Aarau

War das Naturwunder vielleicht ein Scherz?

Wie entsteht eine Eisspirale? Selbst Wissenschafter können die Frage nicht eindeutig beantworten. Diejenige, die in der Aarauer Altstadt entdeckt wurde, sorgte für viele Diskussionen über deren Echtheit.

Heidi Hess
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Spiralförmiger Eiszapfen
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Der Eiszapfen dreht sich spiralförmig.
Durch ein Loch im Metallgeländer ist das Wasser ausgetreten und an der Kälte gefroren.

Spiralförmiger Eiszapfen

Heidi Hess

Der spiralförmige Eiszapfen wurde letzten Sonntag in der Aarauer Altstadt entdeckt. Das Entzücken bei Passanten, die ihn sahen, währte allerdings nur kurz. Bereits gegen Mittag war die Eisspirale weg.

Die Frage bleibt: Wie ist sie entstanden? Skeptisch ist Klimatologe Stephan Bader von Meteo Schweiz. Ihn irritiert, dass die Spirale waagrecht aus dem Geländer ragt. Dass dieser Eiszapfen an dieser Stelle natürlich gewachsen ist, kann er sich kaum vorstellen. Der Wind müsste hier eigentlich durch die Gasse pfeifen und die Krümmung anders erfolgen. Bader schliesst jedenfalls nicht aus, dass die Spirale in die Öffnung montiert wurde und festfror.

«Ich habe zuerst auch an einen Scherz gedacht», sagt Heinz Blatter, der bis zu seiner Pensionierung im Oktober 2011 am Institut für Atmosphäre und Klima an der ETH Zürich auch in der Glaziologie tätig war und zurzeit Gastprofessor in Tokyo ist. Die Natur aber sei zu vielerlei seltsamen Dingen fähig. Wie Stephan Bader sagt auch Blatter, ohne Beobachtung des Entstehungsprozesses sei eine präzise Erklärung sehr schwierig. Blatter kann sich vorstellen, dass das Eis aus einem Loch im Rohr gepresst wurde. Im Rohr muss Wasser gewesen sein, welches sich unter grossem Druck beim Gefrieren ausdehnte. Wenn genügend grosse Kräfte lange auf Eis wirken, verhalte sich Eis wie eine sehr zähe Flüssigkeit, erklärt der Wissenschaftler. Weil das Eis horizontal aus dem Rohr gedrückt wurde, muss es sich schliesslich unter seinem eigenen Gewicht gekrümmt haben.

Wie aber wurde es zur schönen Spirale mit horizontaler Achse? Führen kleine Temperaturunterschiede, etwa Windventilation oder unterschiedliche Strahlung, zur Krümmung? Oder sind die Löcher in den verzinkten Rohren ungenau gebohrt, haben Rillen und Kanten? Dann könnten die Kräfte asymmetrisch wirken, meint Blatter, und so den herausquellenden Eisstab deformieren.