Aarau
Die Alte Reithalle in Aarau ist ein unbeheizbares, unbezahlbares Juwel

Die Aarauer Theaterszene hat genug vom Warten: Die Nutzung der Alten Reithalle soll beschlossen werden. Darüber war man sich am Podiumsgespräch über die Zukunft der Reithalle einig. Auf provisorischer Basis kann es nicht ewig weiter gehen.

Sabine Kuster
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Podiumsdiskussion mit Kulturvertreter über die Zukunft der alten Reithalle im alten Stall nebenan.

Podiumsdiskussion mit Kulturvertreter über die Zukunft der alten Reithalle im alten Stall nebenan.

Sabine Kuster

Die diesjährige Sommerbespielung der Alten Reithalle Aarau hat 2200 Zuschauer angelockt, die Auslastung lag bei 91 %. Zusammen mit dem Jugendtheaterfestival, den sonntäglichen Barbesuchern und den Zuschauern von Flamencos en route sind es gar 4000 Besucher, schätzt Theaterleiter Peter-Jakob Kelting. Die Zwischenlösung in der Alten Reithalle ist eine Erfolgsgeschichte und eine günstige dazu; bisher wurde kaum in Infrastruktur investiert.

Weil also nichts fix installiert ist, kann die Reithalle für jede Produktion komplett neu bespielt werden – ein Traum für Theatermacher. Sie und auch die Zuschauer schwärmen ausserdem von der einzigartigen Raumgefühl, ja gar ein Zauber bewohne die Halle.

Hindernis ist nicht überwunden

Und doch hatte das Podiumsgespräch am Donnerstagabend im Stall neben der Reithalle etwas von einem Krisengespräch. Denn die Planung der definitiven Nutzung mit dem Namen «Oxer» stagniert, seit vor zwei Jahren das Siegerprojekt aus dem Architekturwettbewerb gekürt worden ist.

«Wir stehen noch immer vor dem Oxer», sagte Walter Küng vom Aargauer Kuratorium, «ich wünschte, wir wären schon drüber.» Die Stadt Aarau solle endlich den Lead übernehmen und überlegen, wie die Reithalle definitiv genutzt werden soll. Mehr Geld für die Finanzierung konnte Küng jedoch nicht versprechen, dabei ist das Hindernis vor allem ein finanzielles.

«20 Millionen sind zu viel»

Der zuständige Stadtrat Hanspeter Hilfiker antwortete: «Ein 20 Millionen-schwerer Umbau ist momentan für die Stadt einfach nicht realisierbar.» Das sei ein zu grosser Betrag für die Sparte Theater und Tanz. Abreissen und neu bauen wäre günstiger, doch das wagte am Donnerstag niemand anzusprechen. «Wir wollen den Oxer», beteuerte Hilfiker. Man müsse das Projekt jetzt überarbeiten, halb so teuer soll er werden. «Das Ziel ist noch immer, den Oxer in dieser Legislaturperiode abstimmungsreif zu machen.»

Theater soll Aarau stärken

Aarau soll ein Zentrum für gutes Theater werden, die Szene entwickelt sich bereits in diese Richtung. Das würde Aaraus Identität stärken, wie die bestehenden Leuchttürme: Kunsthaus, Naturama und KiFF. Aber ein normales Stadttheater mit einem fixen Ensemble, soll der Oxer nicht werden. «Dieses Modell hat sich ausgelebt», sagte Christoph Haering, Leiter der Abteilung Literatur und Theater vom Migros Kulturprozent.

Kein Sprechtheater möglich

Warum die hochgelobte Halle nicht im Low-budget-Modus belassen, kam prompt die Frage aus dem Publikum, «ein zweites KuK brauchen wir nicht.» Die Theaterleute erwiderten, so wie sie jetzt Theater machen müssten, sei es extrem anstrengend, eigentlich ausbeuterisch. Ohne Heizung kann die Halle zudem nur im Sommer bespielt werden und die schlechte Akustik macht Sprechtheater unmöglich.

Kelting bilanzierte dennoch: «Der Fluch hat sich als Segen entpuppt.» Während des Wartens konnten die Theatermacher zeigen, was in der Alten Reithalle alles möglich ist. Was jetzt nötig ist – noch vor dem Entscheid übers Finanzielle – ist der Entscheid, wie der Raum längerfristig genutzt werden soll. So lautete die Forderung an den Stadtrat.

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