Spaziergang durch die Stadt
Frühlingserwachen in Aarau

Ein Sonntag in der Stadt: Unsere Kolumnistin, Silvia Dell'Aquila, ärgert sich über die abgelehnte Aareraum-Ost-Umgestaltung und trinkt Prosecco auf dem unprätentiösen Telli-Minigolfplatz.

Silvia Dell’Aquila
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Oliver Hofer, bigfisch.ch

Kaum werden die Tage heller und wärmer, stürzen die Aarauerinnen und Aarauer ins Freie, meistens alle zusammen und ungefähr an die gleichen Orte – Aare, Alpenzeiger, Echolinde, Roggenhausen – viel Auswahl gibt es ja nicht. Ich bin da nicht anders und, zugegeben, gerade etwas einfallslos. Ab gehts deshalb an die Aare für die klassische «Sonntags-Runde». Der Spaziergang führt mich zum Philosophenweg auf der Ufer-Ostseite. Und jedes Mal denke ich, wie viel angenehmer es wäre, wenn dieser breiter wäre, sodass Velos und Fussgänger/innen problemlos aneinander vorbeikämen, der gefährliche Fahrradstreifen an der Mühlemattstrasse aufgehoben wäre und der einst geplante Lärmschutzwall vor dem Autolärm schützen würde.

Haben wir alles nicht, die Aarauer Stimmberechtigten haben die Realisierung des Aareraum-Ost an der Urne verhindert, was ich immer noch sehr bedaure – und wohl nicht nur ich. «Wenn schon nicht mehr Raum für die Aare, dann wenigstens für die Menschen», denke ich, während ich an der überhängenden Platane vorbeikomme, deren Wurzeln unter dem Asphalt zu explodieren drohen und ich von einem übereifrigen Velofahrer gestreift werde. Die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht schafft das Stadtbauamt es in ein paar Jahren, die jetzige Situation zu ändern.

An der alten Stadtgärtnerei komme ich selten vorbei, ohne einen Blick auf die neu spriessenden Pflanzen und Kräuter zu werfen und etwas Kleines zu kaufen. Meistens bleibe ich für ein Kafi am Selbstbedienungsstand im lauschigen Garten und hänge in der Hollywoodschaukel wippend meinen Gedanken nach. Nicht heute.

Mein Ziel ist die Telli – der Minigolf-Platz wartet. Mit ein paar Freundinnen, einer Flaschen Prosecco und schönem Wetter ist das der perfekte Ort, den Sonntagnachmittag zu verbringen. Unprätentiös, im Schatten der «Staumauer» zwischen Aare, Hangartner-Areal und Tellistrasse gelegen, bietet die Anlage eine einfache Möglichkeit, sich zu vergnügen und dies, gerade auch auf für Familien, kostengünstig. Schon beim Betreten der Anlage lachen einem die Angestellten aus der kleinen Hütte entgegen, erklären geduldig alles nochmals, weil man das Prozedere während der Wintermonate wieder vergessen hat. Bereit stehen Tische und Sonnenschirme für junge und alte Tellianer/innen bereit, Gäste dieser etwas anderen Oase, eines der vielen Projekte des GZ Telli.

Wir starten unsere Runde, ein Ball nach dem anderen wird eingelocht, Punkte werden aufgeschrieben. Das Rauschen der Autos ist je nach Position der Bahn lauter oder leiser, im Hintergrund ist irgendwo ein Ghettoblaster zu hören und jugendliches Gelächter der Telli Boys & Girls. Wir reden darüber, dass das eine etwas andere Welt ist, fragen uns, weshalb die Telli als grösstes Quartier irgendwie immer noch im Schatten «der Stadt» liegt und ausser dem KiFF sonst weder Bars noch Restaurants zum Verweilen einladen und und ob das Projekt «Hang-Aar» vielleicht etwas daran ändert. Die Telli ist in der Politik sowieso untervertreten, finden die einen. So kommen wir schnell auf die Stadtratswahlen zu reden. Aber darüber vielleicht mehr in einer weiteren Kolumne.

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