Aarau/Buchs

Schulzuteilung: Sind Reiche im Vorteil?

In der Regel sollten Kindergarten- und Primarschulkinder in ihrem Quartier zu Schule gehen. Kreisschulrätin Nicole Burger will von der Schulpflege Zahlen hören. Die Antworten der Kreisschulpflege dazu sind im ersten Semester 2019 zu erwarten.

Nadja Rohner
Drucken
Teilen
«Maienzug rockt» findet beim Schachen-Schulhaus statt: Auch wenn hier viel läuft, wollen viele Eltern aus dem Zelgli ihre Kinder nicht hier einschulen lassen. Archiv

«Maienzug rockt» findet beim Schachen-Schulhaus statt: Auch wenn hier viel läuft, wollen viele Eltern aus dem Zelgli ihre Kinder nicht hier einschulen lassen. Archiv

In der Kreisschule Aarau-Buchs gibt es insgesamt 15 Kindergarten- und zehn Schulstandorte. In der Regel sollten Kindergarten- und Primarschulkinder in ihrem Quartier zu Schule gehen können. Aber eben nicht immer; letztlich entscheidet die Schulpflege, und die achtet darauf, dass kein Schulhaus über- oder unternutzt ist. Das bringt unliebsame Entscheide mit sich.

Eltern, denen die Zuteilung nicht passt, können dagegen ein Rechtsmittel ergreifen, also Rekurs einlegen. Doch wie viele machen das – und wie viele kommen damit durch? Das will nun Kreisschulrätin Nicole Burger (SVP, Aarau) wissen. Wie sie in ihrer Anfrage an die Schulpflege zu verstehen gibt, sei das ein Thema unter den Eltern. Auf das Schuljahr 2018 hin soll es insbesondere in Bezug auf die Zuteilung in die Aarauer Kindergärten Goldern/Gönhard/ Zelgli zu Rekursen gekommen sein. Auch die AZ hat darüber berichtet, dass Eltern mit der Kindergarten-Zuteilung unzufrieden sind. Die Situation hängt mit dem Ausbau des Kindergartens Binzenhof (neu drei statt zwei Abteilungen) und der Auflösung einer Abteilung im Gönhard-Kindsgi zusammen.

Burger weiter: «Aus früheren Jahren ist bekannt, dass viele Eltern aus dem Zelgli ihre Kinder nicht ins Schachen-Schulhaus schicken wollten.» Die Kreisschulrätin will erfahren haben, «dass die Rechtsmittel in der Regel gutgeheissen und die von den Eltern verlangte Änderung der Zuteilung bewilligt wurde». Auch sei ihr zugetragen worden, dass «zum Beispiel Kinder aus dem Zelgli, deren Eltern die entsprechenden Rechtsmittel ergriffen haben, im Gönhard-Schulhaus eingeschult wurden, während Kinder, deren Eltern sich nicht wehrten, den Weg ins Schachen-Schulhaus unter die Füsse nehmen mussten». Unter den Eltern, so die SVP-Kreisschulrätin, «herrscht offenbar mittlerweile die Meinung vor, dass Zuteilungsentscheide kaum verbindlich sind, da sie mit einem entsprechenden Gesuch an die Schulpflege ohnehin wieder umgestossen werden können».

Burger schreibt ihn ihrer Anfrage weiter, es sei ihr nicht bekannt, ob «diese Einschätzung der Eltern der Realität entspricht», doch sei ihres Erachtens bereits mit dem Gerücht «einiges an Schaden entstanden». Sie befürchtet, dass es zu immer mehr Rekursen kommen werde, dass die Rechtssicherheit leide und dass die Schulplanung «mühsam» werde.

Die Kreisschulrätin verlangt nun eine Übersicht über die eingelegten und erfolgreichen Rekurse – und zwar pro Quartier. Und: «Wie stellt sich die Schulpflege zum Vorwurf, dass auf diese Weise Eltern begünstigt werden, welche sich mit einem Anwalt gegen einen Entscheid wehren können, während Eltern, welche über diese finanziellen Mittel und/oder die notwendigen sprachlichen oder fachlichen Kenntnisse nicht verfügen, im Nachteil sind?»

Die Antworten der Kreisschulpflege sind im ersten Semester 2019 zu erwarten.