Aarau
Maienzug-Vorabend nimmt Gestalt an: Neues Vorverkaufs-Konzept und offene Fragen wegen Flösserplatz-Disco

Der Maienzug-Vorabend 2016 nimmt Gestalt an – offen ist noch immer die heikle Frage der Flösserplatz-Disco. Falls kein geeigneter Platz für sie gefunden wird, ist sie wohl definitiv Geschichte.

Ueli Wild
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n der Vorderen Vorstadt und am Graben (Bild vom Vorjahr) ist Live-Musik ausdrücklich erwünscht.

n der Vorderen Vorstadt und am Graben (Bild vom Vorjahr) ist Live-Musik ausdrücklich erwünscht.

Ueli Wild

Was wurde nicht alles in den letzten Wochen über die Zukunft des Maienzug-Vorabends spekuliert? Es ging zum Beispiel das Gerücht um, eine Grossbrauerei habe das Fest gekauft. In diesem Punkt kann Entwarnung gegeben werden: Der Maienzug-Vorabend ist zwar definitiv kein Fest der Stadt Aarau mehr. Diese hat sich ausgeklinkt und das Ganze an den 2015 in Hast und Eile gegründeten Verein Maienzug-Vorabend delegiert. Der Vorabend bleibt aber das Fest der Aarauer Wirte. Nun ist es einfach der Verein, der anstelle der Stadt den Beizern den öffentlichen Grund vermietet. Klar ist auch: Seit 2015 ist aus Sicherheitsgründen innerhalb der Altstadt keine Live-Musik mehr zugelassen.

Vier bis fünf Standorte
Live-Musik gehört nun aber einmal zum Vorabend. Der Verein, der ansonsten möglichst viel so belassen will, wie es war, animiert nun die Wirte, deren Lokale ausserhalb der Altstadt liegen, Bands anzuheuern. Konkret geht es, wie die Vorstandsmitglieder Michael Ganz und Matthias Seifritz, ausführen, um die Vordere Vorstadt und um den Graben. «Vom ‹Capri› bis zum ‹Oscar One› am Schlossplatz», sagt Michael Ganz, «ist Live-Musik möglich und ausdrücklich erwünscht.»

Masse zieht Masse an: Das Gedränge ist Teil der Faszination des Maienzug-Vorabends, stellt aber auch ein Sicherheitsrisiko dar.

Masse zieht Masse an: Das Gedränge ist Teil der Faszination des Maienzug-Vorabends, stellt aber auch ein Sicherheitsrisiko dar.

Werner Erne

Ganz macht aber deutlich: «Wir wollen nicht von oben herab organisieren. Jeder Wirt soll machen, was er für richtig hält.» Allerdings sollten sich die Wirte untereinander absprechen, damit nicht einer seinen Nachbarn einschränke. Realistisch seien vier bis fünf Standorte für Live-Musik. «Capri», der Raum zwischen «Waldmeier» und «Hung Fat», «Mr. Pickwick Pub» und «Oscar One» sind die sich abzeichnenden Stationen. Zumindest vom «Capri» und vom «Mr. Pickwick Pub» weiss Michael Ganz, dass sie ihre Bands bereits verpflichtet haben.

Der Verein hat sich mit den Wirten zu einer Sitzung getroffen. Ganz und Seifritz sagen, die Gespräche hätten in einer guten Atmosphäre stattgefunden. Auch die Wirte am Graben, mit denen man sich zu einer separaten Sitzung traf, hätten positiv reagiert. Die Kosten für die von ihnen verpflichteten Bands müssen diese selber übernehmen. Sie hätten aber auch einen Vorteil, sagt Michael Ganz: «Live-Musik zieht Leute an.»

Unter der Ägide der Stadt, so Ganz, sei die Frage der Live-Musik-Kosten uneinheitlich gehandhabt worden. «Die einen bekamen etwas, die anderen nicht.» Der Verein stehe hier aber vor der Herausforderung, alle gleich zu behandeln, «schon weil wir selber aus der Szene stammen». Bei den Kosten gibts noch offene Fragen. Grundsätzlich möchte der Verein aber die Standplatzkosten senken.

