Suhr
Grosser Altersheim-Neubau geplant – das Steinfeld zu renovieren mache «keinen Sinn»

Suhr will das Alters- und Pflegeheim Steinfeld von 1961 durch einen zeitgemässen Bau ersetzen. Dass eine Sanierung «keinen Sinn» mache und ein Neubau anvisiert wird, ist bereits entschieden. Doch: Wie gross sollte er sein und wo könnte er zu stehen kommen?

Daniel Vizentini
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Das Altersheim Steinfeld in Suhr ist 60-jährig, eine Sanierung käme laut Gemeinderat zu teuer und mache keinen Sinn.

Das Altersheim Steinfeld in Suhr ist 60-jährig, eine Sanierung käme laut Gemeinderat zu teuer und mache keinen Sinn.

Daniel Vizentini

Nach 60 Jahren steht im Alters- und Pflegeheim Steinfeld in Suhr ein grosser Umbau an: Die Einrichtung samt Böden und Nasszellen sind in die Jahre gekommen, es bestehe «grosser Handlungsbedarf», wie Gemeinderat Daniel Rüetschi am Infoforum am Dienstagabend darlegte. Weil bei einer Sanierung aber das Gebäude auch die neuen Anforderungen der Erdbebensicherheit erfüllen müsste – ein Problem, das etwa auch die Schulhäuser im Aarauer Schachen oder in Oberentfelden kennen –, käme diese sehr teuer.

Nach Gesprächen mit Experten geht die Gemeinde von rund 27 Millionen Franken aus (plus-minus 20 Prozent), «ohne wirklich spürbaren Nutzen» für Bewohnende und Angestellte, da die Gebäudestruktur an sich nicht verändert würde. Dazu kämen noch rund 6 Millionen Franken für ein Provisorium während der Bauarbeiten. Daniel Rüetschi findet klare Worte:

«Es macht einfach keinen Sinn, das Gebäude zu sanieren. Das wäre viel zu teuer.»

Im heutigen Gebäude seien die Zimmer nicht flexibel veränderbar. Letztes Jahr machte der «Blick» auch eine Reportage über «die brütende Hitze» im Sommer im Suhrer Altersheim.

Entstehen soll ein Kompetenzzentrum für stationäre und ambulante Pflege

Nach vielen Diskussionen zwischen dem Suhrer Gemeinderat und dem Stiftungsrat ist nun ein Neubau in Planung, wie Daniel Rüetschi offenlegte. Wo und wie es zu Stande kommen könnte, werde aktuell abgeklärt.

Getragen wird das Steinfeld von einer Stiftung mit Beteiligung der Gemeinden Suhr, Buchs, Unterentfelden und Aarau (ursprünglich das fusionierte Rohr). 1960 als «Bezirksaltersheim» gegründet, bietet es heute 100 Betreuungsplätze. Ende der 1980er-Jahre entstand ein Anbau mit 30 Zimmern, 1991 wurde das Hauptgebäude aufgestockt. 93 Personen in 80 Vollzeitstellen arbeiten im Steinfeld.

Das Altersheim Steinfeld in Suhr, hier der Haupttrakt von 1961, aufgestockt 1991.

Das Altersheim Steinfeld in Suhr, hier der Haupttrakt von 1961, aufgestockt 1991.

Daniel Vizentini

Ein Neubau hätte auch den Vorteil, dass bereits von Null auf das Zusammengehen von Altersheim und Spitex aufgegleist werden könnte: Suhr will, wie Gränichen, nicht bei der Spitex-Fusion im Raum Aarau mitmachen, dafür aber einen Zusammenschluss mit dem örtlichen Altersheim prüfen. Eine «vertikale Integration», wie Gemeindepräsident Marco Genoni am Infoforum sagte.

«Wir haben das Thema im Gemeinderat mehrmals diskutiert und kamen zum Schluss, dass das der Weg ist, der beide Institutionen für Suhr stärkt.»

Im Altersheim-Neubau entstünde so eine Art Kompetenzzentrum fürs Alter: Nebst den Pflegezimmern würden auch die Büros und Räume der Spitex untergebracht. Es entstünden Synergien und die Gemeinde könnte flexibel auf den verändernden Bedarf der älteren Bevölkerung reagieren.

Immer mehr Menschen wollen lieber weiter zu Hause ambulant behandelt werden statt stationär in einem Altersheim. Im Steinfeld waren zuletzt wegen der Pandemie gar 10 von 100 Betten leer. Dank Zusammengehen von Heim und Spitex würde alles aus einer Hand angeboten: Ältere Menschen, die nach ambulanter Pflege doch einst ins Heim müssten, würden vom selben Personal weiterbetreut.

Das Gebäude mit den Alterswohnungen (im Hintergrund) ist nicht von den Neubauplänen betroffen.

Das Gebäude mit den Alterswohnungen (im Hintergrund) ist nicht von den Neubauplänen betroffen.

Daniel Vizentini

«So weit sind wir einfach noch nicht»

Der stellvertretende Kantonsingenieur informierte in Suhr über die geplante Umfahrung

Die Ost- und Südumfahrung von Suhr (Projekt Veras) sei das mit Abstand grösste Strassenbauprojekt, das der Kanton je angepackt habe, sagte der stv. Kantonsingenieur Matthias Adelsbach am Infoforum. Dabei gehe es nicht nur um den Verkehr, sondern auch um den ganzen Lebens- und Wohnraum in Suhr. «Ich sehe, wie sich Suhr in den letzten Jahren verändert hat», sagte er. «Mit Veras wollen wir Antworten darauf finden, wie wir das Zentrum von Suhr vom Durchgangsverkehr entlasten können.»

Inhaltlich Neues zum Projekt konnte er aber nicht vorstellen, «so weit sind wir einfach noch nicht», sagte Matthias Adelsbach. Er erinnerte, wie der Grosse Rat vor genau einem Jahr dem Projektierungskredit zustimmte. Nun werde das Bauprojekt erarbeitet, die Projektverfasser hätten im August mit der Arbeit begonnen. Viele Dinge müssten noch präzisiert und abgewogen werden. Unter anderem geht es um den ökologischen Ausgleich, da ein Grossteil der Umfahrung auf Landwirtschaftsland zu stehen kommt. Zudem muss auch eine Gasleitung verlegt werden. Bis 2030 soll die Umfahrung gebaut sein.

Fragen aus dem Publikum gab es keine, auch wenn Matthias Adelsbach sinngemäss sagte, man solle lieber jetzt Dinge klarstellen, statt später Einsprachen gegen das Projekt einzureichen.

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