Biberstein

Dieses Paar macht aus der Not eine Tugend – und wandert nach Costa Rica aus

Kati und Peter Diethelm aus Biberstein wandern in zwei Wochen aus. Ihr Ziel: Costa Rica. Hauptgrund für die Auswanderung sind die Finanzen.

Melanie Eichenberger
Drucken
Teilen
Nach Costa Rica mit dem Weihnachtsbaum
5 Bilder
Die Auswanderer freuen sich auf die Natur in ihrer neuen Heimat. Der Lago de Cachí ist ganz in der Nähe von Diethelms neuem Zuhause.
Das Grundstück fast so gross wie ein Fussballfeld, ein Haus mit Pool, Terrasse und Guesthouse haben sie für 250 000 Franken erworben. Die angefertigten Möbel sind im Preis inbegriffen.
Das Haus befindet sich ein bisschen oberhalb von der 12 000-Einwohner-Gemeinde Orosí auf 1200 Meter über Meer.

Nach Costa Rica mit dem Weihnachtsbaum

ME

Kati (53) und Peter Diethelm (63) kehren der Schweiz den Rücken. Auf und davon machen sie sich Mitte Dezember und wandern nach Costa Rica aus. Warum? «Wir machen aus der Not eine Tugend», sagt Peter Diethelm. Hauptgrund für die Auswanderung sind die Finanzen. Kati Diethelm hatte als Buchhalterin zweimal ein Burnout. Ihr Ehemann ist seit einer missglückten Hüftoperation im Jahr 2012 und vier weiteren Operationen arbeitsunfähig. Deshalb musste der ehemalige Versicherungsfachmann und ausgebildete Masseur vor zwei Jahren seine Gesundheitspraxis in Aarau schliessen. Die Pensionskasse ist für die Selbstständigkeit draufgegangen. «Bevor wir ein Fall für das Sozialamt werden, haben wir rechtzeitig nach einer Lösung gesucht», so Kati Diethelm.

«Das ganze Jahr Frühling»

Das weit gereiste Ehepaar, das schon über 30 Jahre verheiratet ist, hat sich vor einem Jahr entschlossen, auszuwandern. Ab diesem Zeitpunkt haben sie die verschiedenen Länder nicht mehr mit dem Auge des Touristen angeschaut, sondern mit dem des Auswanderers. Sie waren auf den Azoren, auf Sizilien, in Ungarn und schliesslich in Costa Rica. «Dieses Land ist gewaltig.» Nicht umsonst heisse es «die Schweiz von Mittelamerika». Der Lebensstandard sei hoch, die Sicherheitslage gut, und sogar das Leitungswasser könne man trinken. Im Juni dieses Jahres besuchten die beiden für zwei Wochen ihre Wunschdestination. Dies, um herauszufinden, in welcher Klimazone sie sich wohlfühlen würden. Schnell war klar, dass sie im Zentraltal von Costa Rica leben wollen. Genauer gesagt in Orosí – eineinhalb Autostunden von der Hauptstadt San José entfernt. «Dort ist es das ganze Jahr wie hier im Frühling», sagt Peter Diethelm. Tagsüber 25 Grad und in der Nacht angenehme 17 Grad. Dieses Klima tue ihnen gut.

Nach 10 Minuten ein Vorvertrag

In der Lodge, wo sie im Juni wohnten, hätten sie beim Zmorge die Besitzerin gefragt, ob man in Orosí Häuser kaufen kann. Zehn Minuten später sei José neben ihrem Tisch gestanden und zwei Tage später hätten sie bereits den Vorvertrag für den Hauskauf unterschrieben. Zurück in der Schweiz verkauften sie ihr Haus in Biberstein. Im September machten sie sich dann erneut auf nach Mittelamerika, um den Bau ihres Hauses zu begutachten. Der Container mit ihrem Hab und Gut ist bereits unterwegs nach Costa Rica. «Wir nehmen nur einen Drittel unseres Haushaltes mit», sagen sie. Darunter Kleider, Fotobücher, Souvenirs von ihren Reisen, ein Geschirr-Set, ein Plastik-Weihnachtsbaum und eine Garnitur Christbaumkugeln. Es sei wohltuend, sich auf ein Minimum zu beschränken und wieder einmal auszumisten. «Die Möbel verkaufen wir, den Rest werden wir am Tag der offenen Tür verschenken.»

Ein weit gereistes Büsi

Die Diethelms sind überzeugt: «In Costa Rica werden wir uns wohlfühlen.» Angst, dass es mit dem Auswandern nicht klappen könnte, haben sie nicht. Was ihnen fehlen wird? Ihre besten Freunde und eine der beiden Katzen. Für die Freunde haben sie ein Gästehaus bauen lassen. «Sie kommen uns sicher besuchen», so Peter Diethelm. Für die ältere Katze haben sie ein neues Zuhause bei den Nachbarn gefunden. Die jüngere Katze fliegt im selben Flugzeug wie die Diethelms nach Costa Rica – ein weit gereistes Büsi. Die Katze kommt nämlich ursprünglich aus Griechenland, ist mit einer Studentin in die Schweiz gekommen und hat sogar einen EU-Pass.