Handball-Playoffs

HSC-Präsident René Zehnder zum Hitchcock-Duell: «Wenn wir heute gewinnen, ist alles offen»

Der HSC Suhr Aarau begeistert: Obwohl deutlich in Rücklage, erzwang er im Playoff-Viertelfinal überraschend ein Entscheidungsspiel gegen Wacker Thun. Vereinspräsident René Zehnder spricht im Interview über die Gründe des Erfolgs und seinen grössten Wunsch.

Nora Güdemann
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«Es sind traumhafte Tage»: HSC-Präsident René Zehnder macht die Welle im Aarauer Hexenkessel, der Schachenhalle. Archiv/Alexander Wager

«Es sind traumhafte Tage»: HSC-Präsident René Zehnder macht die Welle im Aarauer Hexenkessel, der Schachenhalle. Archiv/Alexander Wager

Alexander Wagner

Nach Anpfiff um 20 Uhr geht es für die Nationalliga-A-Mannschaft des HSC Suhr Aarau um alles. In der Schachenhalle spielt das Team gegen Wacker Thun um den Einzug in den Playoff-Halbfinal. Damit winkt dem Verein, der 1999 als TV Suhr den letzten Meistertitel holte, ein grosser Erfolg.

Nach einem Schuldenberg und dem Abstieg in die NLB vor fünf Jahren gehört der HSC wieder zu den besten Handballteams der Schweiz. René Zehnder, der Präsident des HSC Suhr Aarau, spricht über den Weg zurück zum Erfolg.

Sie müssen als Präsident des HSC Suhr-Aarau gerade traumhafte Tage erleben ...

René Zehnder: Ja wirklich. Dass wir momentan gegen den amtierenden Schweizer Meister und Cupsieger Wacker Thun so stark spielen, ist sensationell.

Wird die Schachenhalle heute Abend ausverkauft sein?

In die Schachenhalle passen rund 1500 Personen, heute erwarten wir zwischen 1000 und 1400 Fans. Bei den letzten beiden Heimspielen waren es bereits jeweils über 1000 Zuschauer.

Impressionen vom vierten Playoff-Viertelfinalspiel Wacker Thun - HSC Suhr Aarau:

Der grosse HSC-Jubel nach dem Schlusspfiff.
19 Bilder
HSC-Routiner Martin Prachar (r.) im Zweikampf mit Wacker-Topskorer Ivan Wyttenbach.
HSC-Co-Captain Tim Aufdenblatten (r.) verteidigt gegen Wacker-Topskorer Ivan Wyttenbach.
Nicolas Suter (M.), Aargauer in Thuner Diensten, versucht sich gegen den HSC-Block von Nikola Isailovic (l.) und Patrick Strebel.
HSC-Co-Captain Tim Aufdenblatten (r.) gegen Wacker-Topskorer Ivan Wyttenbach.
Suhr Aaraus Martin Pracher (l.) wehrt sich gegen Wacker-Topskorer Ivan Wyttenbach.
HSC-Spielmacher und Co-Captain Tim Aufdenblatten, der vier Treffer erzielte, im Angriff.
Wackers Nicolas Suter (l.) gegen Suhr Aaraus Patrick Strebel.
Wacker-Kreisläufer Reto Friedli im Abschluss.
HSC-Kreisläufer Lukas Laube (l.) setzt sich gleich gegen zwei Defensivspieler der Thuner zur Wehr.
Impressionen vom vierten Playoff-Viertelfinalspiel: Wacker Thun - HSC Suhr Aarau
HSC-Rückraumspieler Mathias Müller (M.) im Angriff.
HSC-Torhüter Dragan Marjanac (r.) wehrt sich gegen einen Angriff von Simon Huwyler.
Ein seltenes Bild am Dienstagabend: HSC-Torhüter Dragan Marjanac in Rücklage.
Für diese Renconter mit Wacker Nicolas Raemy (unten) wurde HSC-Topskorer Milan Skvaril die rote Karte gezeigt.
Tim Aufdenblatten (l.) und Martin Prachar (r.) machen die Lücke gemeinsam zu.
Nicolas Suter (M.) im Angriff gegen Tim Aufdenblatten (l.) und Patrick Strebel (r.)
HSC-Kreisläufer Lukas Laube erzielt einen seiner insgesamt sechs Treffer.
HSC-Co-Captain Tim Aufdenblatten (l.) gegen Wackers Stefan Huwyler.

Der grosse HSC-Jubel nach dem Schlusspfiff.

Christian Pfander

Ist der HSC Suhr Aarau dank seiner Erfolge zum Publikumsmagneten geworden?

Ja, wir hatten in der Finalrunde den zweithöchsten Zuschauerdurchschnitt nach Pfadi Winterthur. Wir spielen jetzt bereits das dritte Jahr in der Nationalliga A, und wir wurden immer besser. Da habe ich erwartet, dass Reaktionen seitens der Zuschauer kommen. Ein attraktiver, schneller Handballmatch begeistert, die Leute jubeln von der ersten Minute an. Im Hexenkessel Schachenhalle geht richtig was ab.

Momentan hat der HSC Suhr Aarau rund 450 aktive Mitglieder. Ist diese Zahl gestiegen, seit Sie wieder in der Nationalliga A spielen?

