Aarau

Was es mit dem knallblau-türkis-farbenen Holzwagen dieser zwei Seniorinnen auf sich hat

In der Aarauer Telli betreiben zwei freiwillige Seniorinnen einen Mahlzeitendienst. Sie kämpfen gegen Mangel- und Falschernährung von älteren Menschen.

Deborah Onnis
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Ruth Eisenhut (73, l.) und Hanne Lore Schumacher (71) mit dem «Wägeli», mit dem das Essen zu den Kunden des Mahlzeitendiensts gebracht wird.

Ruth Eisenhut (73, l.) und Hanne Lore Schumacher (71) mit dem «Wägeli», mit dem das Essen zu den Kunden des Mahlzeitendiensts gebracht wird.

Deborah Onnis

Er fällt auf, der Knallblau-Türkis-farbene Holzwagen, den die Freiwilligen Hanne Lore Schumacher (71) und Ruth Eisenhut (73) fast jeden Mittag durch das Telliquartier stossen. Darin transportieren sie in Wärmeboxen ganze Menüs, die sie zuvor beim Royal Bistro im Tellizentrum abgeholt haben. Empfänger der Menüs sind derzeit vor allem Seniorinnen und Senioren aus dem Telliquartier. Seit knapp drei Jahren gibt es den Mahlzeitendienst des Gemeinschaftszentrums Telli. Er wird immer beliebter.

«Der Bedarf ist da», sagt Hans Bischofberger, Leiter des Gemeinschaftszentrums Telli, der Kontakt zu Spitexorganisationen hat. Mittlerweile werden rund 100 Mahlzeiten im Monat bestellt, verteilt auf insgesamt rund 40 Menschen. «Es gibt aber noch viele, die das Angebot noch nicht kennen oder noch Hemmungen haben es zu nutzen.» Hilfe anzubieten sei einfacher als Hilfe anzunehmen. «Viele hungern lieber oder geben sich mit einem halben Cervelat zufrieden.» Deshalb sei Mangel- und Falschernährung unter Senioren verbreitet. «Das muss nicht sein», sagt Bischofberger, der die Nachbarschaftshilfe fördern will.

«Zu zweit geht alles tipptop»

«Mahlzeit», antwortet Ruth Eisenhut auf die Stimme aus der Gegensprechanlage im grossen Blockquartier. Die Eingangstür öffnet sich und während Eisenhut die Tür aufhält, schiebt Hanne Lore Schumacher den Wagen hinein. «Genau deswegen haben wir uns zusammen für den Freiwilligendienst angemeldet», sagt Schumacher. «Alleine ist es schwierig, die Tür offenzuhalten und gleichzeitig den schweren Wagen zu schieben», sagt Eisenhut. «Aber zu zweit geht das alles tipptop. Dann können wir auch den Wagen besser stossen.»

Zwei bis vier Mal in der Woche liefern die beiden das Mittagessen aus. Neben ihnen gibt es noch eine dritte Freiwillige. «Es wäre aber schön, wenn es noch mehr Freiwillige gäbe, so könnten wir auch weniger Tage übernehmen und uns auch mehr auf andere Aktivitäten konzentrieren», sagt Hanne Lore Schumacher, die zusammen mit ihrer Kollegin auch bei der Stadtkirche engagiert ist und mit ihr auch das Seniorencafé «Abau-Stübli» in der Telli einmal in der Woche öffnet.

Die ältere Dame, die das reduzierte Menü für 18 Franken bestellte, strahlt als die Freiwilligen mit dem Essen kommen. Heute gibt es Schweinerückenbraten an Rotweinsauce mit Kartoffelstock und Speckbohnen im Hauptgang sowie Salat. Seit sie nach ihrem Spitalaufenthalt mit Krücken gehen muss, suchte sie Entlastung. «Dank dem Dienst muss ich weder gross einkaufen, noch kochen», sagt die 62-Jährige.

Auf einem anderen Stockwerk haben sich gleich zwei über 90-Jährige zum Zmittag zusammengefunden. «Wir essen beide nicht mehr so viel, deshalb teilen wir uns jeweils das Menü», sagt die Ältere (94), eine ehemalige Hotelfachfrau. Sie deckt das noch warme Menü auf und hebt den Kopf schwungvoll auf: «Jaja, das reicht uns längstens. Und wenn dann doch noch etwas übrig bleibt, dann stelle ich es in den Kühlschrank für am Abend.» Und auch das Dessert bleibe oft übrig. «Ich hab Süsses halt nicht gern», sagt die Jüngere (91).

Die Spitex empfahl eine Entlastung

Seit einem Jahr bestellt auch das Paar Margrit (82) und Arnold Siegenthaler (80) zwei Mal in der Woche Menüs vom Mahlzeitendienst. «Meine Frau ist eine super Köchin», sagt er. Aber nach ihrem Spitalaufenthalt habe ihr die Spitex eine Entlastung empfohlen. Und diese geniessen jetzt beide: «Bis jetzt war das Essen immer sehr gut», lobt Siegenthaler.

Die Freiwilligen bleiben manchmal auch für einen kurzen Schwatz. «Wir lernen die Leute ja mit der Zeit kennen», sagt Hanne Lore Schumacher. So entstehe eine schöne Vertrauensbeziehung.