10 Jahre nach Fukushima
Atom-Gegner möchten wissen, wie die Bevölkerung coronakonform evakuiert würde

Zehn Jahre sind seit der Atomkatastrophe von Fukushima vergangen. Aus diesem Anlass will das Aktionskomitee «Nie wieder AKW» (NWA) von Bundesrätin Viola Amherd wissen, wie es mit der Evakuierungsplanung bei einem atomaren Unfall im AKW Beznau steht.

Dominic Kobelt
Merken
Drucken
Teilen
Könnte eine Evakuierung auch coronakonform stattfinden?

Könnte eine Evakuierung auch coronakonform stattfinden?

Keystone

Insbesondere möchten die Atomgegner wissen, «ob das Evakuierungskonzept im Falle eines Atomunfalls im Atomkraftwerk Beznau bereits an die COVID-19-Vorschriften des Bundes angepasst wurden», wie sie in einem offenen Brief schreiben.

Das aktuelle Konzept gehe davon aus, dass sich ein atomarer Unfall nur langsam entwickeln würde, schreibt das Aktionskomitee NWA weiter. So stünde «unglaublich viel Zeit für eine geruhsame Evakuierung der Bevölkerung in den Zonen 1 und 2 um das AKW Beznau herum» zur Verfügung.

Das dem tatsächlich so wäre, bezweifelt die Gruppe: «Wir haben diese sehr optimistische Annahme des Bundesamts für Bevölkerungsschutz schon früher in Frage gestellt, denn ein GAU kann sich schnell entwickeln, wie die GAUs in den letzten Jahrzehnten gezeigt haben.» Dann aber würde ein Grossteil der Bevölkerung beim Versuch, sich in Sicherheit zu bringen, in Staus im privaten und öffentlichen Verkehr steckenbleiben, heisst es weiter.

Bereits die zweite Anfrage

Die Gruppe hatte bereits im April 2020 eine ähnliche Anfrage gestellt. Damals schrieb das Bundesamt für Bevölkerungsschutz, eine «aktualisierte Risikoeinschätzung für ein nukleares Referenzszenario während einer laufenden Pandemie» sei nicht vorgenommen worden, dies hauptsächlich aus Kapazitätsgründen. Eine Evakuierung habe sicherlich einen Einfluss auf die Infektionsraten, und aktuell gültige Massnahmen müssten wohl zumindest temporär angepasst werden, so die Verantwortlichen.

Mit dieser Antwort sind die Atom-Gegener nicht zufrieden. «Uns scheint das Nichtvorhandensein einer Notfallplanung für die Evakuierung im Pandemiefall eine gefährliche Unterlassung zu sein.» Deshalb wollen Sie von Bundesrätin Viola Amherd wissen, ob in der Zwischenzeit eine angepasste Evakuierungsplanung erarbeitet wurde.