Aarau

Aarau: In der Altstadt hat kein Ladeninhaber Angst vor Bahnhof-Konkurrenz

Wirtschaftsstudenten untersuchten den Einfluss des Bahnhofs auf die Altstadt-Geschäfte. Die Altstadt hat einen Vorteil , welche die anderen nicht haben, nämlich das besondere Erlebnis. Und: Aarau hat mehr Arbeitsplätze als Wohnräume.

Hubert Keller
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Erfahren die Geschäfte in der Stadt (Altstadt) den Bahnhof als Konkurrenz? 63 Prozent der Ladeninhaber verneinen, da sie sich durch ihr Sortiment, massgeschneiderte Dienstleistungen und Produkte sowie durch die persönliche Kundenbeziehung profilierten. 38 Prozent der Geschäftsinhaber in der Altstadt sehen den Bahnhof zwar als Konkurrenz, aber auch als Erweiterung.

Im Oktober 2010 ist der neue Bahnhof eröffnet worden. Bereits wenige Monate später untersuchten Studenten der Fachschule für Wirtschaft HFW Aarau mit ihrer Diplomarbeit den Einfluss des Bahnhof-Shoppings auf die Detailhändler in der Altstadt.

Aarau: Mehr Arbeitsplätze als Wohnraum

Die drei Studenten Selma Mujanovic, Senela Rustic und Matthias Knechtli registrieren bei Spontaneinkäufen vor allem im Convenience-Bereich (Getränke, Food, auch Blumen oder Artikel aus der Apotheke) eine spürbare Umlagerung.

Mit rund 25000 Arbeitsplätzen bietet Aarau mehr Menschen Arbeit als Wohnraum. Mehr als die Hälfte der in Aarau arbeitenden Menschen lebt in den Agglomerationsgemeinden oder in der weiteren Umgebung. Dadurch entstehen an Werktagen grosse Pendlerströme. Der Bahnhof hat deshalb ein grosses Marktpotenzial, das bald einmal zwei Dutzend Geschäfte nutzen.

Die aktuelle Diplomarbeit schliesst an die Arbeit «Quo vadis Gewerbe Altstadt Aarau?» an, die HFW-Studenten vor einem Jahr gemacht haben. Auch diese neuerliche Untersuchung erfolgte auf Anregung von Marcel Suter. Er ist Präsident des Vereins Zentrum Aarau, in dem gegen 100 Fachgeschäfte, Dienstleistungsbetriebe und Restaurants organisiert sind mit dem Ziel, Aarau als Einkaufszentrum zu bewerben.

Von einer gemeinsamen Dachkampagne Altstadt-Bahnhof, wie sie die Studenten vorschlagen, hält Suter dennoch nicht viel. «Die Altstadt hat, erst recht nach Abschluss der Sanierung der Gassen, eine Chance, welche die anderen – nebst Bahnhof auch Telli und Gais-Center – nicht haben, nämlich das besondere Erlebnis», sagt Suter. Diese emotionale Qualität müsse verstärkt gelebt und kommuniziert werden.

Öffnungszeiten sprechen für den Bahnhof

Einen wichtigen Marktvorteil machen die HFW-Studenten bei den Öffnungszeiten fest. Die Stadt ist dem Ladenöffnungsgesetz unterstellt, der Bahnhof dem Gesetz für Bundesbahnen, das den Läden im Bahnhof grosszügige Öffnungszeiten, insbesondere am Sonntag erlaubt.

Der Bahnhof nützt den Spielraum aus. Die meisten Läden haben bis 22 Uhr offen. Anders die Geschäfte in der Stadt, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht in der Lage sind, den Spielraum, den ihnen das Gesetz erlaubt, auszuschöpfen.

MarcelSuterglaubt nicht, dass darin ein wirtschaftlich relevanter Unterschied liegt. Allerdings erwartet er von der Stadt Voraussetzungen, die Innovation und Initiative (vermehrt oder wieder) möglich machen. Suter meint vor allem die Nutzungsvorschriften für den öffentlichen Raum, sprich Strassen und Gassen.