Adventskalender (15)
An diesem Türschloss biss sich die Densbürer Dorfjugend die Zähne aus

Fährt man von Frick her ins Dorf, fallen einem die Bunker links und rechts der Strasse auf. Einer wird noch heute verteidigt.

Katja Schlegel
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Die Tür am Waldrand. Einst wurde diese schwere Türe in Densbüren gebaut, um die Männer im Innern zu schützen. Später probierte die Dorfjugend vergeblich, sie aufzubrechen. Und noch heute wird das Dahinter heftig verteidigt.

Die Tür am Waldrand. Einst wurde diese schwere Türe in Densbüren gebaut, um die Männer im Innern zu schützen. Später probierte die Dorfjugend vergeblich, sie aufzubrechen. Und noch heute wird das Dahinter heftig verteidigt.

Emanuel Freudiger

Der Krieg ist längst vorbei, die Aussicht ins Tal verwachsen. Und doch wird der Bunker in der Densbürer Breiti noch heute von blutrünstigen Kämpfern verteidigt. Wild schwirren sie herum, aufgescheucht vom Reisigbesen, der sie aus den Laubhaufen und von den Wänden gefegt hat, suchen sie nach einem Stücklein Haut, das sich anzugreifen lohnt.

Doch auch ohne angriffslustige Mückenschwadron; wer nicht in den Infanteriebunker rein soll, kommt auch nicht rein. Vergeblich hatte jeweils die übermütige Dorfjugend probiert, in den geheimnisvollen Bau einzudringen. Da ist nicht nur das Türschloss, sondern davor noch ein massives Vorhängeschloss, das die Abdeckung des Schlosses sichert. Den Schlüssel am Bund trägt der Gemeindeammann Roger Meyer höchstpersönlich.

An der dicksten Stelle ist der Beton zwei Meter dick. Platz hatten die Männer nicht viel.

An der dicksten Stelle ist der Beton zwei Meter dick. Platz hatten die Männer nicht viel.

Emanuel Freudiger

Umschreiben war teurer

Doch das ist eher Zufall. Der Bunker gehört nicht der Gemeinde, sondern Meyers Firma. Sie hat die Verteidigungsanlage vor rund zehn Jahre von der Armasuisse abgekauft. Für wie viel, das will Meyer nicht verraten. Nur so viel: «Ein Bunker mit Blick auf den Rhein kostet ein Vielfaches von dem, was dieser Bunker hier gekostet hat.» Und das Umschreiben sei schlussendlich teurer gewesen, als der Bunker selbst.

Die schwere Tür bewegt sich kreischend in den Angeln, ein paar Spinnweben dehnen sich im Durchzug. Im Betonklotz drin riecht es nicht etwa feucht, sondern staubig. Am Boden liegt Laub, ein alter Gartenstuhl steht an der Wand. An einer Tür klebt eine Etikette mit Zahlen, Kürzeln und Daten; bis 1990 muss die Anlage im Zweijahresrhythmus kontrolliert worden sein. Ansonsten ist der Raum leer, die Geschütze wurden längst abmontiert. Über eine Leiter geht es hinunter in die Mannschaftsräume, in der Luke hängen dicke, schwarze Spinnen.

Wie viele Mannen hier in den Kriegsjahren ausharrten und ins Tal dem Feind entgegenstierten, weiss Meyer nicht. Gebaut wurde der Infanteriebunker als Teil der Sperrstelle Densbüren, die wiederum Teil der Aargauer «Jurastellung» war. Erstellt wurde sie um 1939 und 1940 unter der Leitung der 3. Division. Insgesamt umfasste die Stellung an der Staffeleggstrasse mitsamt allen Kanonenständen, Panzerhindernissen, Barrikaden und Kanonenschilden 15 Anlagen. Die Sperrstelle war nicht nur wegen ihrer Vielfalt an Kampfanlagen, sondern auch wegen ihrer Lage in der engen Talstelle sehr wichtig, schreibt die Armasuisse in einer Broschüre.

Was Meyer dereinst mit dem ausrangierten Bunker anstellen wird, ist noch nicht klar. Eine verrückte Idee spukt ihm aber schon lange im Kopf herum: Den Bunker zum Sitzungszimmer für seine Firma umfunktionieren. «Die Vertreter würden sicher staunen, wenn ich sie für die Sitzung in einen alten Schweizer Armeebunker führen würde.»

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