Aarau/Buchs

Skepsis gegenüber einem Schulverband zwischen Buchs und Aarau

Kritische Einwohnerräte haben sich an einer Informationsveranstaltung mit der künftigen Schulorganisation befasst. Grosse Begeisterung war nicht auszumachen. Im Gegenteil: Die Vorbehalte überwiegen.

Heidi Hess
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Ob Schulverband oder Schulvertrag, die Schülerinnen und Schüler werden ihre Schule an anderen Kriterien messen.

Ob Schulverband oder Schulvertrag, die Schülerinnen und Schüler werden ihre Schule an anderen Kriterien messen.

Chris Iseli

Zum Schluss der Infoveranstaltung über die künftige Schulorganisation zwischen Aarau und Buchs am Montagabend bedankte sich die Aarauer Stadträtin Franziska Graf für die engagierte Diskussion. Auch wenn sie wohl kaum so ausgefallen war, wie Graf und der zuständige Buchser Gemeinderat Anton Kleiber sich das gewünscht hatten.

Die vorgeschlagene Verbandslösung stiess im Gemeindesaal Buchs vor über 40 Aarauer und Buchser Einwohnerrätinnen und Einwohnerräten eher auf Skepsis als auf Zustimmung. Kleiber schloss denn auch mit den Worten: «Bei so viel Pessimismus scheint unser Projekt im Vornherein zum Scheitern verurteilt.» Er bat die Rätinnen und Räte dringend, die Sache objektiv anzugehen, weiterhin Fragen zu stellen und sich erst dann ihre Meinung zu bilden.

Wo ist der Mehrwert?

Zunächst aber hatten der Präsident der Schulpflege Aarau, Daniel Fondado, und der Präsident der Kreisschulpflege Buchs-Rohr, Ueli Frey, das Wort. Dezidiert sagte Fondado, Schulpflege und Schulleitung Aarau würden eine Kreisschule Aarau-Buchs ablehnen. «Wir erkennen darin keinen pädagogischen Mehrwert.» Eine Umfrage unter den Aarauer Lehrpersonen habe ergeben, dass eine grosse Mehrheit gegen eine Kreisschule Aarau-Buchs sei. 30 000 Franken würden genügen, um zusätzlich einen Vorschlag für den Schulvertrag auszuarbeiten. Der Schulvertrag, so Fondado, sei die häufigste Form einer Zusammenarbeit zwischen zwei Schulen.

Anders sieht es der Buchser Ueli Frey, Verfechter der Kreisschule. «Welche Kreisschule», fragte er, «existiert wegen ihres pädagogischen Mehrwerts?» Wenn man sich für diese Organisationsform entscheide, gehe es um gemeinsamen Schulraum und die Finanzen. Die Kinder in ihrem Schulhaus würden von der Grösse einer Schule nicht tangiert. «Die Kreisschule und damit die Verbandslösung sehe ich als visionäre Handlung», so Frey. Eine Kreisschule Aarau-Buchs würde zur grössten Schule im Aargau und erhalte im Kanton ein gewisses Gewicht.

Alternativen gefragt

Vor allem auf Aarauer Seite hätte man sich neben der Option Schulverband auch Informationen über vertragliche Regelungen zwischen den Schulen Aarau und Buchs gewünscht.

Der Aarauer FDP-Einwohnerrat Rainer Lüscher, dessen Partei zwar eine grosse Kreisschule befürwortet, wollte ausserdem wissen: «Könnte auch der Status quo beibehalten werden?» Ueli Frey, Präsident der Buchser Kreisschulpflege, erklärte, dass es sich dabei um eine Übergangslösung handle, welche der Kanton nach der Fusion zunächst für eine befristete Zeit (3 bis 5 Jahre) bewilligt hatte.

Alternativen hätte sich auch Christoph Waldmeier, EVP Aarau, gewünscht. «Was, wenn der Verband vom Stimmvolk abgelehnt wird?» Eine Volksabstimmung lasse nichts anderes zu, als annehmen oder ablehnen, antwortete Stadträtin Graf. Sowohl Waldmeier als auch Peter Roschi, CVP Aarau, sprachen die Befürchtungen der Lehrpersonen an. In beiden Gemeinden würden fast alle Lehrpersonen eine Kreisschule Aarau-Buchs ablehnen. Roschi wollte deshalb wissen, ob der Vertrag tatsächlich die gleichen Möglichkeiten biete wie der Verband. Worauf Daniel Fondado sagte, dass vertragliche Regelungen nur punktuell nötig seien, etwa auf der Ebene Oberstufe.

Der Vorteil der Autonomie

Einen weiteren Aspekt brachte die Buchser FDP-Einwohnerrätin Sonja Füllemann in die Diskussion. Sie sprach die dringend nötige Sanierung der Buchser Schulliegenschaften an. Würden sich da die Aarauer beteiligen, nach einem Ja zur Kreisschule Aarau-Buchs? Sowohl Kleiber als auch Graf betonten, dass diese Kosten nicht zulasten der Aarauer gehen könnten.

Ueli Kohler, FDP Buchs, versuchte schliesslich der Diskussion eine andere Wendung zu geben und auf den innovativen Ansatz der Kreisschule zu verweisen. «Wir sind autonom», sagte er und verwies auf die aktuelle Organisation der Kreisschule Buchs-Rohr. Das solle man als Vorteil betrachten.

Kein leichtes Unterfangen. Umso mehr, als schliesslich sogar Heinz Richner, Bereichsleiter im Schulhaus Risiacher, sagte, dass die Schulleitung in Buchs gegen den Verband sei und klare vertragliche Regelungen wünsche.

Das letzte Wort zur künftigen Schulorganisation haben die Stimmberechtigten der beiden Gemeinden an der Urne. Sollte der Schulverband abgelehnt werden, so behält sich die Gemeinde Buchs vor, bei künftigen Schulpartnerschaften nicht nur Aarau, sondern auch weitere benachbarte Gemeinden in Betracht zu ziehen. Das liess der Buchser Gemeinderat Anton Kleiber die Anwesenden wissen.