Aarau
Aus der ganzen Schweiz kommen sie an den Rüeblimärt – auch diese Gruppe aus dem Emmental

Die AZ hat eine ganz besondere Reiseschar am Aarauer Markt begleitet: die 12-köpfige Frauenreisegruppe von Fleur Frey (91) aus dem Emmental. Seit 37 Jahren sind die Freundinnen gemeinsam unterwegs.

Katja Schlegel
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Frauenreisegruppe Fleur Frey am Rübelimärt
19 Bilder
Agnes Henz erzählt den Frauen noch im Car aus Aaraus Geschichte.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Fleur Frey.
Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Enkelin Andrina Fels.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Fleur Frey mit Enkelin Andrina Fels.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.
Enkelin Andrina Fels.
Fleur Frey mit Enkelin Andrina Fels.
Fleur Frey.
Seit 37 Jahren gemeinsam unterwegs: die Freundinnen von Fleur Frey.

Frauenreisegruppe Fleur Frey am Rübelimärt

Sandra Ardizzone

Die Frau am Nebentisch räuspert sich. «Entschuldigung», sagt sie dann, und nickt mit dem Kopf zur langen Tafel hin. «Was sind das für Frauen?» Sie habe es beobachtet, dieses glatte Trüppchen, und sei begeistert.

Diese Frauen am Nebentisch. Es ist keine gewöhnliche Gruppe. Auch an diesem Tag nicht, dem Rüeblimärt, an dem sich Hunderte Frauengruppen aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland durch den Graben und die Altstadt schieben.

Es ist die Gruppe von Fleur Frey aus Lützelflüh-Goldbach im Emmental. Seit 37 Jahren organisiert sie Reisen für sich und ihre Freundinnen. Zwei bis drei pro Jahr, früher meist mehrtägige ins Ausland, heute eintägige in der Schweiz. «Wir werden halt auch nicht mehr jünger», sagt Fleur Frey und lacht. Sie selbst ist 91 Jahre alt.

Das sind die Bilder vom Rüeblimarkt 2019

Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
129 Bilder
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Diese beiden Frauen sind für den Rüeblimärt extra aus dem Wallis angereist (Region Zermatt/Visp).
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.
Aargauer Red Bull gibts auch am Rüeblimärt
Fast kein Durchkommen mehr um halb 11 Uhr morgens.
Die Rüebli in leuchtenden Prachtfarben.
Das Rüebli-Glücksrad – ein Hingucker
Reisecars haben Hunderte Besucher nach Aarau gebracht
Italienischsprachige Besucher sind auch am Rüeblimärt
Was man aus Rüebli alles zaubern kann.
Selbst zu Käse lässt sich die Knolle verarbeiten.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019
Etwas Süsses zum Zmorge?
AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli gönnt sich lieber eine Rüebli-Wurst.
Auch der Aargauer Finanzminister lässt sich den Rüeblimärt nicht entgehen. «Rüebli für d Regierigsröt», sagt ein gut gelaunter Markus Dieth.
Von Kopf bis Fuss auf Rüebli eingestellt.
Kurz vor 7 Uhr sieht man im Aarauer Graben vor allem Stände und ihre Betreiber. Doch es wird noch voll!
Orange ist heute die dominierende Farbe in der Aarauer Altstadt. Der erste Stand lockt mit Dutzenden von Rüebli.
Die ersten Stände sind schon tiptop eingerichtet – der Aarauer Rüeblimärt kann in gut einer Stunde losgehen!
Keiner zu klein, ein Rüebli zu sein.
Hier steckt viel Liebe im Detail.
Es füllt sich im Aarauer Graben.
Wissen Sie, was das ist? Ja, ich musste auch fragen. Der Verdacht hat sich bestätigt: Es sind Riesen-Rüebli-Meringue!
Der geschäftige Chef lässt sich dann auch noch zu einem Foto überreden mit den orangen Kugeln.

Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt 2019.

Mona Martin

An diesem Tag sind elf Frauen in Aarau mit dabei; zehn Freundinnen und Enkelin Andrina Fels. In die Wege geleitet hat alles Reiseleiterin Frey, den Tipp aber hat sie vom Reisebüro ihres Vertrauens, das die Reise auch organisiert hat.

Sie selbst hatte davor vom Rüeblimärt noch nie etwas gehört, und auch Aarau habe sie bislang nicht wirklich gekannt. Und das, sagt sie und zuckt entschuldigend mit den Schultern, obwohl doch ihr Mann eigentlich gebürtiger Aarauer sei.

Da wird es rasch schwierig mit dem Zusammenbleiben

Doch Ortsunkenntnis bringt sie nicht aus der Ruhe. Den Stadtplan hat sie schliesslich im Sack und den Tisch im «El Camino» hat sie bei einem Besuch in Aarau vor ein paar Tagen höchstpersönlich reserviert. Zielstrebig steuert Fleur Frey mit ihrem Rollator auf den Graben zu, die Kapuze der Regenjacke tief in der Stirn, und ruft ihren Frauen zu: «Zämebliibe, suscht sinder verlore!»

