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Tagblatt Online, 31. Dezember 2008 01:00:50

MERKER

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Gelungener Tagblatt-Relaunch

Zwei Jahre lang haben wir das Tagblatt jeden Tag kritisch gelesen und danach als Merker unsere klugscheisserischen Kommentare dazu abgegeben. Mit diesem Artikel geht unsere Merkerzeit nun zu Ende. Deshalb wollen wir einen Blick zurückwerfen und schauen, was sich in den zwei Jahren alles verändert hat. Für einmal gibt es in unserem Merker mehr Lob als Tadel für die Tagblatt-Redaktion.

Bessere Einteilung

Besonders gespannt waren wir auf den Relaunch des Tagblatts von Anfang Oktober. Und wir müssen gestehen: Wir sind grösstenteils positiv überrascht. Was uns besonders freut: Offensichtlich sind auch einige Vorschläge und Anregungen der Merker mit eingeflossen.

Das neue Layout gefällt uns. Es ist unaufdringlich und bringt trotzdem frischen Wind ins Blatt. Auch die neue Rubrikeneinteilung ist uns ins Auge gestochen: Der «ostschweiz»-Bund hat durch die Abschaffung der einzelnen Kantonsseiten an Qualität gewonnen. Endlich werden die Themen nach Wichtigkeit und nicht nach der Region gewichtet.

Erfreulich finden wir auch die neue Gestaltung des Regionenbundes. Die Ausgliederung der Rorschach-Seiten ist ein pragmatischer Schritt, weil sich Gossau und St. Gallen deutlich näher stehen als St. Gallen und Rorschach.

Trockene Wirtschaftsseite

Nach wie vor nicht ganz glücklich sind wir aber mit dem Wirtschaftsbund. Dieser ist noch immer sehr zahlenlastig. Ja, wir haben sogar den Eindruck, dass die Bleiwüste seit der Neugestaltung des Tagblatts noch grösser geworden ist. Auch die Artikel sind häufig einzige Zahlenberge. So zum Beispiel der Text «Abbau wird heftiger» (10.12.), in dem es um die aktuelle Arbeitslosenquote geht. In dem zweispaltigen Text stehen auf engstem Raum ganze 17 Zahlen, ein Arbeitsloser kommt hingegen nicht zu Wort. So sieht keine leserfreundliche Zeitung aus.

Auch sonst macht sich das Tagblatt kaum je die Mühe, komplexe Wirtschaftsthemen für den «einfachen Mann» verständlich zu erklären. Gerade jetzt, in Zeiten der Wirtschaftskrise, wäre das aber wichtiger denn je.

Sahnehäubchen des Tagblatts

Diejenige Neuerung, die uns am meisten gefreut hat und die dem neuen Tagblatt Tag für Tag eine Art «Sahnehäubchen» aufsetzt, ist der neue «focus»-Bund. Hier ist es den Blattmachern gelungen, etwas Neues zu schaffen, das auch uns Junge abzuholen vermag. Obwohl der Bund offensichtlich noch in der Findungsphase ist, zeigt er immer wieder aussergewöhnliche Herangehensweisen an Themen. Besonders gelungen fanden wir beispielsweise das Gespräch mit einem Cannabis-Dealer («Ich verkaufe nicht an jeden», 24.11.) oder die «Nachtsicht»-Bilder, die jeweils am Montag auf der letzten Seite erscheinen.

Der kopflose Fritsche

Und gleich noch ein Kränzchen dürfen wir dem Tagblatt winden: Im Herbst wurde der Internetauftritt nochmals deutlich verbessert. Endlich finden sich Bildergalerien zu Newsthemen, es gibt eine Kommentarfunktion zu den Artikeln und auch die von uns vorgeschlagene Einbindung von Bild- und Toninhalten von Tele Ostschweiz und Radio FM wurde erstmals umgesetzt. Hoffen wir, dass das in Zukunft weiter ausgebaut wird, damit das «Tagblatt Online» noch multimedialer und spannender wird.

Ebenfalls gefällt uns, dass auf der Internetseite immer wieder eigene Geschichten zu finden sind, wie der Beitrag «Thurgauer Flight Attendant sitzt in Bangkok fest» (29.11.). Ganz ungeschoren wollen wir die Online-Redaktion aber nicht davonkommen lassen, schliesslich heissen wir nicht umsonst «Klugscheisser». Immer wieder fanden wir etwas holprige Texte auf der Homepage. Im Oktober köpfte die Online-Redaktion dann sogar noch Moderator Marco Fritsche (siehe Bild). Ob das wohl die Strafe für sein neustes Projekt «Bauer, ledig, sucht…» ist?

Internet-Zukunftsmusik

Mit seiner Neugestaltung hat das Tagblatt einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Doch ausruhen darf sich die Redaktion auch unter dem neuen Chefredaktor nicht. In Zukunft sollten in der Zeitung mehr spannende Eigenleistungen zu finden sein. Das Tagblatt muss davon wegkommen, in erster Linie Agenturtexte und Medienmitteilungen zu verarbeiten. Das wird immer mehr zur Aufgabe der Online-Medien. Um längerfristig überleben zu können, muss das Tagblatt täglich mit eigenen und gut recherchierten Beiträgen aufwarten. Auch das Internetportal sollte weiter ausgebaut werden. Eine bessere Verknüpfung mit der Zeitung ist unabdingbar. So können auch die Leserinnen und Leser besser eingebunden werden. Bei einigen Konkurrenzprodukten können die Leser bereits heute der Redaktion über die Homepage oder das Handy Bilder und Informationen zusenden. Hier liegt beim Tagblatt noch ein grosses Feld brach.

Merker auch in Zukunft!

Zuletzt noch dies: Wir finden es beachtlich, dass es den Tagblatt- Merker überhaupt gibt. Dass eine externe Kritik im eigenen Blatt abgedruckt wird, ist nicht selbstverständlich. Das zeigte sich auch, als wir Ende März einen ziemlich angriffigen Merker veröffentlichten, der danach im Forum einer deutschen Sprachforschungs-Homepage diskutiert wurde. Schon bald schossen dort die Spekulationen ins Kraut, was hinter diesem «Merker» stecken könnte. Diskutiert wurde unter anderem, ob er ein Aprilscherz des Tagblatts sei oder ob ein «Profi der Konkurrenz» hinter dem Text stecke. Am witzigsten fanden wir die Mutmassung, dass der Merker aus der Feder «eines etwas ungeduldigen (und ziemlich törichten) Kronprinzen für das Amt des Chefredaktors» stammen solle. Offensichtlich konnte sich keiner der Diskutierenden wirklich vorstellen, dass eine Zeitung eine solche Kritik im eigenen Blatt abdrucken würde. Das Tagblatt hatte diesen Mut und dafür wollen wir uns bedanken. Wir hoffen, dass es die Institution «Merker» auch in Zukunft gibt.

Das «klugscheisser.ch»-Team

redaktion@klugscheisser.ch





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