Aarau
Alte Reithalle, Pont Neuf, Aarenau: In der Stadt wird mächtig gebaut – davon handeln die Neujahrsblätter 2022

Die Neujahrsblätter 2022 wurden am Donnerstagabend offiziell vorgestellt. Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker und Arta-Präsidentin Christine Egerszegi mussten sich beim Anlass auch einigen unbequemen Fragen stellen.

Daniel Vizentini
Drucken
Teilen
Sie konnten die Aarauer Neujahrsblätter 2022 in der Mensa der Alten Kanti Aarau vorstellen (von links): Hanspeter Hilfiker (Stadtpräsident), Verena Naegele (Mitglied der Redaktionskommission), Christine Egerszegi (Präsidentin des Vereins Arta), Martin Tschannen (Präsident der Redaktionskommission).

Sie konnten die Aarauer Neujahrsblätter 2022 in der Mensa der Alten Kanti Aarau vorstellen (von links): Hanspeter Hilfiker (Stadtpräsident), Verena Naegele (Mitglied der Redaktionskommission), Christine Egerszegi (Präsidentin des Vereins Arta), Martin Tschannen (Präsident der Redaktionskommission).

Bild: Daniel Vizentini

Verglichen mit den letzten Jahren ist diese Ausgabe der Neujahrsblätter wohl diejenige mit dem meisten Aktualitätsbezug: Nachdem die letzten beiden den Themen Bahnverkehr oder Frauenstimmrecht gewidmet waren, handeln die Aarauer Neujahrsblätter 2022 von etwas, das aktuell allgegenwärtig in der Stadt geschieht: dem Bauen.

Nebst Strassensanierungen wie beim Autobahnzubringer und der Rohrerstrasse oder der Erneuerung der Telli-Blöcke fallen aktuell vor allem die Grossprojekte Pont Neuf, Bahnhof Süd, die neuen Siedlungen in der Aarenau oder die Alte Reithalle auf. Auch historische Bauwerke werden in den Neujahrsblättern behandelt, wie etwa die Wohnkolonie Obere Telli. Architekt George Pfiffner schreibt zudem über die Herausforderung, bestehende Gebäude umzubauen.

Doch die Neujahrsblätter 2022 handeln nicht nur vom Bauen. Zu lesen gibt es auch Porträts von Zahnarzt Omar Melke, Sprachlehrerin Mariangela Riediker, Psychotherapeutin Margherita Viviani oder Entsorgbar-Mitarbeiterin Casandra Hächler-Moldovan. Biologe Thomas Waldmeier schreibt über Wild- und Honigbienen, Kreisschulpflege-Präsident Daniel Fondato über die Änderung der Schulstrukturen.

Marco Salvini, der sonst so zurückhaltende Projektleiter des gescheiterten Fusionsprojekts Zukunftsraum, gewährt in einem Interview erstmals öffentlich Einblick dazu, wie ihn das Projekt persönlich bewegt hat und wie er auch auf der Strasse immer wieder als «Mister Zukunftsraum» wiedererkannt wurde.

Abgerundet wird das Buch von längeren Texten zu historischen Ereignissen wie dem 150-Jahr-Jubiläum der Christkatholischen Kirchgemeinde Aarau, dem 250. Geburtstag von Heinrich Zschokke sowie mit der Fortsetzung der Biografie von Pianistin Alice Landolt, die in den Neujahrsblättern 2021 begonnen hatte.

Die Aarauer Neujahrsblätter 2022 sind ab jetzt erhältlich.

Die Aarauer Neujahrsblätter 2022 sind ab jetzt erhältlich.

Bild: Daniel Vizentini

Porträtiert wird auch der inzwischen 150-jährige Park bei der Alten Kanti. Passend dazu fand die Vernissage in der dortigen Mensa statt. Martin Tschannen, Präsident der Redaktionskommission, war froh, diese 96. Ausgabe der Aarauer Neujahrsblätter nach dem letztjährigen Corona-Unterbruch öffentlich vorstellen zu können.

In einem kurzen Interview vor Publikum schaffte er es, bei Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker gewieft das eine oder andere knifflige Thema zu deponieren. Etwa, warum das Kasernenareal mitten in der Stadt weiterhin für die Zivilbevölkerung gesperrt ist und damit der Zugang zur frisch renovierten Alten Reithalle erschwert wird. Oder auch, dass in den Neujahrsblättern kein Text zum KSA-Neubau erschienen ist, weil sich «vor erteilter Baubewilligung niemand die Finger daran verbrennen wollte», so Martin Tschannen.

Hanspeter Hilfiker nahm es mit Humor. Wenn er drei Wünsche frei hätte, antwortete er auf eine Frage Tschannens, wären diese: «Eine breit akzeptierte Verkehrsführung beim KSA», dass sich der Kanton für die vom Stadtrat vorgeschlagene Sanierung der Vorderen Vorstadt mit Asphalt und ohne Offenlegung des Stadtbachs entscheidet und dass bei Bauvorhaben nie mehr eine Einsprache eingereicht wird.

Martin Tschannen (links), Präsident der Redaktionskommission, im Interview mit Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Martin Tschannen (links), Präsident der Redaktionskommission, im Interview mit Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker.

Bild: Daniel Vizentini

Kritik auch zur Alten Reithalle

Die frühere Ständerätin Christine Egerszegi, heute Präsidentin des Vereins Alte Reithalle Tuchlaube Aarau (Arta), musste sich ihrerseits Kritik zum frisch eröffneten Kulturhaus stellen.

Musikhistorikerin Verena Naegele, Mitglied der Redaktionskommission der Neujahrsblätter, berichtete ihr von den Schwierigkeiten beim Eröffnungskonzert von Argovia Philharmonic, als die Garderoben im engen Eingangsbereich der Alten Reithalle überladen waren und das Publikum vor dem Eingang im Regen anstehen musste. Christine Egerszegi räumte ein, dass «die Kinderkrankheiten» des renovierten Lokals nun ausgemerzt werden sollen.

Verena Naegele (links), Mitglied der Redaktionskommission, im Interview mit Christine Egerszegi, Präsidentin des Vereins Arta.

Verena Naegele (links), Mitglied der Redaktionskommission, im Interview mit Christine Egerszegi, Präsidentin des Vereins Arta.

Bild: Daniel Vizentini

Zum Schluss offenbarte Martin Tschannen noch das Thema der nächsten Neujahrsblätter: der Sport in Aarau. «Keine Angst, gemeint ist nicht der FC Aarau, sondern der Sport, den man eher weniger wahrnimmt.»

Aktuelle Nachrichten