Aarau
Bühnenkünstler weibeln für das neue Theaterhaus «Oxer»

In fünf Jahren soll nur noch der neue Name an die alte Reithalle in Aarau erinnern. Das Gebäude mitten in der Stadt soll bis 2016 zum Theaterhaus namens «Oxer» (Hochweitsprungstange im Pferdesport) umgebaut werden.

Thomas Röthlin
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Ein Vorhaben vom Kanton Aarau und der Stadt Aarau für die «Tuchlaube» und die freien Theatergruppen, das 2006 startete und punkto Zeit- und Geldbedarf bald massiv nach oben korrigiert werden musste. Der Baukredit dürfte an die 20 Mio. Franken betragen.

Im Moment läuft ein Architekturwettbewerb. «Für die Aufgabenstellung wird eine architektonisch, betrieblich, ökologisch und wirtschaftlich gute Lösung gesucht», sagt Stadtrat Carlo Mettauer. Die Vorschläge der teilnehmenden Büros werden Anfang 2012 juriert und im Frühling öffentlich ausgestellt. Sie konnten das Areal Ende Juli begehen und haben bis Ende November Zeit, ihr Projekt auszuarbeiten.

Auf Lokalität zugeschnitten

Damit das Projekt für eine mittelgrosse Bühne mit gesamtaargauischer Ausstrahlung bis 2016 nicht vergessen geht, wird die Reithalle nach der Ausstellung «Helvetia Park» des umzubauenden Stadtmuseums Schlössli jetzt auch von Theaterschaffenden im weitesten Sinn zwischengenutzt. Die im Frühling gegründete Interessengemeinschaft (IG) Darstellende Künste Aargau T.u.T. (Theater und Tanz) lädt ab 9. September zum ersten «Sommer in der Reithalle», einer dreijährigen Veranstaltungsreihe.

Die diesjährigen Projekte, die auf die Lokalität zugeschnitten sind, firmieren unter der Affiche «Spiel(t)räume». Sie nutzen die Infrastruktur, die der «Helvetia Park» hinterlässt, und bestehen aus einem nächtlichen Indoor-Zeltlager, einer begehbaren Theaterinstallation, Jazzkonzerten und Musiktheater und einer Performance zum Thema Social Media (siehe Text unten).

Politischen Prozess begleiten

Weil der «Oxer» ein Mehrspartentheater werde, seien auch die «Spiel(t)räume» breit aufgestellt, sagt Peter-Jakob Kelting namens der IG. Der neue Leiter des Theaters Tuchlaube engagiert sich für T.u.T., weil das Schicksal seines Hauses eng mit dem «Oxer» verbunden ist: Die «Tuchlaube» soll, weil sie am heutigen Ort in der Altstadt architektonisch nicht mehr genügt, in die umgebaute Reithalle integriert werden.

Kelting und seine Mitstreiter wollen mit der Zwischennutzung «Goodwill schaffen» für das neue Kulturhaus, das «in der Öffentlichkeit bisher nur als Kostenfaktor wahrgenommen» werde. Neben der einmaligen Investition, die Stadt und Kanton paritätisch tragen sollen, fallen jährliche Betriebskosten über 2Mio. Franken an, was eine Verdoppelung der heutigen Subventionen an die «Tuchlaube» nach sich ziehen würde. «Wir begleiten den politischen Prozess mit dem, was wir am besten können: Theater machen», sagt Kelting. Damit die Stimmbürger wüssten, worüber dereinst eigentlich abgestimmt werde.

«Unbedingt notwendig»

Auch der «Sommer in der Reithalle» ist nicht gratis zu haben. 2011 ist finanziert durch den Swisslos-Fonds, das Aargauer Kuratorium und private Stiftungen. Für 2012 und 2013 sind Finanzierungsgesuche bei der Stadt Aarau hängig.

Die Präsidentin des Kuratoriums Irene Näf hält die Zwischennutzung der alten Reithalle durch die T.u.T. für «unbedingt notwendig, um das Bewusstsein der Bevölkerung und auch der Theaterschaffenden lebendig zu halten. Diese ersetze aber «auf keinen Fall einen ausgebauten ‹Oxer›».

Kelting wirbt für die Umnutzung der Reithalle so: «Der ‹Oxer› ist nicht nur wichtig für die Attraktivität der Stadt, er ersetzt auch die gefühlte Brache zwischen der Altstadt und Aaraus Transitachsen.» Nicht die Theaterleute hätten ein Problem, wenn die neue Bühne nicht zustande kommen sollte. «Die Stadt hätte ein Problem».

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