Live-Musik bis halb zwei Uhr
Neu werden die Bands bis halb zwei Uhr spielen dürfen. Bisher wurden um ein Uhr die Verstärker abgedreht. Wirteschluss war aber um zwei Uhr früh. 2015 sei die Stadt um zwei Uhr «so leer wie nie» gewesen, sagt Michael Ganz. Grund war offenbar der grosse Exodus ab ein Uhr in die Telli, wo KiFF und «Schlaflos» am Maienzug bis 6 Uhr offen haben. Zusammen fassen die beiden Nachtschwärmer-Horte etwa 1500 Personen. Dieses Jahr soll es einen Ticket-Vorverkauf geben, sodass es die Nachtschwärmer vielleicht ein bisschen weniger eilig haben, der Telli zuzustreben, was die Wirte oben in der Stadt wiederum freut.

Heimatlose Flösserplatz-Disco
Ungelöst ist einstweilen das Problem der Flösserplatz-Disco. Jahrzehntelang fand dieser Beitrag des Jugendkulturhauses auf dem Schlossplatz statt. Dann kam die Umgestaltung des Schlossplatzes – und schliesslich die Bar «Oscar One». Zuletzt fand die Disco nun am Zollrain statt. Diesen Standort bot der Verein Maienzug-Vorabend dem Jugendkulturhaus auch diesmal wieder an. Das Jugendkulturhaus lehnt den Standort Zollrain ab. «Aus Sicherheitsgründen», wie Flösserplatz-Leiter Frank Fischer sagt. Das abschüssige Gelände sei für eine Disco ungeeignet, schrieb SP-Einwohnerrätin Silvia Dell’Aquila in einer Anfrage zuhanden des Stadtrates schon Ende 2015.

Zog Leute von nah und fern an: der Maienzug-Vorabend. Annika Bütschi

Zog Leute von nah und fern an: der Maienzug-Vorabend. Annika Bütschi

«Wir haben dann ein anderes gutes Angebot gemacht», sagt Michael Ganz: «Die Markthalle – da ist man vor Regen geschützt und man hat viel Zeit zum Aufbauen.» Doch auch dieses Angebot lehnt Frank Fischer ab. «Die Markthalle ist akustisch schwierig zu bewirtschaften», sagt der Jugendkulturhaus-Leiter. Und letztes Jahr sei es am Vorabend 31 Grad warm gewesen. Unter solchen Umständen seien die Leute wohl kaum darauf erpicht, in einer gedeckten Halle zu tanzen. «Wenn wir an eine andere Stelle gehen», so Fischer weiter, «ist klar, dass wir ähnliche Grundvoraussetzungen brauchen wie auf dem Schlossplatz.»

Was nun? Es gebe noch eine Option, sagt Fischer: «Der Verein hat mir auch den Kirchplatz angeboten.» Von Problemen an diesem Standort sei nicht die Rede gewesen, doch offenbar gebe es doch welche. Auf dem Kirchplatz fand in den letzten Jahren am Vorabend auch die Maienzug-Milonga von Tango Aarau statt. Diese kann laut Matthias Seifritz eventuell an den Graben transferiert werden. Dort existiert zwischen «Waldmeier» und «La Caverna» ein relativ grosser Abschnitt ohne Gastgewerbebetrieb. Keine Kollisionsgefahr also.

Am Kirchplatz, wo das Jugendkulturhaus seine Disco am liebsten sähe, und nebenan in der Kirchgasse gibt es aber auch zwei Beizen: die «Garage» und das «Sevilla». Bei ihnen, deutet Michael Ganz an, halte sich die Freude an der Aussicht auf eine Disco auf dem Kirchplatz in Grenzen. Das Jugendkulturhaus müsse sich selber mit den betroffenen Wirten absprechen, stellt Ganz klar. Gespräche habe er noch keine geführt, sagt Frank Fischer. «Ich werde das aber machen.»

«Wir sind nicht trotzig»
Es gehe hier ein wenig um eine Grundsatzfrage, findet der Jugendkulturhaus-Leiter: «Will man die Disco, oder will man sie nicht?» Fischer möchte nicht falsch verstanden werden: «Wir sind nicht trotzig.» Aber wenn die Flösserplatz-Disco 2016 keinen passenden Platz finde, sei sie wohl definitiv gestorben. Nein, eine Alternative zum Kirchplatz, räumt Fischer ein, sehe er «im Rahmen des Feste» zum jetzigen Zeitpunkt keine.

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