Tagblatt Online, 08. Mai 2006 00:30:59
Die einfachste Sprache
Schnupperlektion des Esperantoklubs Wil/Ostschweiz
Während der Schnupperlektion, die am vergangenen Mittwoch im Stadtsaal Wil stattfand, habe sich gezeigt, dass Esperanto tatsächlich viel leichter gelernt werden könne als andere Fremdsprachen, so der Esperantoklub in einer Medienmitteilung. Nach einer Einleitung von Wolfram Fischer aus Wolfertswil zur Entstehung dieser äusserst einfach konstruierten Kunstsprache vor gut 100 Jahren, hatten die wenigen erschienen Teilnehmer die Gelegenheit, die wesentlichen Elemente der Sprache kennen zu lernen.
Fünf Minuten für Konjugation
Am meisten überzeugt schienen die Zuhörer von jenen fünf Minuten gewesen zu sein, während denen die Konjugation erklärt wurde: In Esperanto gibt es keine unregelmässigen Verben. Was beim Lernen anderer Sprachen einen grossen Teil der Energie verschlingt, wird in dieser Sprache durch drei Endungen für die drei Hauptzeiten Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft geregelt. Diese drei Endungen gelten ohne Ausnahme für alle Verben und für alle Personen.
Überraschend auch für die Organisatoren war der Besuch von Ludwika Kubik aus Polen. Sie hat den kostenlosen Gastgeber-Service von Esperanto benutzt und war gerade in der Schweiz zu Besuch. Sie erzählte in schönstem Esperanto von ihren Erfahrungen mit dieser Sprache. Für die Teilnehmer gab es eine spontane Simultanübersetzung. Der Abend wurde von mehreren Personen gestaltet: Zwei Kinder der Familie Fischer spielten eine Begrüssungsszene. Zu dem guten Dutzend Wörter, welche deren Mutter Myrta Fischer-Schmitter anschliessend in Esperanto zeigte, fanden die Zuhörer mit wenigen Ausnahmen mühelos die Bedeutungen. Dabei zeigte sich, dass viele der Grundwörter aus den romanischen Sprachen stammen.
Wie Legobausteine
Robert Bogenschneider aus Konstanz verdeutlichte anschliessend anhand einiger Beispiele, dass man dank des «Lego»-Systems der Sprache nur wenig Wörter lernen muss. Aus den Wortbausteinen kann man durch Zusammenstellungen neue Wörter bilden und auch erfinden. Ein besonders hübsches Beispiel war die Zusammensetzung «pan-er-o», worin mit der Endung «-er-» ein Einzelteil zum Grundwort «pano» (Brot) beschrieben wird: Ein Brosamen.
Esperanto mit Akzent
In einer humoristischen Einlage präsentierte Martin Meyer aus Zürich, dass man auch bei manchen Esperanto-Sprechern den Akzent der Muttersprache gut heraushören kann. Dank dem kleinen Umfang von Lauten bleibt das Gesagte aber trotzdem gut verständlich. Die Abschiedsworte sprach Verena Chaves-Walder aus Flawil bereits ausschliesslich in Esperanto. Sie sprach sie so langsam und derart gut mit Gesten unterlegt, dass eine Übersetzung für die Gäste nicht mehr nötig war. (wf.)
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