Es ist ein hehrer Wunsch, das mit dem Zusammenbleiben. Zwölf Frauen unter Tausenden anderen; das dauert nicht lange, bis eine hängenbleibt. «Lue da, dä Tanneboum», juchzt die Erste und zieht das Handy aus dem Sack. Rüebli als Tannenschmuck, so etwas haben die Frauen noch nie gesehen.

Und so geht das weiter, schaut da, schaut dort, da die schönen Gemüsegesichter, dort die hübsche Dekoration, da die purpurnen Rüebli und hier, das ganz spezielle Chüttiger Rüebli. Und dann erst noch die lustigen Namen, die die Gewächse tragen: Herbstbrise, Schneewittchen, kleiner Prinz, Bluepower, Sonneschin, Viola, und allesamt gibt es sie nicht nur am Stück, sondern auch geraffelt, gemörsert, gekocht, frittiert, gebacken, ausgekocht, zersaftet und gequetscht, als Wurst und Sirup, als Mütze oder Bettwärmer, als Kugelschreiber oder Fensterschmuck.

Rübenland wäre korrekt

Das Rüebli ist jedermanns Liebling, aber noch etwas lieber ist es dem Aargauer. Die Bezeichnung «Rüeblikanton» kommt ja nicht von umsonst – oder etwa doch?
Wann der Begriff Rüebliland als Bezeichnung für den Kanton Aargau aufkam, ist unbekannt, schreibt das Staatsarchiv. Aber wenn man dieser Bezeichnung nachgeht, kommt der Verdacht auf, dass es sich um einen nicht ganz korrekten Übernamen handeln könnte.

Denn offenbar wurden alle Rüben in einen Topf geworfen. Vor allem im Berner Aargau wurde früher tatsächlich viel Wurzelgemüse angepflanzt, allerdings vermuten die Sprachwissenschafter, dass es sich dabei um Rüben gehandelt habe. Niklaus Bigler, ehemaliger Idiotikon-Redaktor, vermutet, dass es sich um die gelben und weissen Rüben handelt. Diese würden sich weniger für die Rüeblitorte eignen, sondern wurden roh vor allem vom Vieh verspeist. Und vor allem sahen sie auch nicht so schön aus wie ein orangefarbenes Rüebli.

Diese pflanzten laut dem Staatsarchiv vor allem die Bauern im Wallis, im Berner und Freiburger Seeland sowie im Thurgau an. Trotzdem wurden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Postkarten mit Dorf- und Städtebildern aus dem Aargau gern mit orangefarbenen Rüebli verziert. Sie haben dazu beigetragen, dass der Aargau in der Schweiz als Rüeblikanton wahrgenommen wurde. Auch wenn der Name eigentlich auf einer ordinären Futterrübe basiert.

Ein Trostpflaster liefert die Archäologie. Die ältesten Rüebli-Samen sollen in Schweizer Pfahlbausiedlungen gefunden worden sein – etwa auch in der am Hallwilersee? «In Proben, die wir 2017 in Zusammenhang mit den Schutzmassnahmen der Unesco-Fundstelle Beinwil-Ägelmoos genommen haben, haben wir tatsächlich Samen der Wilden Möhre identifiziert», sagt Kantonsarchäologe Gregor Matter. Diese sind mit einem Alter von rund 3600 Jahren zwar nicht die ältesten der Welt, aber doch immerhin ein gutes Argument dafür, dass der Übername «Rüeblikanton» nicht nur ein Missverständnis ist. (jgl/ksc)

Eine Reise ins einstige Untertanengebiet

Die Bernerinnen sind nicht nur der Rüebli wegen nach Aarau gekommen. Das sei zwar alles sehr nett zum Anschauen, die Kreativität der Wahnsinn. «Aber wir brauchen noch etwas für den Kopf.»

Mit geistiger Nahrung gefüttert hat sie Agnes Henz vom Tourismusbüro aarau info: die Stadtgeschichte Aaraus, mit herausgeschälten Bern-Geschichten. Mit der Berner Herrschaft natürlich. Oder dem Obertorturm: «Ihr habt mit dem Zytglogge den schönsten Mittelalterturm, aber wir haben den höchsten.»

Ihnen gehe es nicht nur ums Reisen und Sehen, sondern ums Entdecken von unbekannten Schönheiten, von speziellen Orten. «Aarau passt da wunderbar in unser Konzept», sagt Fleur Frey nach dem Bummel. Aber das Allerwichtigste an diesen Reisen, das sei etwas anderes: «Die Freundschaft untereinander. Diese Stimmung, dieses Aufgehobensein.»

Etwas, das viel Arbeit erfordere, sich aber doppelt und dreifach lohne. Das treibe sie an, seit 37 Jahren diese Reisen zu organisieren. «Diese schönen Erlebnisse sind Lebensqualität.» Sagt es und verabschiedet sich. Sie will zurück. Zurück zu ihren Freundinnen, die im «Camino» auf sie warten.