Frauen-Fussball

Sie ist die Chefin auf dem Fussballplatz

Die 16-jährige Kantonsschülerin Iris Schürch aus Küttigen gehört zu den jüngsten Schiedsrichterinnen im Land. Weibliche Schiedsrichter sind noch immer eine Minderheit.

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Iris Schürch (16) ist eine der jüngsten Schiedsrichterinnen der Schweiz und weiss sich durchzusetzen.

Iris Schürch (16) ist eine der jüngsten Schiedsrichterinnen der Schweiz und weiss sich durchzusetzen.

Solothurner Zeitung

Iris Schürch hat eine grosse Leidenschaft: Sie spielt Fussball und ist eine der jüngsten Junioren-Schiedsrichterinnen der Schweiz. «Iris ist ein Ausnahmetalent», lobt Luigi Ponte, Aargauer Schiedsrichterobmann und Präsident des Schweizerischen Schiedsrichterverbandes. «Sie behält beim Spiel die Übersicht und verschafft sich die nötige Autorität.»

In der Familie Schürch fällt der Apfel nicht weit vom Stamm: Iris' Vater Harald war dreissig Jahre Fussballschiedsrichter in der vierten Liga. Vor zwei Jahren legte er die Schiedsrichterpfeife zur Seite und animierte seine Tochter Iris, seine Nachfolge auf dem Fussballrasen anzutreten. Iris Schürch absolvierte den Schiedsrichterinnenkurs. Seit letztem Sommer steht sie als Unparteiische auf dem Feld und pfeift Juniorenspiele von jungen Frauen und Männern.

Vor einer Woche leitete die 16-jährige Kantonsschülerin unter den Augen des Publikums und ihres Vaters in Wohlen das Match der A-Juniorinnen von Wohlen gegen Alpnach. Es war eine einseitige Angelegenheit: Die Wohlerinnen verloren das Spiel mit 1:8 Toren. Aber das Spiel war wenigstens fair: «Ich musste keine einzige gelbe und schon gar keine rote Karte zücken», berichtet die Nachwuchsschiedsrichterin.

Vom Libero zum «Schiri»

Frauen bilden unter den Schiedsrichtern noch immer eine Minderheit. Das bekommt Iris Schürch manchmal zu spüren, wenn die Fussball spielenden Burschen sie kritisieren. Doch wenn eines auf dem Fussballfeld keinen Platz hat, dann sind es Vorurteile. «Wir kennen das Problem mit den jungen Fussballern, die keinen Respekt vor einer Schiedsrichterin zeigen», sagt Ponte. «Es liegt an den Mannschaftstrainern, diesen Anstand einzufordern und durchzugreifen.» Es sei sicher nicht leicht für Iris Schürch, sich in dieser Situation durchzubeissen. «Aber es ist für sie zugleich auch eine gute Lebensschulung», so der Obmann.

Iris Schürch kennt das Fussballspielen zum Glück aber nicht bloss aus der Theorie, sondern auch bestens aus der Praxis: In der Damenmannschaft der B-Juniorinnen des BSC Zelgli Aarau spielt sie eine wichtige Rolle als Libero und hat in dieser Saison für die Aarauerinnen schon sieben Tore erzielt. «Unsere Mannschaft ist auch diese Saison wieder gut in Form», berichtet die Kantonsschülerin: «Wir führen die Tabelle momentan als Leader an.» Bereits 2008 durften die Aarauer Fussballerinnen am Ende der Spielsaison jubeln: Sie wurden Schweizer Meisterinnen - «damals allerdings noch ohne mich», sagt die ambitionierte Fussballerin aus Küttigen, die ausserdem auch noch bei der Damenmannschaft von Erlinsbach aushilft, wenn Not an den Frauen ist.