Tagblatt Online, 15. April 2008 00:30:59
Die Evolution in 100 Minuten
Erich Furrers «Mammutjäger» mit «Urgeknallt» im Bräägg
Bazenheid. Die «Mammutjäger» mit dem Bazenheider Schauspieler Erich Furrer gaben am Samstagabend im Kulturtreff Bräägg eine mitreissende Kabarett-Show im ausverkauften «Trauben»-Saal.
Michael Hug
Wer zur Evolution der Menschheit bis anhin noch Fragen hatte, der hat nach diesem Wochenende, sofern er am Samstagabend die Vorstellung der «Mammutjäger» besucht hat, mit Bestimmtheit keine mehr. Die beiden «Mammutjäger» Erich Furrer und Erich Hufschmid klärten im Frontalunterricht und unter Beihilfe sämtlicher vokaler und körpersprachlicher Kommunikationsmittel innert 100 Minuten die staunenden Zuschauer im Bräägger «Traube»-Saal über die Entstehung der Spezies Homo sapiens – beginnend beim Urknall und endend in der Selbsterkenntnis – hinreichend und alle Zweifel beseitigend auf.
Vom Urknall bis zur Zelle
Zehn Minuten, mit den Mitteln der Pantomime und unter authentischer Nachahmung der vermutlich bei diesem Vorgang entstandenen Geräusche dargestellt, mussten für die Evolution vom Urknall bis zur ersten Zelle reichen. Und als dann schon bald der erste Primat auf seinem Baum sass, war der Bogen zum «Tierli-Walter» in der Schulturnhalle schnell gespannt. «Schampar» viele Haare hat so ein Affe, manchmal findet man sie auch in der Suppe, sicher aber am Körper, und auffallen tut dies oft erst, wenn ein dickes Pflaster darüber klebt, das zu entfernen sich eine Krankenschwester vorgenommen hat.
Der Affe am Klavier
A propos Affe: «Die Wahrscheinlichkeit, dass, wenn ein Affe am Klavier sitzen und er rein zufällig darauf herumklimpern würde, er in Millionen von Jahren einmal eine Fuge von Bach spielen wird, ist gleich null!», meint Hufschmied, derweil Herrn Walters Affe die Turnhalle längst schon fluchtartig verlassen hat und in Afrikas Bäumen Bananen schlemmt. Doch die Evolution schreitet auch auf der Bühne unaufhaltsam voran. Längst ist die Sprache mittels prononcierter Lautgebung entdeckt, da entstehen auch die verschiedenen Idiome, die, so es noch hätte bewiesen werden müssen, global und nahtlos ineinander übergehen.
Eminent-existenzielle Fragen
Von den zweifelhaften Errungenschaften der Moderne hat man täglich genug. Zum Glück widmen sich die «Mammutjäger» ausgiebig ihrem eigenen Metier, der Mammutjagd, der Urknall-theorie und der prähistorischen Kochkunst. Doch auch Furrer und Hufschmied finden keine Antwort auf die eminent-existenzielle Frage, ob die Waschmaschinentrommel eigentlich ein Zugang zu einem Paralleluniversum ist: «Wohin sonst verschwinden jene Socken, die nach dem Waschen ständig fehlen?» «Es wird eng», meinen die beiden Evolutionstheoretiker am Schluss, und da wechselt der Kontext von der Blödelei zum Tiefsinn, «seit der Mensch sich selbst als solcher erkannt hat». Es durfte herzhaft gelacht werden in der «Traube». Mit ihrem vierten Programm haben die «Mammutjäger» dank dem Kulturtreff Bräägg es erstmals geschafft, dass Erich Furrer, ein «Angeschwemmter», so Bräägg-Programmchef Fred Höhener, an seinem vor zwei Jahren gewählten Wohnort spielen konnte. Ein komplett ausverkaufter Saal war die Belohnung dafür.
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