Aarau
Tuchlaube-Leiter: «Wir wollen das kulturelle Erbe pflegen»

Seit 50 Jahren spielt die Tuchlaube Theater, zuerst als Innerstadtbühne in der Rathausgasse, heute in der Metzgergasse. Theaterleiter Peter Jakob Kelting spricht über das Theaterhaus.

Barbara Vogt
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Peter-Jakob Kelting, Leiter des Theater Tuchlaube in Aarau - im Bild vor der Alten Reithalle. (Archiv)

Peter-Jakob Kelting, Leiter des Theater Tuchlaube in Aarau - im Bild vor der Alten Reithalle. (Archiv)

Chris Iseli

1974 zog die Innerstadtbühne in die Tuchlaube. Spürt man heute noch etwas von ihrem Geist?

Peter Jakob KeIting: Ich erlebte diesen Wechsel zwar nicht, aber ich denke schon. Die damaligen Aktivisten und das Stammpublikum halfen mit, die Innerstadtbühne in die Tuchlaube zu überführen. Es fand ein organisches Wachstum statt: Wir ernten, was früher gesät worden ist.

In den 1970er-Jahren herrschte in der Innerstadtbühne respektive in der Tuchlaube Aufbruchstimmung: Das Theater setzte sich mit sozialkritischen Fragen auseinander . . .

. . . und eckte damit an. In Aarau entbrannte die Frage, wie politisch Theater überhaupt sein darf. Als das Kleintheater bei der Stadt ein Gesuch um Subventionserhöhungen stellte, wurde dieses abgelehnt. In dieser Zeit verschwanden auch Leiter und Ensembles von der Bühne. Man suchte damals wohl einen Weg, um sich mit anderen Formen von der klassischen Theatergemeinde im Saalbau Aarau abzuheben. Ein Theater ist aber auch ein Spiegel der Gesellschaft, und jene Zeit war sozialkritisch geprägt.

Wie unterscheidet sich das heutige Theater zu früher?

Uns stehen ganz andere technische Mittel zur Verfügung. Zudem ist das Kulturangebot breiter geworden. Diese Vielfalt berücksichtigen wir in unserem Programm, ob nun in literarischer, musikalischer oder avantgardistischer Form. Wir sind ein Haus für die Freie Szene im Aargau: Sowohl einzelne Theaterschaffende als auch Compagnien wie das Theater Marie oder szenart koproduzieren ihre neuen Stücke in der Tuchlaube.

Zur Person

Peter Jakob Kelting wurde 1959 in Norddeutschland geboren. 2011 übernahm er die Leitung der Tuchlaube Aarau. Zuvor war er in verschiedenen Theaterhäusern engagiert, unter anderem im Theater Winkelwiese in Zürich. Kelting ist mit der deutschen Schauspielerin Isabelle Menke verheiratet. Er lebt in Aarau und in Zürich.

Sie sagen, die Tuchlaube verstehe sich als Kleintheater im Aargau.

Wir sind für die kulturelle Grundversorgung der Region verantwortlich, das ist ein spannendes und gleichzeitig reibungsvolles Unterfangen. Wir wollen das kulturelle Erbe pflegen, ohne ausschliesslich mit dem Mainstream zu gehen. Ausschlaggebend ist aber die Qualität jeder einzelnen Aufführung.

Hat sich das Publikum verändert?

Das eigentliche Stammpublikum gibt es nicht mehr. Die Leute wählen sich heute Theaterstücke punktueller und bewusster aus. Auch gibt es dieses Bildungsbürgertum nicht mehr, bei dem grosse Theater nur der oberen Gesellschaftsschicht zugänglich gewesen waren.

Was gefällt Ihnen an der Tuchlaube?

Die Nähe zum Publikum. Wir sind ein sozialer Ort, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen, nicht zuletzt in den Vorstellungen des Kinder- und Jugendtheaters. Das schätze ich sehr.

Sie fördern das Theater mit jungen Menschen. Mit welcher Absicht?

Auf der Bühne können sich junge Menschen auf spielerische Weise erfahren und ausdrücken. Die Arbeit mit jungen Menschen ist auch der Humus für eine lebendige professionelle Theaterszene.

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