Biberstein
Neue Biobadi-Wirtin: «Mir liegt Biberstein sehr am Herzen»

Melanie Hächler führt neu das Badi-Bistro der Biobadi in Biberstein. Sie vergleicht ihren neuen Job mit einem Marsch auf dem Jakobsweg.

Nadja Rohner
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Die Biobadi wird saniert. Auch Melanie Hächler hat noch viel zu tun.

Die Biobadi wird saniert. Auch Melanie Hächler hat noch viel zu tun.

Nadja Rohner

Noch sieht es in der Biobadi nicht danach aus, als ob hier in nicht einmal vier Wochen die Saison losgehen würde. An den Becken wird gearbeitet, die Rollläden des Bistros sind unten. Es gibt noch eine Menge zu tun – auch für Melanie Hächler (33). Die neue Pächterin des Badi-Bistros freut sich auf ihre erste Saison. «Ich bin in Biberstein aufgewachsen und habe in der Badi hier meine ersten Schwimmversuche gemacht», sagt sie.

Melanie Hächler – «Meine Gäste dürfen mich gerne duzen» – wohnt seit rund zehn Jahren in Aarau, war aber immer wieder mal in der Biobadi. Deshalb weiss sie um den guten Ruf, den ihr Bistro unter der Vorgängerin hatte. Ihr Konzept wird etwas anders werden, verrät sie. Bodenständiger vielleicht, etwas weniger innovativ, aber traditionell und fein. «Ich werde eher klassische Badimenüs wie Fitnessteller, Hamburger und Pommes oder einfach eine Wurst mit Brot anbieten», sagt sie. «Familien oder Handwerker auf der Durchfahrt sollen es sich leisten können, hier zu essen.» Hinzu kommen jeden Tag zwei frische Menus, je nach Lust und Laune wechselnd. Melanie wird das Bistro nicht alleine betreiben, sie hat einen Pool an Mitarbeitern, auf die sie zurückgreifen kann.

Studierte Innenarchitektin

Ihr Werdegang ist ungewöhnlich – nach einem kurzen Ausflug an die Kanti entscheid sie sich für eine Lehre als Hochbauzeichnerin, später studierte sie Innenarchitektur an der Höheren Fachschule. Doch in dem Architekturbüro, in dem sie arbeitete, wurde die Auftragslage immer schlechter. Als sie eine befreundete DJane darauf aufmerksam machte, dass im Boiler Club in Aarau eine stellvertretende Geschäftsführerin gesucht werde, lachte Melanie Hächler erst noch. «Ich fand, das gehe doch nicht – quasi über Nacht von der Partygängerin zur Chefin zu werden. Aber dann habe ich es mir anders überlegt – schliesslich war ich auch schon Barverantwortliche im KiFF und hatte Lust auf diese Herausforderung.» Sie erhielt den Teilzeit-Job und behielt ihn sechs Jahre. «Eine unglaublich lehrreiche Zeit», blickt Melanie zurück. Parallel absolvierte sie die Wirteprüfung und kündigte ihre Anstellung im Architekturbüro.

Im 2016 kam es zu Veränderungen im Boiler, Melanie Hächler verliess den Betrieb. «Es wurde Zeit», sagt sie. «Das Partybusiness ist nicht einfach. Es zu leiten, wurde mit zunehmendem Alter immer weniger befriedigend. Ausserdem wollte ich nicht mehr jedes Wochenende erst um 5.30 Uhr von der Arbeit nach Hause kommen.» Melanie nahm sich Zeit zur Neuorientierung: Erst mit ihrem Freund, später alleine erwanderte die junge Frau in Spanien den Jakobsweg (Camino Francés). Teils 8 Stunden am Tag, 34 Tage lang, fast 600 Kilometer bis nach Santiago de Compostela. Noch heute schwärmt sie von dieser Erfahrung. «Man ist in der Natur, kann alleine sein, findet aber auch leicht Anschluss. Es war wirklich unglaublich toll.»

Zurück in der Schweiz jobbte sie an verschiedenen Orten, bis sie die Ausschreibung für die Biobadi-Bistropacht sah. «Das ist ideal für mich. Erstens liegt mir Biberstein sehr am Herzen. Zweitens hat die Biobadi für mich viel vom Jakobsweg: Hier kann ich in der Natur sein, habe Kontakt mit den verschiedensten Menschen und komme vielleicht auch einmal an meine Grenzen. Drittens habe ich hier die Möglichkeit, im Gastgewerbe etwas Eigenes aufzuziehen, ohne mich das ganze Jahr über vollends aufopfern zu müssen.»

Seit Januar steckt Melanie Hächler nun in den Vorbereitungen. Firmengründung, Steueranmeldung, Personalsuche, Lieferanten anschreiben. «Als Nächstes muss ich hier alles putzen», sagt sie mit Blick auf die Badi-Küche, die sich noch im Winterschlaf befindet. Am 28. April wird sie allerspätestens fertig sein – am Vorabend der Badi-Eröffnung findet ein Apéro für die Bibersteiner Bevölkerung und Freunde der Biobadi statt. «Von 18 bis 20 Uhr sind alle herzlich zum Anstossen eingeladen», sagt Melanie. «Bei schönem Wetter findet danach ein stilvolles, akustisches Konzert des – ebenfalls in Biberstein aufgewachsenen – talentierten Musikers Niño statt.»

Das wird sonst noch neu

Die Biobadi wurde im Jahr 2000 gebaut, entsprechend sind nun einige Sanierungen nötig. Die Gemeindeversammlung hat im November einen Kredit von 305 000 Franken bewilligt. Der Grossteil der Sanierungskosten entfällt auf neue Holzstege zwischen Schwimm- und Regenerationsteich sowie auf einen neuen Kiesfilter im Klärbecken (Regenerationsteich). Der alte Filter hatte sich zu sehr verdichtet – ein normaler Vorgang – und muss deshalb ausgewechselt werden. Zudem gibt es jetzt eine Unterwasser-Glaswand statt eines Geländers zwischen dem Schwimm- und dem
Regenerationsteich. Auch eine neue Schwimmteichfolie wird eingebaut. Das Kinderbecken erhält einen neuen Anstrich, die Wasserspiele werden wieder instand gestellt. Die Arbeiten verlaufen termin- und budgetgerecht. (NRO)

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