Aarau
«Das Naturama ist noch immer eines der führenden Naturmuseen»

Das Naturama in Aarau feiert dieses Jahr sein 10-Jahr-Jubiläum. Direktor Peter Jann spricht im Interview über die aktuelle Bedeutung, das Publikum und die Zukunft seines Museums.

Hubert Keller
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Naturama-Direktor Peter Jann bei der «CO2-Waage», die das persönliche Umwelt-Verhalten darstellt. Kel

Naturama-Direktor Peter Jann bei der «CO2-Waage», die das persönliche Umwelt-Verhalten darstellt. Kel

Vor zehn Jahren ist das Naturama als eines der modernsten Naturmuseen der Schweiz eröffnet worden. Gegen 450000 Besucherinnen und Besucher haben seither das Naturama besucht. Wichtig für die konstante Attraktivität des Naturamas sind die wechselnden Sonderausstellungen.

Das Naturama ist aber mehr als nur ein Museum, es ist gleichzeitig ein KMU für Umweltbildung, Naturschutz und Nachhaltigkeit. Als Plattform im Spannungsfeld Natur, Mensch und Wirtschaft erbringt das Naturama für den Kanton Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen. Das Angebot reicht von Naturschutz- und Artenkenntniskursen, Erwachsenenbildung, Lehrerfortbildung, Mediothek, kulturellen Veranstaltungen bis hin zu spannenden Exkursionen.

Herr Jann, vor zehn Jahren ist das Naturama als eines der modernsten Naturmuseen der Schweiz eröffnet worden. Verdient es diesen Status noch?

Peter Jann: Das Naturama gehört mit seinem einzigartigen Betriebskonzept immer noch zu den führenden Naturmuseen, auch wenn andere, wie zum Beispiel Solothurn oder Olten, in der Zwischenzeit modernisiert worden sind oder gerade dabei sind, dies zu tun.

Was macht das Naturama denn so speziell?

Das Naturama ist nicht nur ein Museum im klassischen Sinn, sondern erfüllt darüber hinaus Aufgaben in den Bereichen Nachhaltigkeit, Naturschutz und Bildung. Für jeden dieser Bereiche besteht eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton. Unter dem Dach des Naturamas arbeiten Fachleute mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen. Diese Erfahrungen schaffen in der gemeinsamen Arbeit Mehrwerte, die Besuchern und der Öffentlichkeit über die Ausstellung zugänglich gemacht werden.

Museum und angewandter Naturschutz, wie geht das zusammen?

Ein Beispiel: Die Mitarbeitenden des Bereichs Naturschutz bringen einen enormen Fundus an botanischem und zoologischem Fachwissen sowie Kenntnisse über spezielle Naturstandorte im Kanton Aargau mit. Diese fliessen zum Beispiel ein in die Realisierung und das Begleitprogramm einer Ausstellung, aber auch in Bildungsangebote.

Nennen Sie uns doch ein Beispiel eines solchen Bildungsangebots?

Der Kurs «Schmetterlingsfreundliche Gärten», der sehr gut besucht war. Die Besucherinnen und Besucher werden mit solchen Kursangeboten sensibilisiert und motiviert, Natur im eigenen kleinen Garten auszuprobieren. Die Menschen verspüren den tiefen inneren Wunsch, im eigenen Umfeld ein Stück Natur zurückzugewinnen. Solche Bedürfnisse aufzunehmen, ist Teil unseres Auftrags.

Auch die Nachhaltigkeit des Kantons ist dem Naturama angegliedert...

...und erstellt im Auftrag des Kantons die Nachhaltigkeitsberichte. Der Aargau ist in Sachen Naturschutz und nachhaltiger Entwicklung in vielen Bereichen fortschrittlich.

Seit nicht mal einem Jahr Direktor des Naturamas und nicht länger in Aarau wohnhaft, sagen Sie das doch nur aus Höflichkeit.

