Aarau
Wie das Naturama das Streichelverbot kompensiert

Nach dem Streichelverbot hat das Naturama in Aarau Alternativen für den Oster-Anlass gefunden. Den Ärger verdaut hat das Team aber noch nicht.

Katja Schlegel
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Oster-Bibeli: Anschauen erlaubt, Anfassen leider nicht mehr.

Oster-Bibeli: Anschauen erlaubt, Anfassen leider nicht mehr.

Im Januar machte der Bundesrat dem Aargauer Naturmuseum Naturama einen dicken Strich durch die Rechnung: Er verabschiedete die revidierte Tierschutzverordnung, die es unter anderem verbietet, schreckhafte Tiere wie Küken, Kaninchen und Kleinnager in Streichelzoos auszustellen.

Für das Naturama, in dem an Ostern seit Jahr und Tag Bibeli gestreichelt werden durften, ein harter Schlag.

«Das Bibeli-Streicheln ist der Publikumsmagnet schlechthin und der Oster-Anlass für das Naturama überlebenswichtig», sagt Pia Viviani, Kommunikationsverantwortliche im Naturama.

Das zeigen allein schon die nackten Zahlen: Zwischen 3000 und 5000 Besucher kommen jeweils an den vier Tagen über Ostern ins Naturama, je nach Wetter. Zum Vergleich: 2017 haben total rund 31 000 Besucher das Naturmuseum besucht.

Neu im Forscherkittel

Für das Naturama stand deshalb sofort fest: Das Streichelverbot muss mit anderen Angeboten kompensiert werden. Deshalb hat das Team das Programm überarbeitet: Neu werden die Kinder als Forscher auf den Rundgang geschickt, ausgestattet mit Laborkittel und Protokoll.

Statt die Bibeli zu streicheln, können die Kinder ihnen nun beim Schlüpfen zuschauen oder etwas ältere Küken und Kaninchen in ihren Gehegen beobachten. Auch dafür braucht es notabene eine Bewilligung von der Kantonstierärztin, gestützt auf Angaben zu Grösse und Art des Geheges, zu Fressmöglichkeiten und Betreuung der Tiere.

Ausserdem können sich die Kinder Küken-Gesichter schminken lassen und Schnäbel basteln, ihre Sprungkraft im Vergleich zum Hasen messen oder Oster-Guetzli verzieren. Weiter gibt es Infostationen zu den verschiedenen Kaninchen- und Hühnerrassen, zu Hühnerhaltung und Entwicklung der Küken.

Als beliebter Programmpunkt beibehalten wurde das Schoggihasen- Giessen mit der Confiserie Brändli, dieses ist aber bereits ausgebucht. «Jetzt sind wir alle sehr gespannt, wie sich das Streichelverbot auf die Besucherzahlen auswirken wird», sagt Viviani.

Den Ärger über das Streichelverbot hat das Team aber noch nicht verdaut. «Das Gesetz schiesst über das Ziel hinaus», sagt Museumsleiter Peter Jann. Für ihn ist das Streichelverbot eine verpasste Chance, Kindern den respektvollen Umgang mit Tieren zu vermitteln.

«Wenn ein Kind hier lernt, ein Küken sorgfältig zu halten, nimmt es das mit. Durch den fehlenden Kontakt mit den Tieren geht auch die Bereitschaft verloren, sich für das Interesse und das Wohl der Tiere einzusetzen.»

Ein starkes Tierschutzgesetz sei grundsätzlich sinnvoll, sagt Jann. «Aber den Stress, den man den Tieren mit dem Streichelverbot ersparen will, halte ich – zugegeben aus menschlicher Perspektive – für zumutbar.» Jeder Bauernhof mit freilaufenden Hühnern biete mehr Stress durch die eigenen Artgenossen, Katzen, Hunde, Raubvögel oder vorbeifahrende Traktoren.

Ostern im Museum Karfreitag bis Ostermontag, 30. März bis 2. April, 10 bis 17 Uhr.

Preise für Osterprogramm: Museumseintritt plus 2 Franken. Oster-Guetzli verzieren am Fr/So/Mo, plus 5 Franken, ohne Voranmeldung.

Beliebter Vogel: Das neue Globi-Wissensbuch feiert im Naturama Vernissage

Nach den Bibeli an Ostern kommt am 19. April ein anderer beliebter Vogel ins Naturama: Globi. Dies anlässlich der Buchvernissage von «Globi und die neuen Arten – Wenn Pflanzen und Tiere auf Weltreise gehen». Kein Globi-Buch mit Gedichten, sondern ein Kindersachbuch. Der aktuelle Band widmet sich den «Neobioten»; Tieren und Pflanzen also, die sich im Zuge der Globalisierung neue Lebensräume und Gebiete erobert haben, und sich teilweise so rasant und stark verbreiten, dass sie einheimische Arten zu verdrängen beginnen.

Das Buchprojekt wurde vom Kanton Aargau finanziell unterstützt und im Auftrag des Kantons vom Naturama-Team auch wissenschaftlich begleitet. «Wir haben unter anderem Vorschläge gemacht, welche Themen Autor Atlant Bieri im Buch aufgreift und darauf geachtet, dass der allgemein verständliche Text auch naturwissenschaftlich korrekt ist», sagt Naturama-Direktor Peter Jann. So wurde beispielsweise Wert darauf gelegt, in Bezug auf die Tiere und Pflanzen keine Begriffe wie «gut» oder «schlecht» zu verwenden.

Ausserdem wurden die Zeichnungen von Illustrator Daniel Frick bis ins kleinste Detail kontrolliert. So wurden bei der Zapfenwanze, mit der Globi im Buch durch die Welt reist, nicht nur die Anzahl der Glieder an den Fühlern gezählt, sondern auch die Stellung der Beine überprüft. Das ist nicht etwa kleinlich: «Solche Details sind wichtige Erkennungsmerkmale und müssen in einem Sachbuch, auch einem für Kinder, korrekt gezeichnet werden», sagt Peter Jann.

Vernissage «Globi und die neuen Arten» 19. April, 18 Uhr, im Naturama (spezielles Kinderprogramm mit Globi und Clown Wendolina).

Anmeldung bis 9. April an Ronny Förster: ronny.foerster@afv.ch / 044 466 73 85

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