Esperanto versteht sich als eine internationale Sprache, die die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Muttersprachen erheblich erleichtert. Schon seit mehr als 100 Jahren hat sich Esperanto als eine lebendige Sprache erwiesen, mit der man problemlos alle Nuancen menschlichen Denkens ausdrücken kann. Esperanto gehört keinem Land oder Volk. Deshalb bevorzugt es keine Kultur und benachteiligt auch keine. Es gehört allen Menschen, die es sprechen, und schlägt Brücken von einer Kultur zur anderen.
Während bereits 1905 in Boulogne-sur-Mer der erste Esperanto-Weltkongress stattgefunden hatte, wo diese Sprache das erste Mal im grossem Rahmen angewandt worden war und ihre Bewährungsprobe als gesprochene Sprache bestanden hatte, erfolgte die Gründung des Esperantoklubs Wil erst 1964, also sechzig Jahre später. Am Mittwoch feierten die Mitglieder sein 40-jähriges Bestehen im Stammlokal, dem Restaurant Blumeneck. Dass es sich um keine theoretische oder gar tote Sprache handelt, zeigte sich in den lebhaften Diskussionen zwischen Menschen verschiedener Nationalitäten und Muttersprachen. So war es für Deutsche, Schweizer und Polen ein Leichtes, sich mühelos miteinander zu unterhalten, ohne sich eines holprigen Englisch bedienen zu müssen. Zwar ist die Versuchung ab und zu da, sich in der Muttersprache zu verständigen. Das macht aber keinen Sinn, denn die Treffen dienen dazu, Esperanto anzuwenden, was die meisten fliessend beherrschen. Als sanfte Zurechtweisung wird man dann aufgefordert, nicht zu «krokodilen».Seinen Anfang nahm die esperantistische Bewegung in Wil, nachdem wegen grossen Personalmangels an der Psychiatrischen Klinik ein Stelleninserat in einer internationalen Esperantozeitschrift geschaltet worden war. Auf dieses hin meldeten sich Polinnen, die sich zuerst auf Esperanto verständigten - der erste Präsident des Esperanto-Klubs war Hans Kästli, damals Coiffeur an der Klinik, später Pfleger. Im Jahre 1975 übernahm Hildegard Schoch dieses Amt, das sie 15 Jahre später an Stanislaw Pochanke weitergegeben hat. Wegen der einfachen und regelmässigen Grammatik, wegen der leichten Zusammensetzbarkeit von längeren Wörtern und wegen des internationalen Wortschatzes ist Esperanto die am leichtesten erlernbare Fremdsprache der Welt. Wissenschaftliche Studien haben bestätigt, dass die Sprache Esperanto um ein Vielfaches schneller erlernbar ist als andere Sprachen.
Esperanto wurde von Dr. Lazarus Ludwig Zamenhof, einem Augenarzt jüdischer Abstammung aus Warschau, entworfen und 1887 mit einem Lehrbuch vorgestellt. Esperanto hiess eigentlich nur «Lingvo Internacia» (Internationale Sprache); «Esperanto» (ein Hoffender) war das Pseudonym Zamenhofs, mit dem man aber bald seine Sprache selbst bezeichnete.1945 war die Esperanto-Gemeinschaft deutlich geschwächt, viele Esperantisten waren im KZ umgekommen. Nach dem Krieg wurden jedoch die Esperanto-Verbände in Westeuropa wiedergegründet und, nach einer Phase der Verfolgung unter Stalin, auch in Osteuropa Esperanto-Aktivitäten wieder zugelassen. Besonders seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre nahm die Zahl Esperanto-Sprechender zu. An Esperanto Interessierte erhalten Informationen bei Vizepräsidentin Verena Chaves-Walder (Telefon 071 393 41 49).
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