Küttigen

Die alte Mühle gab ihr Geheimnis preis

Die Denkmalpflege setzt eine spätgotische Deckenmalerei mit der Wichtigkeit von Schloss Wildegg gleich.

Hubert Keller
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Aargauer Zeitung

Als sich Kurt Fasnacht vor einem Jahr an die Sanierung des Obergeschosses seines Hauses machte, ahnte er nicht, welchen Schatz er entdecken sollte. Die alte Mühle an der Hauptstrasse in Küttigen steht zwar seit 1946 unter kantonalem Denkmalschutz, doch was unter der weiss bemalten Bretterverschalung, später hinzugefügten Wand- und Deckenschichten, Schmutz und Farbe versteckt gewesen war, überraschte selbst den kantonalen Denkmalpfleger Reto Nussbaumer: «Die spätbarocke Deckenbemalung muss den Vergleich mit überregional bekannteren Beispielen wie etwa dem Rittersaal im Schloss Wildegg nicht scheuen.»

Vom Müller zum Mühlendoktor

Kurt Fasnacht, welcher der Müllerlehre eine solche als Schreiner angeschlossen und dann während zwölf Jahren in einem Museum gearbeitet hatte, war vor sechs Jahren von Zürich her nach Küttigen gezogen. Er hatte sich selbstständig gemacht und restauriert seither als «Mühlendoktor», wie er sich bezeichnet, alte Mühlen. Dies war auch der Auslöser, für sich eine Mühle zu suchen.

Er wurde in Küttigen bei Hilda Dubs, der früheren Handarbeitslehrerin, fündig. Ihr Haus befand sich im Dornröschenschlaf, wie Kurt Fasnacht meint, und wartete darauf, geweckt zu werden.

Spätgotische Dekorationsmalerei

Doch nicht Dornröschen, sondern Kurt Fasnacht rieb sich die Augen – und mit ihm die Fachleute der Denkmalpflege. Restauratorin Ina Link, Scherz, wurde beigezogen. Schritt um Schritt offenbarte die Küttiger Mühle ihre einstmals prächtige Ausstattung. Als die Fachwerk-Trennwand zwischen Gang und Stube saniert wurde, war die Überraschung gleich ein weiteres Mal perfekt: Unter zahlreichen späteren Farb- und Materialschichten kam eine hochstehende, differenzierte Dekorationsmalerei zum Vorschein.

Die stattliche Mühle im Acker- und Weinbauerndorf Küttigen ist ein spätgotischer Mauerbau aus dem Jahr 1608. Die Müllerfamilien gehörten zu den begüterten Bewohnern eines Dorfes und damit zur ländlichen Oberschicht. Gemäss Denkmalpfleger bezeugen die in der Hauptstube freigelegten Reste der einst reichen Raumausstattung den Wohlstand und die Bedeutung der Küttiger Müller im 17. Jahrhundert.