel Eröffnung im Oktober 2020.

Sind in der Schlussphase der Planung noch irgendwelche kostentreibende Probleme aufgetaucht?

Wir sind grundsätzlich gut auf Kurs. Leiter der Baukommission ist Stadtrat Daniel Siegenthaler.

Wie steht es eigentlich mit der Finanzierung des 20,45 Millionen Franken teuren Vorhabens: Sind alle Sponsorengelder, insbesondere die anvisierten 2 Millionen von Privaten (neben den 3 Millionen der Aargauischen Kantonalbank) gesichert?

Erfreulicherweise ja. Die Vereinbarungen mit der AKB sind in Vorbereitung. Und was die anderen 2 Millionen Franken betrifft, suchen wir aktuell nach einer Lösung, wie wir die Sponsoren in der Alten Reithalle gebührend präsentieren können.

Die Aeschbachhalle kommt ganz generell sehr gut an.

Der Umbau der Alten Reithalle bedeutet für das Aarauer Kulturleben auch eine Durststrecke. Haben Sie keine Angst, dass in den fast anderthalb Jahren, in denen das Lokal nicht zur Verfügung stehen wird, etwas verloren geht?

Nein, es wird die Vorfreude auf die Eröffnung überwiegen. Und wir haben ja noch ganze andere Angebot, die Tuchlaube, das KuK, neuerdings die Aeschbachhalle. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch bis im Oktober 2020 ein gutes Programm haben werden.

Die Aeschbachhalle ist jetzt seit zwei Monaten in Betrieb. Wie erleben Sie das neue Angebot?

Die Anlage kommt ganz generell sehr gut an. Sie ist keine Konkurrenz zum KuK, weil sie andere Qualitäten hat. Ich bin sehr optimistisch, dass die Aeschbachhalle ein grosser Erfolg wird.

Am 25. Juni findet der erste Spatenstich in der Alten Reithalle statt: Ist ein grosser Event geplant?

Es wird einen würdigen Anlass geben, aber nichts ganz Grosses: Wir sind gegenwärtig an der Vorbereitung.

Wie laufen die Arbeiten an weiteren grossen städtischen Projekten?

Die Alte Reithalle ist eines von vielen Projekten, die unsere Stadt weiterbringen sollen. So haben wir am Dienstagabend den Gestaltungsplan Torfeld Süd, eine der Voraussetzungen für den Stadion- und Hochhaus-Bau, vorgestellt.

Und?

Gegen Ende Jahr, der genaue Zeitpunkt ist noch offen, sollen die Arbeiten für den Pont Neuf, die neue Kettenbrücke, beginnen. Zudem wird in der zweiten Hälfte des Jahres die Masterplanung für das Kasernenareal weitergehen.

Und was ist mit dem von der WSB (heute AVA) und Privaten initiierte Projekt Bahnhof Süd?

Wir möchten die Baubewilligung noch vor den Sommerferien erteilen. Dieses Vorhaben ist ein wichtiger Abschluss der ganzen Neugestaltung des Bahnhofareals.

Und über allem ...

... steht die Hoffnung, dass der Regierungsrat die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) bald einsetzen wird. Sie ist der Schlüssel für die Entwicklung der ganzen Stadt. Sie wird die Realisierung von verschiedenen, auch privaten Projekten auslösen, etwa dem neuen «Aarauerhof» – also neue Akzente setzen.

Eine «Ende? Ende!»-Party und eine Abbruch-Performance

Der Spatenstich für die Totalsanierung der Alten Reithalle ist am Donnerstag, 25. Juni. Doch vorher gibt es noch ein gerütteltes Mass an Kultur, eine grosse Party und eine Dekonstruktions-Performance.

Bis am Sonntag, 9. Juni (Pfingsten), findet Cirqu’, das Festival für aktuelle Zirkuskunst (AZ vom Mittwoch), statt. Es geht am Sonntagabend um 22 Uhr mit der Abschlussparty zu Ende.

«Die letzte Nacht ist auch die längste Nacht. Bevor die Bagger in der Alten Reithalle einfahren, zelebrieren wir sie – wir feiern, als ob es kein Ende gäbe», schreiben die Betreiber der «Bar im Stall». Das Fest («So hast du diesen Ort noch nie erlebt!») geht am Pfingstmontag mit einem Brunch und einem Konzert des Streichquartetts von Argovia Philharmonic (10 Uhr) zu Ende.

Zwei Wochen später gibt es die Performance «Broken Spaces Are More Likely». Es beginnt der Abbruch des Innenraums: «Als Höhepunkt wird am 23. Juni die Offiziersbrücke in einer Performance zerlegt, und die Halle ist zum ersten Mal wieder in ihrer ganzen Länge sichtbar», heisst es. (uhg)

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