Ja. Aber die Zahlen sind nicht explodiert.

Warum ist die NLA-Mannschaft des HSC so stark? Haben Sie einen Star?

Ich würde nicht sagen, dass wir unseren Erfolg einzelnen Spielern verdanken. Handball ist ein Teamsport, und alle müssen ihre Leistung bringen. Sicher gibt es Topskorer, die Goal nach Goal schiessen. Aber diese können von anderen Spielern ersetzt werden, sollte der Topskorer ausfallen.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Wir haben ein paar ausländische Spieler, setzen aber vor allem auf unsere Junioren. Unser Ziel ist es, ihnen im Training alles mitzugeben, was sie als NLA-Spieler umsetzen müssen. Wir wollen bei der Juniorenmannschaft ein hohes Niveau erreichen, damit wir weniger teure Spieler einkaufen müssen. Momentan sind acht eigene Junioren in der NLA-Mannschaft.

Wie viel investieren Sie in die NLA-Mannschaft?

Wir haben uns von Jahr zu Jahr gesteigert. Momentan haben wir ein Budget von zirka 900 000 Franken zur Verfügung. Das ist, verglichen mit den früheren finanziell schwierigen Zeiten des Vereins, viel. Aber verglichen mit anderen Vereinen, die ein Budget von 1,5 Millionen Franken und mehr haben, ist es immer noch relativ wenig. Ich bin trotzdem happy damit.

Ist die Teilnahme an den Playoffs für den HSC aus finanzieller Sicht attraktiv?

Wir können mehr Heimspiele ausrichten, und über das Catering kommt auch mehr Geld rein. Ausserdem unterstützt uns der Schweizerische Handball-Verband finanziell, wenn Spiele im Fernsehen übertragen werden – und das wird heute Abend der Fall sein. Es gibt aber auch zusätzliche Ausgaben. Zum Beispiel die Prämien für die Spieler. Beenden wir die Saison auf dem 6. Rang, sind die Kosten dafür weniger hoch als auf dem 3. Rang.

Der TV Suhr (hat 2008 mit dem BTV Aarau zum HSC Suhr Aarau fusioniert) wurde vor 20 Jahren zum letzten Mal Schweizer Meister. Wie realistisch ist es, dass das heute oder in naher Zukunft wieder passiert?

Mein Traum ist es, dass wir Schweizer Meister werden. Wenn wir das Spiel heute gewinnen, sind uns keine Grenzen gesetzt. Wir haben einen 5-Jahres-Plan, der immer nach oben korrigiert wird – bis wir Meister sind. Aber wie gesagt, das ist ein Traum. Es muss alles stimmen. Diese Saison hatte unsere Mannschaft wenige Verletzte, eine breite und stabil aufgestellte Mitte und eine super Verteidigung. Darüber bin ich glücklich. Und es tut gut, dem Schweizer Meister Wacker Thun die Stirn zu bieten.

Ist Aarau trotz seiner grossen Handball-Tradition nicht doch eher eine Fussball-Stadt?

Doch, das ist sie. Aber das ist nicht schlimm für uns. Wir haben ein treues und grosses Publikum, das uns unterstützt.

Spüren Sie die Konkurrenz des Fussballs bei der Suche nach Sponsoren?

Es ist logisch, dass der FC Aarau mehr Sponsoren bekommt als wir. Aber ich möchte hier nicht von Konkurrenz reden, eher von einer guten Zusammenarbeit. Wir haben ein gutes Verhältnis zum FCA, laden uns gegenseitig zu den Spielen ein. Sie machen ihr Ding und wir unseres.

Fällt es Ihnen leicht, Sponsoren für den HSC zu finden?

Wenn wir attraktiven Handball spielen, läuft die Suche besser. Es ist einfacher, Verträge mit den Sponsoren zu verlängern. Trotzdem ist es jedes Jahr schwierig, die budgetierten Einnahmen zu erreichen. Deswegen bin ich sehr dankbar für die Hilfe der Freiwilligen und die Unterstützung der Gemeinden Aarau und Suhr.

Warum ist Handball für Sie ein geiler Sport?

Handball ist zwei Mal eine halbe Stunde Nervenkitzel. Bei dem Sport geht etwas ab. In der Schachenhalle habe ich einen Stammplatz. Von da aus sehe ich meinem Sohn Manuel Zehnder zu. Er ist jetzt 19 und spielt im NLA-Team. Ich begleite ihn beim Handball, seit er vier Jahre alt ist. Seine Entwicklung mitzuerleben, treibt mich auch an und begeistert mich.

Was ist Ihr grösster Wunsch?

Ich wünsche mir, dass es so weitergeht, die Sponsoren uns weiterhin unterstützen, dass sich kein Spieler verletzt und dass wir eine grosse HSC-Familie bleiben.

Wir hätten erwartet, Ihr grösster Wunsch ist die Sanierung der Schachenhalle in Aarau?

Wie es damit weitergeht, ist unklar. Die einen wünschen sich, dass die Halle saniert wird, andere hoffen, dass sie so bleibt, wie sie ist. Für mich steht fest: Die Schachenhalle ist die geilste Halle zum Handballspielen. Der Hexenkessel von Aarau.