Abgesägt
Unfall-Hotspot Staffeleggstrasse: Der gerettete Baum ist tot

Nadja Rohner
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Die Rotbuche war ungefähr 70 Jahre alt. So erzählen es Anwohner. (Archiv)
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Der Baum ist am Mittwoch abgesägt worden.
Nach dem Unfall im Herbst 2017 wurde der Baum verarztet. (Archiv)

Die Rotbuche war ungefähr 70 Jahre alt. So erzählen es Anwohner. (Archiv)

Urs Helbling

Es ist schon ein wenig ironisch: Eine durch einen Unfall stark beschädigte Blutbuche direkt neben der Staffeleggstrasse in Densbüren wurde mit viel Mühe gerettet. Und nun ist sie am Mittwoch doch noch abgesägt worden – der Verkehrssicherheit zuliebe.

Doch der Reihe nach. Im Herbst 2017 raste ein Deutscher, vom Staffeleggpass herkommend, in den auffälligen Baum, der ausserhalb Densbürens in der Rechtskurve Brunnmatt steht. Der Mann wurde verletzt, die Buche ebenso: Ein grosser Teil der Rinde war abgeplatzt.

Normalerweise ein Todesurteil für den Baum, aber weil es sich um ein schönes, rund 70 Jahre altes Exemplar handelte, griff der Kanton zu einer ungewöhnlichen Massnahme: Baumpflegespezialisten wurden damit beauftragt, den beschädigten Baumstamm mit einer Spezialpaste zu behandeln und dann gut abzudecken. Das Baum-Pflaster zeigte Erfolg, ein halbes Jahr später konnte es entfernt werden. Die Buche schien gerettet.

Selbst- und Schleuderunfälle

Weg musste der Baum nun, weil es auf der Staffeleggstrasse und insbesondere in der Kurve Brunnmatt nach wie vor zu auffällig vielen Unfällen kommt. Laut Kanton ist die Stelle ein Unfallschwerpunkt. Im letzten November sagte Kantonspolizei-Sprecher Bernhard Graser, dass Fahrzeuglenker die Kurve gerne unterschätzten. Und komme ein Auto von der Strasse ab, sei bei den vielerorts steilen Böschungen ein Überschlag meist vorprogrammiert.

Der Kanton hat die Situation in der Kurve Brunnmatt schon 2016 begutachten lassen. «Auffällig waren die vielen Selbst- und Schleuderunfälle der talwärts Fahrenden im Kurvenbereich», sagt Kai Schnetzler, Sektionsleiter Verkehrssicherheit beim kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Auch hätten sich etwa 90 Prozent der Unfälle bei feuchter respektive nasser Fahrbahn und in den Wintermonaten ereignet.

Die Gutachter hätten damals Massnahmen vorgeschlagen, deren Umsetzung gestaffelt nach Bedarf erfolgen sollte, führt Schnetzler weiter aus. Im August 2016 wurden zunächst die Kurvenleitpfeile montiert und die Randleitpfosten dichter aufgestellt, um die Linienführung zu verdeutlichen. Der Strassenunterhaltsdienst reinigte ausserdem die weissen Randlinien, damit sie besser sichtbar waren.

Tempo 60 statt 80

Doch nach der erneuten Unfall-Serie Ende des letzten Jahres prüfte der Kanton die Situation erneut, und mittlerweile ist klar: «Trotz der vorgenommenen Massnahmen bleibt die Kurve ein Unfallschwerpunkt», so der Sektionsleiter Verkehrssicherheit. Man habe entschieden, das nächste im Gutachten vorgeschlagene Massnahmenpaket umzusetzen. Und damit war das Schicksal der Blutbuche besiegelt. Der Baum wurde diese Woche gefällt, weil «aufgrund des Schattenwurfs und der herunterfallenden Blätter im sensiblen Kurvenbereich die Strasse lange feucht bleibt» und die Fahrzeuge darauf rutschen können, erklärt Kai Schnetzler.

Ausserdem wird die Strasse demnächst mit Wasserhochdruck aufgeraut, was sie griffiger machen soll. Die Rand- und Leitlinien werden erneuert, damit sie besser sichtbar sind. Es soll ausserdem ein Doppelkurven-Signal talwärts geben. Ebenfalls talwärts wird die Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h festgesetzt, bergwärts bleibt sie bei 80 km/h. Diese Geschwindigkeitsreduktion wird in den nächsten Tagen öffentlich publiziert, es läuft dann eine 30-tägige Frist. Gibt es keine Einsprachen, seien alle Massnahmen bis Ende Mai umgesetzt, so Schnetzler.

Mit diesem zweiten Massnahmenpaket, sagt er, erhoffe man, die Verkehrssicherheit in der Kurve Brunnmatt zu erhöhen. Die Situation werde weiterhin beobachtet. Ausserdem prüft der Kanton, inwiefern sich der ganze Kurvenbereich baulich optimieren lässt. Das wäre allerdings erst längerfristig umsetzbar.

Staffeleggstrasse: Auch diese Woche hat es geknallt

Am Donnerstag war es erneut zu einem Unfall auf der Staffeleggstrasse gekommen, allerdings nicht in der Kurve Brunnmatt, sondern weiter nördlich; zwischen dem Abzweiger Asp und dem Dorf Densbüren. Die Kantonspolizei meldete gestern eine frontal-seitliche Kollision zwischen zwei Fahrzeugen. Laut der Mitteilung war ein Mann in einem kleinen Toyota kurz nach 17 Uhr von der Passhöhe in Richtung Densbüren unterwegs. «Aus bisher noch unbekannten Gründen geriet er dabei auf die Gegenfahrbahn, wo er mit einem korrekt entgegenkommenden Kleintransporter frontal-seitlich kollidierte», so die Kantonspolizei weiter. Es handelte sich beim zweiten Fahrzeug um einen Mercedes-Lieferwagen. Die beiden Lenker, 40 und 55 Jahre alt, waren alleine in ihren Fahrzeugen. Beide wurden beim Unfall verletzt und mussten ins Spital gebracht werden. Die Strasse war mehrere Stunden lang gesperrt. Die Kantonspolizei sucht Zeugen: Tel. 062 835 81 81. (NRO)

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