Corona-Virus im Aargau

Wie geht die grösste Schule im Kanton mit der Schulschliessung um?

Der Präsident der Kreisschulpflege Aarau-Buchs sagt: «Es wird erwartet, dass die Kinder zu Hause betreut werden.»

Nadja Rohner
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Zum Schulanfang 2018 hat Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Kreisschule Aarau-Buchs als neu grösste Schule im Aargau besucht.

Zum Schulanfang 2018 hat Bildungsdirektor Alex Hürzeler die Kreisschule Aarau-Buchs als neu grösste Schule im Aargau besucht.

Sandra Ardizzone

„Wir wissen es auch erst seit der Medienkonferenz des Bundes.“ Das sagt Daniel Fondado, Präsident der Kreisschulpflege Aarau-Buchs, über die sofortigen Schulschliessungen als Massnahme gegen das Corona-Virus. Seit dem Freitagabend haben die Schulbehörden landauf und landab alle Hände voll zu tun.

Die Kreisschule Aarau-Buchs ist mit rund 3'300 Schülerinnen und Schüler sowie 500 Mitarbeitenden die grösste im Kanton. Hier besuchen - neben Schülern der beiden Verbandsgemeinden - auch Jugendliche aus Erlinsbach, Küttigen und Biberstein den Unterricht. Ausserdem hat die angegliederte Sportschule Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Kanton.

Wie viele Schüler kommen am Montag trotzdem?

Fondado und weitere Involvierte als Schulleitung und Schulpflege haben am Freitagabend beschlossen, dass die Schule zwar offiziell geschlossen ist. Am Montag werden dennoch die Lehrerinnen und Lehrer – ausgenommen diejenigen, die einer Risikogruppe angehören – in ihren Klassenzimmern bereit stehen. Noch ist nicht klar, wie viele Kinder und Jugendliche dort auftauchen werden.

Schulpflegepräsident Daniel Fondado.

Schulpflegepräsident Daniel Fondado.

Nadja Rohner

Der Kanton hat die Schulen angewiesen, ein alternatives Betreuungsprogramm anzubieten und die Eltern umgehend darüber zu informieren. Die Kreisschule Aarau-Buchs schrieb in einer ersten Elterninformation auf ihrer Website noch am Freitagabend, die Eltern sollen selber entscheiden, ob ihr Kind zur Schule gehen soll oder nicht. Falls nein, solle man es bitte abmelden; falls ja: „Schicken Sie ihr Kind ab Montag, 16. März 2020, nach Stundenplan in die Schule.“

Am Samstagmorgen jedoch haben die Schulbehörden das Schreiben auf ihrer Website wieder geändert. Jetzt steht klar und deutlich: Nur, wer wirklich unbedingt vom Betreuungsangebot Gebrauch machen müsse, solle das tun. Diese Verschärfung im Ton hat damit zu tun, dass nicht der Eindruck entstehen soll, es sei wünschenswert, dass die Kinder weiterhin zur Schule gehen. „Es wird erwartet, dass die Kinder zu Hause betreut werden“, sagt Daniel Fondado. „Nur, wenn es nicht anders geht, sind wir als Rückfallebene da. Wir haben festgestellt, dass unser erstes Informationsschreiben falsch aufgefasst werden könnte, deshalb haben wir es angepasst.“

Kreativität der Lehrpersonen ist gefragt

Was macht man mit den Kindern, die trotz Schliessung in der Schule betreut werden müssen? „Wir stehen vor einer aussergewöhnlichen Situation, so gilt es doch ein Betreuungsangebot von drei Wochen zu organisieren und mit Inhalt zu füllen. Aber ich bin mir sicher, die Lehrpersonen werden schon ein paar kreative Ideen haben“, sagt Fondado. „Im Moment wissen wir noch nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler überhaupt kommen werden und wie viel Personal wir in den nächsten drei Wochen benötigen. Deshalb wird sich der Betrieb im Laufe der ersten Tage einpendeln müssen. So, wie wir jetzt aufgestellt sind, können wir einem Chaos entgegenwirken. Die Schule wird ausserdem Anfang Woche Kontakt zu den Tagesstruktur-Organisationen aufnehmen, damit wir wissen, ob diese ihren Betrieb wie bisher aufrecht erhalten. Sie sind eine wichtige Schnittstelle zur Schule. “

Fondado, der als vierfacher Vater derzeit selber vermehrt gefordert ist, weil seine Frau im Spital arbeitet, ruft zu einem Miteinander und Nachbarschaftshilfe auf: „Es ist eine ganz spezielle Situation, die über die Schule hinaus Solidarität und Eigenverantwortung erfordert. Man könnte sich beispielsweise innerhalb des Quartiers mit der Betreuung organisieren. Es sind jetzt auch unkonventionelle Lösungen gefragt.“