Fotografie
Roman Gaigg: «Ich habe einen voyeuristischen Stil»

Der junge Aarauer Fotograf Roman Gaigg ist auf «digitaler Betteltour». Sein Ziel: ein eigenes Buch herausbringen.

Samuel Schumacher
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Nie ohne seine Analogkamera unterwegs: der 24-jährige Aarauer Fotograf Roman Gaigg.

Nie ohne seine Analogkamera unterwegs: der 24-jährige Aarauer Fotograf Roman Gaigg.

Hans-Peter Breiter

Roman Gaigg lehnt sich auf dem staubigen Sofa im Backstagebereich des KiFF zurück, nimmt einen Schluck Cola und überlegt. «Mein persönlicher Stil? Jemand hat mal gesagt, als Fotograf hätte ich einen voyeuristischen Stil. Das bringts gut auf den Punkt.» Einfach hinstehen, durch Gänge und Türrahmen hindurchschauen, abdrücken, kein gekünsteltes Perspektiven-Suchen. Das mache ihn als Fotografen aus. Und das zeigt sich auch in seinem Buchprojekt «Blackstage», für das er jetzt nach privaten Sponsoren sucht.

Neben ihm auf dem Sofa liegt seine Yashica T5, eine Analogkamera, oldschool, immer mit dabei. Auf seinen Unterarm hat er eine Kamerablende tätowieren lassen. Der 24-jährige Aarauer ist ein Vollblutfotograf. «Ein Schnappschussfotograf», wie er sagt. Die ersten fotografischen Versuche hat Gaigg an Konzerten im Aarauer Wenk unternommen. Bald schon fotografierte er an Events und Konzerten im ganzen Land. 2008 schliesslich durfte er im Zürcher Hallenstadion seine damalige Lieblingsband, die Red Hot Chilli Peppers, ablichten. «Ich stand zuvorderst, die Bühne weit über mir, eigentlich eine Scheiss-Perspektive. Ein paar coole Shots gelangen mir trotzdem», erinnert sich Gaigg. Nervös? Nein, das war er nicht. «In solchen Momenten funktioniere ich als Fotograf einfach, da bleibt gar kein Raum für andere Gedanken.»

Das sei übrigens auch bei seinen Aufträgen als Aktfotograf so. Auf seiner Homepage zeigt Roman Gaigg neben Fotoreportagen aus Sardinien, Studioaufnahmen von schnittigen Motorrädern und Hochzeitsbildern auch diverse Fotos von nackten Models. Ist das nicht speziell, als junger Fotograf so ganz allein zu sein, umgeben von schönen, nackten Körpern? «Gar nicht. Du realisierst irgendwann gar nicht mehr, dass da Brüste sind. Alles, was zählt, ist das gute Bild, die Ästhetik, das perfekte Licht.»

Für Gaigg ist die Aktfotografie aber sowieso mehr Hobby als Beruf. Beruf, das sind Werbeaufträge, Produktfotos oder Hochzeitsreportagen. Letztere, übrigens, gehörten zu den anstrengendsten Aufträgen überhaupt. «Vierzehn Stunden voller Einsatz, dazu der manchmal lange Anfahrtsweg und immer freundlich bleiben: Das ist ein körperlich und psychisch sehr intensives Erlebnis», sagt Gaigg. Wesentlich weniger lange (im Schnitt etwa zwei Minuten) dauerten die Shootings, die Gaigg für sein Buchprojekt «Blackstage» im Aarauer KiFF machte. Die Idee: Künstler unmittelbar vor ihrem Auftritt vor einem schwarzen Hintergrund ablichten, ihre Emotionen zeigen, ihre Gesichter ins Zentrum rücken, einen intimen Moment zwischen Betrachter und Portraitiertem schaffen. Baschi, Büne Huber, die amerikanischen Hip Hopper Dilated Peoples oder der deutsche Gangsta-Rapper Torch: Sie alle und ein paar hundert mehr hat Roman Gaigg im KiFF-Backstage-Bereich für «Blackstage» fotografiert. Nur ein einziges Mal hat sich jemand geweigert, mitzumachen. «Im KiFF werden die Künstler vor dem Auftritt ‹huere geil› bekocht. Die sind dann entsprechend gut gelaunt und waren sehr offen für meine Anliegen.»

Rund 400 Stunden Arbeit hat Gaigg in «Blackstage» investiert. «Für mich ist das eine Gelegenheit, meine Fotografie aus dem Backstagebereich über das KiFF hinaus bekannt zu machen», erzählt er. Sein Traum vom eigenen Fotobuch ist aber nicht ganz gratis. Deshalb hat Gaigg vor zwei Wochen ein Crowdfunding-Projekt lanciert, mit dem er die 13 000 Franken, die er für die 600er-Auflage braucht, hereinholen will. 7190 Franken hat er schon, 5810 Franken braucht er noch. Zeit hat er bis Mitte April. Danach läuft das Projekt auf der Plattform wemakit (wemakeit.com/projects/blackstage) aus. «Dieses digitale Betteln, diese Ungewissheit, ob die Leute wirklich cool finden, was ich mache, das ist schon unangenehm», sagt Gaigg. Wenn er es schafft, dann lädt er am 27. Mai ab 18.30 Uhr zur «Blackstage»-Vernissage ins KiFF ein. Für einmal würde er dann selbst im Fokus stehen. Eine neue Erfahrung für den relaxten Künstler, der sich an solchen Veranstaltungen eigentlich lieber hinter seine Kamera verzieht.

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