Überhaupt nicht. Es ist so, der Aargau ist in Belangen des Naturschutzes durchaus vorbildlich. Der Kanton ist einerseits klein genug, dass gute Ideen, nicht nur ökologische Anliegen, in der Verwaltung ohne grosse Bürokratie umgesetzt werden, andererseits ist er gross genug, um genügend Mittel zur Verfügung stellen zu können. Nehmen Sie das Auenschutzprogramm, es ist beispielhaft.

Also setzen sich nachhaltiges Denken und Handeln durch?

Ja. Unser Bereich «Nachhaltigkeit» hat im Auftrag des Kantons einen Nachhaltigkeits-Check erarbeitet. Wie eine kürzlich durchgeführte Evaluation gezeigt hat, wird dieses Instrument innerhalb der Verwaltung, insbesondere von der Abteilung Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), rege angewendet.

Als das Naturama vor zehn Jahren eröffnet wurde, wollte man jährlich zwischen 40000 und 50000 Besucher gewinnen. Letztes Jahr waren es «nur» 38000. Ziel nicht erreicht?

40000 Besucher ist eine vernünftige Zielgrösse für unser Museum. Um diese zu halten, braucht es eine attraktive Dauerausstellung und Begleitveranstaltungen in ähnlicher Zahl und Qualität wie heute. Dies verlangt einen grossen Einsatz der Mitarbeitenden. Mehr Aufwand heisst aber nicht automatisch höhere Besucherzahlen. Ein Spezialkurs für Fachleute oder eine Weiterbildung für Lehrpersonen erfordert aufwändige Vorbereitung, schlägt sich aber eher bescheiden in der Besucherstatistik nieder. Besucherzahlen allein dürfen nicht das einzige Kriterium sein, an dem das Naturama gemessen wird.

Was für ein Publikum hat das Naturama?

Das Naturama ist grundsätzlich ein Familienmuseum. Die Ausstellung spricht alle Sinne an, sie vermittelt Wissen und Informationen in unterschiedlichsten Formen und Vertiefung, sodass auch Jugendliche und Erwachsene gut verweilen können, ohne dass es ihnen langweilig wird. Über die Veranstaltungen unserer Bereiche sprechen wir zudem auch Fachleute zum Beispiel aus dem Forstwesen, der Landwirtschaft und der Verwaltung an.

Wie packt das Naturama die nächsten zehn Jahre an?

Die Strukturen des Museums sind dem Wandel gut angepasst. Der Zukunftsteil muss noch dynamischer werden und neue Themen aufgreifen. Besucherinnen und Besucher, Kinder und Erwachsene in die Gestaltung des Museums einzubeziehen, könnte eine für beide Seiten fruchtbare Aufgabe mit der erwünschten Aussenwirkung sein. Siedlungsentwicklung und Siedlungsqualität, Verkehr und Energie, das sind die Zukunftsthemen, zu denen das Naturama essenzielle Beiträge leisten kann. Was heisst verdichtetes Bauen und wie gestalten wir innerhalb der Siedlungen die Erholungsräume?

Und welche Fragen stellen sich ausserhalb der Siedlungen?

Wie schützen und bewahren wir die Natur, die Auen, die Trockenstandorte, den Wald, und wie machen wir sie zugleich für den Menschen zugänglich und erlebbar? Solche Themen haben ein grosses Potenzial für die Ausstellung, aber auch für die Bildungs- und Kursangebote des Naturamas.

Und das Museum im klassischen Sinn, das Museum, das sammelt und aufbewahrt?

Kernaufgaben eines jeden Museums sind per Definition: sammeln, restaurieren, bewahren, forschen und vermitteln. Das zeigen wir im Jubiläumsjahr mit zehn nicht alltäglichen Objekten aus zehn Jahren Sammeltätigkeit, präsentiert in einer ganz besonderen Jubiläumsvitrine.

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