Aarau
Asylsuchende arbeiten im Werkhof: Ohne freiwillige Betreuer geht es nicht

Im Werkhof werden Asylsuchende beschäftigt. Das Projekt stösst bei den Asylsuchenden auf grosses Interesse und soll auf unbestimmte Zeit weitergeführt werden. Doch der Aufwand dafür ist gross und steht und fällt mit den freiwilligen Betreuungspersonen.

Ueli Wild
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Zwei Schneider aus Afghanistan produzieren Taschen aus alten Fahnen, Werkhofleiterin Regina Wenk hatte die Idee.

Zwei Schneider aus Afghanistan produzieren Taschen aus alten Fahnen, Werkhofleiterin Regina Wenk hatte die Idee.

Ueli Wild

Zwei Schneider nähen im Aarauer Werkhof Stofftaschen. Das Material ist robust, das Design nicht alltäglich. Als erstes blickt einem der Uri-Stier entgegen. Was die beiden Männer fachmännisch mit Schere und Nähmaschine traktieren, sind alte Fahnen aus dem Bestand der Stadt. Die beiden Schneider stammen aus Afghanistan und wohnen in der Asylunterkunft in der Geschützten Operationsstelle (Gops) des Kantonsspitals. Sie gehören zu den acht Asylsuchenden, die seit dem 18. April im Rahmen eines Pilotprojekts der Stadt im Werkhof beschäftigt werden.

Die Idee mit den Taschen stammt von Werkhofchefin Regina Wenk. «Als ich vernahm, dass zwei Schneider dabei sind, fielen mir die alten Fahnen ein.» Wenk brachte ihre Nähmaschine mit. Inzwischen ist eine zweite dazu gekommen. Was mit den Taschen geschieht, ist noch nicht klar. «Vielleicht», lässt Wenk durchblicken, «werden sie bei Aarau Info verkauft.»

Im Raum Aarau leben rund 2000 Asylsuchende. Die Zunahme ist im öffentlichen Raum spürbar und aufgrund der Reaktionen aus der Bevölkerung haben die zuständige Stadträtin Regina Jäggi, Jan Hlavica, der Leiter des Stadtbauamtes, und Werkhofleiterin Regina Wenk die Idee entwickelt: ein niederschwelliges Beschäftigungsangebot für Asylsuchende. «Es handelt sich um eine Beschäftigung«, betont Regina Jäggi, «nicht um eine Arbeit. Die Männer nehmen niemandem einen Job weg.» Für die Pflege eines Gartens kämen die Asylsuchenden nicht infrage. «Dafür gibt es den Gärtner.»

Grosses Interesse bei Asylsuchenden

In der Gops halten sich 280 bis 300 Personen auf. Aus ihnen haben die Betreuer von der Firma ORS Service AG acht Freiwillige ausgewählt, die von Montag bis Freitag jeweils nachmittags für den Werkhof im Einsatz sind. Die Männer stammen aus Afghanistan, Pakistan, Eritrea, Somalia und Ghana. Nach zwei Wochen sollen, da das Interesse gross ist, jeweils vier von ihnen ausgetauscht werden.

Dreier- oder Viererteams betätigen sich, unterstützt von einer freiwilligen Betreuungsperson, beispielsweise im Bereich Ufer- und Grünunterhalt und, eben, als Produzenten von Taschen aus Recyclingmaterial. Sie erhalten ein kleines Taschengeld und eine Arbeitsbestätigung. Die Versicherungsfragen hat Marianne Iseli, Leiterin des städtischen Personalamtes, geklärt. Die Asylsuchenden sind gegen Unfall und Krankheit versichert. Die Haftpflichtversicherung läuft über die Stadt Aarau.

Regina Jäggi spricht von einer Win-win-Situation. «Wir wollen mit dem Projekt weiterfahren.» Dies auf unbestimmte Zeit. Auch wolle man gerne weitere Abteilungen der Stadt einbeziehen. Dann liessen sich eventuell auch mehr als acht Asylsuchende gleichzeitig beschäftigen. Allerdings bräuchte es dafür mehr freiwillige Betreuungspersonen. Englischkenntnisse seien von Vorteil, räumt Stadträtin Jäggi ein. Ansonsten seien keine besonderen Kenntnisse oder Fähigkeiten erforderlich. Schliesslich leiste der Werkhof am Anfang ja die nötige Hilfestellung.

Klar wird im Gespräch mit Jäggi und Wenk: Der Werkhof selber kann nicht beliebig Kapazität für die Betreuung der beschäftigten Asylsuchenden freimachen. «Mit den Betreuungspersonen steht und fällt das Ganze», betont Werkhofleiterin Regina Wenk, «sie sind der Schlüssel.» Wer sich berufen fühlt, kann sich unter beschaeftigung@aarau.ch melden.

Eine gewisse Entlastung verspreche man sich auch von der Koordinationsstelle für Freiwillige, lässt Stadträtin Angelica Cavegn Leitner durchblicken. Die Stelle soll ab Anfang Juli für drei Jahre im Raum Aarau-Buchs-Suhr private, kirchliche und kommunale Beschäftigungsangebote koordinieren. Der Kanton hat

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