Gränichen
Höhere Steuern für neuen Werkhof – Gemeinde will 18 Millionen investieren

18 Millionen Franken sollen in den neuen Werkhof und die Erschliessung des Oberfeldes investiert werden. Dafür will die Gemeinde auf eine Steuerfussentlastung von 3 Prozent verzichten.

Ann-Kathrin Amstutz
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Im Gemeindehaus von Gränichen geht man sparsam mit dem Geld um.

Im Gemeindehaus von Gränichen geht man sparsam mit dem Geld um.

Pascal Meier

Der Gränicher Gemeinderat will «von Anfang an mit offenen Karten spielen». Das sagte Gemeindeammann Rolf Arber an der Infoveranstaltung zu den Projekten Werkhof Moortal und Erschliessung Oberfeld. An der Sommergmeind vom 9. Juni werden den Stimmbürgern zwei Verpflichtungskredite unterbreitet: knapp 11 Millionen Franken für den Neubau Werkhof, gut 7 Millionen Franken für die Erschliessung des Industriequartiers Oberfeld – inklusive Bau eines Kreisels auf der Kantonsstrasse. Das ist für die 7687 Einwohner zählende Gemeinde Gränichen viel Geld. Entsprechend gross war das Interesse an der Veranstaltung: Knapp 100 Gränicher kamen, obwohl die Projekte noch nicht ganz spruchreif sind.

Die Themen Werkhof und Erschliessung Oberfeld beschäftigen Gränichen schon seit Jahren. 2011 wurde zum ersten Mal die Sanierung des bestehenden Werkhofs gegen einen Neubau im Moortal abgewogen. Eine nächste Werkhofstudie von 2012 prüfte die Idee, gemeinsam mit Suhr einen Werkhof an der Ringstrasse zu bauen. Dieses Projekt scheiterte aber an verkehrstechnischen Problemen und weil Suhr einen Rückzieher machte.

Also hiess es: zurück auf Feld 1. Der Gränicher Gemeinderat kam zum Schluss, dass der Neubau im Moortal die beste Lösung sei, weil dort Feuerwehr, Bauamt und die Technischen Betriebe unter einem Dach untergebracht werden können. Architekt André Lüscher stellte das Projekt vor. Der Neubau ist viergeschossig angedacht. «Das kommt teurer als auf einer Ebene und bedingt den Bau eines Liftes», so Lüscher. Dafür sei es im Sinne einer Verdichtung und brauche viel weniger Land. Der Neubau aus Beton und Holz soll eine Schnitzelheizung und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erhalten. Ein wichtiger Punkt sind die getrennten Ausfahrten von Feuerwehr und Bauamt: So ist ein schnelles Ausrücken der Feuerwehr jederzeit gewährleistet.

«Erschliessung längst fällig»

Der Werkhof Moortal beschert dem benachbarten Industriequartier einen erheblichen Mehrverkehr. Darum wurde das Projekt zur Erschliessung des Oberfeldes parallel entwickelt. «Die Erschliessung des Oberfeldes ist längst fällig», betonte Gemeindeammann Arber. Das wichtigste Element des bereits 2008 vom Regierungsrat genehmigten Erschliessungsplans ist ein Kreisel. Er soll auf der Kantonsstrasse gleich ausserhalb des Siedlungsgebiets Richtung Teufenthal entstehen. «Ohne den Kreisel wäre das Verkehrsaufkommen nicht zu bewältigen», so Arber.

Im Publikum stiess der Bedarf nach einem Kreisel auf Verständnis. Nicht aber die Tatsache, dass während der Bauzeit eine Lichtsignalanlage auf der Kantonsstrasse vorgesehen ist. «Das gibt einen solchen Stau, da stehen die Autos bis nach Teufenthal», gab ein Versammlungsteilnehmer zu bedenken. Der kantonale Projektleiter Martin Meier von der Abteilung Tiefbau, der das Erschliessungsprojekt zusammen mit Projektverfasser Benno Mehmann vorstellte, hatte noch keine Patentlösung bereit. Er stellte aber klar: «Was wir jetzt haben, ist ein erster Entwurf. Daran müssen und werden wir noch arbeiten.» Ein weiterer Votant warf die Frage auf, ob der Oberfeld-Kreisel gleichzeitig mit dem Kreisel beim Rundhaus in Suhr gebaut werde. «Dann könnten wir das Wynental gleich schliessen», meinte der Votant. Diese Sorge war jedoch unbegründet: Frühestmöglicher Baubeginn ist Frühjahr 2019. Bis dann sollte der Suhrer Kreisel bereits fertig sein.

«Tragbare Steuererhöhung»

Zum Schluss kam Gemeindeammann Arber auf die Finanzen zu sprechen. Daran sollten die Projekte nicht scheitern, meinte Arber: «Wir könnten beide Projekte ohne Steuererhöhung realisieren.» Aber: «Es würde eng und immer enger.» Ab 2018 würden erste Abschreibungen die Erfolgsrechnung belasten.

Deshalb schlug Arber eine mögliche Lösung vor: Durch den neuen kantonalen Finanzausgleich werden alle Gemeinden um 3 Steuerprozente entlastet. «Wenn wir den Steuerfuss im Herbst also auf 111 Prozent belassen, würde das faktisch eine Erhöhung bedeuten», sagte Arber. So könnten zusätzliche Investitionen und Abschreibungen gedeckt werden – mit einer Steuererhöhung, die «für alle tragbar sein sollte», wie Arber meinte.

Arber schloss die Veranstaltung mit einem Appell an die Gränicher: «Jetzt können wir von günstigen Bedingungen auf dem Kapitalmarkt profitieren. Unterstützen Sie also die Projekte!» Ob der Gemeindeammann die Stimmbürger überzeugen konnte, wird sich an der Sommergmeind zeigen.

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