Oberentfelden
Spendenaktion für den Gasthof Engel: «Wir sind total überwältigt und dankbar»

Neben dem Unterentfelder «Pöstli» (schon über 37'000 Franken!) wird auch für den Oberentfelder «Engel» gesammelt. Die Bevölkerung gibt sich grosszügig bereit, für ihre Traditionsbeizen zu kämpfen.

Daniel Vizentini
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Das Gasthaus Engel im Dorfkern von Oberentfelden.

Das Gasthaus Engel im Dorfkern von Oberentfelden.

Britta Gut (21.9.2020)

Das Finanzierungsziel hat das «Pöstli» schon mal bei weitem überschritten: Schon weniger als einen Tag nach Veröffentlichung der Spendenaktion im Internet kamen die erhofften 18'000 Franken zusammen (AZ von gestern), am Donnerstagabend hatte das einzige grössere Restaurant in Unterentfelden über 37'000 Franken beisammen.

Nicht ganz so schnell, aber dennoch im vergleichbarem Tempo, kommt auch für den Oberentfelder «Engel» das erhoffte Unterstützungsgeld zusammen: Acht Tage nach Sammelbeginn auf der Raiffeisen-Internetplattform Lokalhelden.ch hat die Traditionsbeiz 11'070 Franken von mindestens 46 Spendern erhalten.

Um die Coronazeit überbrücken zu können, brauchen die «Engel»-Wirte sicher 15'000 Franken. Zusammenkommen soll das Geld hauptsächlich über Gutscheinkäufe. Einlösbar, wenn die Beiz wieder öffnen darf – derzeit voraussichtlich erst im April. Im Internet schreiben die Verantwortlichen vom Gasthaus Engel:

«Der erneute Lockdown trifft uns nun sehr hart und unsere Reserven neigen sich dem Ende zu.»

2015 von Vito und Claudia Lupoli übernommen, hat der «Engel» sich in den letzten Jahren dank viel Einsatz als wichtiger Treffpunkt in Oberentfelden behaupten können. Seit Jahren führen sie auch eine Catering-Firma in Buchs. Sie sagen:

«Unser aller Herzblut liegt im Gasthof Engel, unsere Passion die Bewirtung unserer Gäste und Freunde. Das möchten wir nicht unverschuldet durch einen Virus verlieren.»

Das gespendete Geld werde deshalb – nebst dem Abzahlen der Rechnungen, die die laufenden Fixkosten verursachen – auch dafür eingesetzt, die vielen langjährigen Mitarbeitenden zu behalten.

Die Ungewissheit über die Zukunft ist «das Schlimmste»

Dass die Bevölkerung bereit ist, sich derart grosszügig für ihre Dorfbeiz einzusetzen, bereitet Vito Lupoli unglaublich Freude.

Vito und Claudia Lupoli-Kyburz, die Wirte vom Oberentfelder «Engel».

Vito und Claudia Lupoli-Kyburz, die Wirte vom Oberentfelder «Engel».

Barbara Vogt (28.9.2015)
«Wir sind total überwältigt vom Goodwill der Leute und sind um jeden Franken dankbar.»

Am schwierigsten für ihn sei derzeit nur die Ungewissheit: Niemand weiss, wann die Beizen wieder werden auftun dürfen – und auch nicht in welcher Form.

«Der Termin wird immer wieder hinausgeschoben, wir spüren eine gewisse Ohnmacht. Keine Planungssicherheit zu haben, ist für uns das Schlimmste.»

Dabei stellt er auch klar, dass eine nur halbpatzige Öffnung – etwa nur von gewissen Sektoren wie den Aussenbereichen der Restaurants oder mit beschränkten Öffnungszeiten – nichts bringe. «Das verursacht nur mehr Kosten, wir haben dies schon im letzten Jahr erlebt», sagt er. «Dann machen wir schon lieber ganz zu.»

Vito Lupoli sieht es demnach ähnlich wie Felix Matthias, Besitzer vom Menziker «Huus 74»: Wirtschaftlich mache es nur dann Sinn zu öffnen, wenn auch genügend Gäste kommen, sagte er diese Woche. Er hofft aber immerhin, dass der Öffnungstermin für die Beizen nicht noch weiter hinausgeschoben wird.

«Wir würden am liebsten natürlich schon heute auftun.»

Dass nun die Läden öffnen dürfen, die Beizen aber nicht, ist für ihn ein hartes Verdikt. «Auf der einen Seite verstehe ich, dass die Infektionszahlen runter müssen. Andererseits aber ist es schon unverständlich, dass die grösste Last von den Gastronomiebetrieben getragen werden muss.»

Als Vorschlag bringt Vito Lupoli die Idee aufs Tappet, die Restaurants und Hotels mit dem Hygiene-Schutzkonzept aufzutun, das sich bereits 2020 bewährt hatte. «Man sollte auf diese Lösung setzen.»