Aarau
Gemeinden fehlen für nach den Sommerferien Kindergärtnerinnen

40 Prozent der Schweizer Kindergärten bekunden Mühe, alle Stellen zu besetzen. In mehreren Gemeinden der Region Aarau fehlen Kindergärtnerinnen für nach den Sommerferien.

David Egger
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Hier, im Aarauer Waldkindergarten, hat es noch genügend Kindergärtnerinnen. Die Kinder freuts.

Hier, im Aarauer Waldkindergarten, hat es noch genügend Kindergärtnerinnen. Die Kinder freuts.

Sandra Ardizzone

Mindestens neun Schulen in der Region Aarau suchen noch Kindergärtnerinnen fürs nächste Schuljahr. Damit sind sie nicht alleine, denn 40 Prozent der Schweizer Kindergärten bekunden Mühe, alle Stellen zu besetzen. Vor allem im Aargau, wie eine in der «Schweiz am Sonntag» veröffentlichte Umfrage des nationalen Schulleiterverbands zeigt.

Zum Beispiel sucht die Regionalschule Lenzburg für das kommende Schuljahr noch jemanden, der ein 100-Prozent-Pensum übernimmt. Auch in Suhr, Gränichen, Reinach, Möriken-Wildegg, Kölliken, Egliswil, Menziken und Aarau laufen noch Bewerbungsfristen.

Die Lohnpolitik ist mitschuldig

Jonathan Müller, Schulleiter im Gönhard-Schulhaus und verantwortlich für sieben Kindergarten-Abteilungen in Aarau, hat noch ein Pensum von 19 Lektionen zu besetzen. Keine einfache Aufgabe, wie er bestätigt: «In der Primarschule habe ich schon alle Pensen besetzt. Für den Kindergarten sind die Bewerbungen aber sehr dünn gesät. Manchmal erhalte ich nur zwei brauchbare Bewerbungen pro Stelle, und das erst nach längerer Zeit.» Das Angebot an Kindergartenlehrpersonen werde jährlich kleiner, so Müller.

Der Grund: Viele Absolventinnen des Bachelor-Studiengangs Vorschul- und Primarstufe arbeiten lieber als Lehrperson für die erste bis zweite Primarschulklasse. Denn so verdienen sie mehr Geld, als wenn sie als Kindergärtnerin arbeiten – obwohl für beide Stellen die gleiche Ausbildung nötig ist.

Ein Blick in die kantonale Lohntabelle für Lehrer zeigt, wie stark sich die Löhne unterscheiden. Ein Beispiel: Eine 25-jährige Kindergärtnerin verdient monatlich 5535 Franken. Ihre gleichaltrige Kollegin, mit der sie studiert hat, unterrichtet eine 2. Primarklasse und erhält 507 Franken mehr.

Das ist so nicht okay, befand das Aargauer Verwaltungsgericht im März 2014. Darum schlägt der Regierungsrat dem Grossen Rat vor, die beiden Löhne anzugleichen. Dies aber gestaffelt, sodass die Kindergärtnerinnen erst 2018 gleich viel verdienen wie ihre gleich ausgebildeten Kolleginnen von der Primarschule. Bis dahin werden die Schulen weiter Mühe haben, genügend Kindergärtnerinnen zu finden. Ende Sommer soll der Grosse Rat entscheiden.

Der Mangel an Kindergärtnerinnen besteht schon länger. Wie die az nun erfahren hat, wurde vor drei Jahren in einer Gemeinde im Bezirk Lenzburg eine Kindergärtnerin im Vollpensum gesucht – und keine gefunden. Als Notlösung hat die Schule die Stelle auf fünf Personen aufgeteilt. Die Kinder hatten jeden Tag eine andere Bezugsperson.

Auf den Fall angesprochen, sagt Sandra Wild, Schulleiterin Kindergärten der Regionalschule Lenzburg: «So etwas ist alles andere als optimal. Aber man kann die Kinder nicht auf die Strasse stellen, nur weil die Regierung die Lohnanpassung mit allen Mitteln aufschieben will.» Der Lohnunterschied wirkt sich nicht nur auf die erste Stelle nach dem Studium aus: «Viele junge Kindergärtnerinnen springen nach drei Jahren ab und wechseln an die Primarschule», so Wild.

Über 60-Jährige zurückgeholt

Die Schule Suhr tut das seit rund drei Jahren, hat auch schon über 60-Jährige zum Wiedereinstieg bewegt. «Diese Möglichkeit ist nun ausgereizt, uns gehen die Ideen aus», sagt Schulleiterin Denise Widmer. Ein 100-Prozent-Pensum konnte sie nur mit Ach und Krach besetzen: Eine Quereinsteigerin in Ausbildung übernimmt 20 Lektionen, die restlichen 8 werden auf die bestehenden Kindergärtnerinnen verteilt. Ein kleines Pensum für Deutsch als Zweitsprache ist noch offen. «Wir suchen seit 5 Monaten und haben 3 Bewerbungen erhalten, keine davon mit der nötigen Ausbildung», sagt Widmer. Auch eine Verkäuferin bewarb sich. «Das zeigt, wie die Anforderungsbedingungen falsch eingeschätzt werden.»

Dass von den eingereichten Bewerbungen nur wenige brauchbar sind, wird von mehreren angefragten Schulleitungen bestätigt. In Schöftland hat sich im letzten Jahr zum Beispiel auch eine Maturandin beworben, als man eine Kindergärtnerin suchte.

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